Baracca
Das Nachtigallenwäldeli wird verstellt – Simon Lutz kämpft für sein Fondue-Stübli

Die Fondue-Beiz des Gastrounternehmers Simon Lutz soll auch nach dem Kuppel-Neubau weiterbestehen.

Christian Mensch und Nicolas Drechsler
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Auf diesem engen Raum sollen noch zwei Gebäude entstehen.

Auf diesem engen Raum sollen noch zwei Gebäude entstehen.

Kenneth Nars

Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel-Stadt, ist nicht erbaut über das, was er in seinem neuesten Park, dem Nachtigallenwäldeli, sieht. In der bz kritisierte er, dass das öffentliche Wegrecht beim Restaurant Acqua durch die aufgebaute Abgrenzung nicht gewährleistet sei. Doch dies ist nur der Anfang: Gemäss einer neuen Baueingabe will der Gastronom Simon Lutz auf dem Areal in den Wintermonaten seine Fondue-Beiz Baracca Zermatt aufbauen.

Seit dem Winter 2006 errichtet Lutz jährlich die «Baracca» als provisorischen Bau. Im November 2008 erhielt er dafür eine mehrjährige Bewilligung «bis auf Widerruf, spätestens aber bis zur Neugestaltung des Grünraums Nachtigallenwäldeli», wie es im Entscheid heisst. Streng genommen wäre damit im vergangenen Jahr das Provisorium zu einem Abschluss gekommen. Gleichwohl stand im vergangenen Winter die «Baracca», wenngleich wegen der Umbauarbeiten an einem neuen Ort. Die entsprechende Bewilligung ist auf den 22. März 2017 datiert, also kurz bevor die Beiz für den Sommerschlaf wieder demontiert werden musste.

Permanentes Provisorium

Nun beantragt Lutz, diesmal im Voraus, dass die «Baracca» im kommenden Winter wieder am alten Standort aufgebaut werden kann. Dort also, wo die «Neue Kuppel» geplant ist. Lutz geht stillschweigend davon aus, dass die Fertigstellung des neuen Parks nicht gleichzeitig das Ende seines Provisorium bedeutet. Selbst nach dem Kuppel-Neubau soll die «Baracca» weiterleben, falls dieser realisiert werde. Im Baugesuch heisst es nämlich: «Aufgrund der unklaren Zukunft auf dem Areal bezüglich ‹Neubau Kuppel› können wird den Standort für die nächsten Jahre nicht genau definieren.» Lutz hat mit dem Neubau nichts mehr zu tun, seit er in der Stiftung Kuppel entmachtet worden ist.

Tobit Schäfer, der aktuelle Präsident der Stiftung, ist über die Formulierung der «unklaren Zukunft» irritiert, da es bei der Planung der Neuen Kuppel keine Änderung ergeben habe. Er bestätigt jedoch, dass im Winter künftig neben der Neuen Kuppel auch die «Baracca» stehen soll. Dies werde auch bei der Ausarbeitung der Unterbaurechtsverträge berücksichtigt, sagt Schäfer. Die «Baracca» war Basels zweite Fondue-Stube, nachdem der damalige «Kunsthalle»-Wirt Peter Wyss begonnen hatte, im Hof eine Winter-Beiz zu betreiben. Lutz sicherte sich die alte Postbaracke von Zermatt, die in den vergangenen vier Jahrzehnten im Naturhistorischen Museum in Bern gestanden war, und richtete sie zusammen mit dem Zermatter Künstler und Gastronomen Heinz Julen ein.

Während Wyss im Streit mit der Denkmalpflege seine Winterdependance nach kurzer Zeit wieder aufgegeben musste, wird die «Baracca» seit nunmehr zehn Jahren wiederkehrend auf- und wieder abgebaut. Die Kosten dafür belaufen sich auf bescheidene 7500 Franken. Das Gastrokonzept hat sich mittlerweile verdreifacht: Seit einigen Jahren steht eine weitere «Baracca Zermatt» in Kloten, seit vergangenem Winter hat auch die deutsche Stadt Heidelberg ihre «Baracca Zermatt».

Viele Köche beim Staat

So wie sich die alte «Kuppel» gegen alle Widerstände zum grossen Providurium entwickelt hatte, so zeigt nun auch die «Baracca» eine ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit. Mindestens drei Abteilungen der Kantonsverwaltung sind involviert. Für den Bau- und den Gastrobetrieb ist das Bau- und Gastgewerbeinspektorat zuständig. Die «Baracca» werde dabei wie jedes andere Gesuch behandelt, sagt Amtsleiterin Luzia Wigger Stein. Die Baurechtsverträge werden von Immobilien Basel ausgehandelt. Für die öffentliche Zugänglichkeit und die Pflege des Areals ist die Stadtgärtnerei zuständig.

Stadtgärtner Emanuel Trueb sagt, er wisse nicht, inwiefern seine Abteilung für den Unterhalt der gesonderten Baurechtsparzelle zuständig sein solle. Er kenne den Vertrag nicht. Der bz liegt der Baurechtsvertrag vor. Darin heisst es: «Die Details der Nutzung des nicht überbauten Raums der Baurechtsparzelle durch die Öffentlichkeit sowie die Regelung der deswegen anfallenden Kosten werden zwischen der Baurechtsnehmerin und dem Bau- und Verkehrsdepartement (Stadtgärtnerei) in einer separaten Vereinbarung geregelt.» Der Vertrag datiert vom Februar 2014; die erwähnte Vereinbarung scheint es aber bis heute nicht zu geben.

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