Euroairport
Der Euroairport leidet unter seinem Billig-Image

Dank Easyjet wächst der Anteil der Billigflieger am Euroairport Basel ständig auf heute über 54 Prozent. Für den Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin ist das allerdings kein Idealzustand. Denn das Image des Euroairports leidet.

Iso Ambühl
Drucken
Vorherrschaft des Billigfliegers Easyjet am Euroairport Basel-Mulhouse.

Vorherrschaft des Billigfliegers Easyjet am Euroairport Basel-Mulhouse.

ZVG/Daniel Infanger

Im Oktober 2003 war die Stimmung am Euroairport Basel-Mulhouse im Keller: Die Swiss hatte ihr Flugangebot aus Kostengründen auf 14 Destinationen halbiert. Elisabeth Simonius, damalige Präsidentin der Basler IG Luftverkehr, setzte darum «alle Hoffung» auf neue Airlines.

Simonius wurde erhört. 2004 eröffnete der britische Billigflieger Easyjet eine kleine Basis und füllt die Swiss-Lücke seither mit nachhaltiger Wirkung: Die Airline steigerte ihren Marktanteil auf stolze 54 Prozent im ersten Halbjahr 2012 (siehe Grafik). Mit anderen Worten: Mehr als jeder zweite Passagier fliegt mit der britischen Airline. Im letzten Jahr zählte der Euroairport total rund fünf Millionen Passagiere.

Starke Stellung ist ein Klumpenrisiko

Die starke Stellung von Easyjet kann sich als Klumpenrisiko erweisen. Was, wenn sich die Briten zurückziehen? Dieses Risiko kennt Basels Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP), Vizepräsident des Euroairport-Verwaltungsrats. Das sei sicher kein Idealzustand: «Natürlich wäre es besser, wenn wir über vier Airlines mit einem Marktanteil von je 20 Prozent verfügten», sagt Brutschin. Praktisch an allen Flughäfen gebe es jedoch eine dominierende Airline. Er glaube dem Bekenntnis von Easyjet zu Basel: «Wir sind froh, dass sie da sind.»

Die Passagieranteile der Fluggeselleschaften

Die Passagieranteile der Fluggeselleschaften

Euroairport/Grafik:Der Sonntag

Gegenüber dem «Sonntag» bestreitet Euroairport-Direktor Jürg Rämi, dass die Entwicklung des Flughafens zum Billigflieger-Mekka in der Geschäftsleitung zu internem Streit geführt habe. «Nein, dies ist nicht richtig», sagt Rämi und ergänzt: «Wir sind uns einig in der Strategie, einen möglichst guten Mix an Destinationen und Airlines anzubieten, die den Marktbedürfnissen der Region entsprechen.» Die Diversifizierung des Angebots bleibe ein zentrales Anliegen.

Tatsache ist, dass die traditionellen Airlines am Euroairport Jahr für Jahr Marktanteile verlieren. Die Swiss, als Nachfolgerin der Crossair 2002 noch die dominierende Airline, verlor stetig an Marktanteil von 14 Prozent im Jahr 2005 auf derzeit noch sechs Prozent. Auch die Lufthansa machte rückwärts von 8,1 Prozent im Jahr 2005 auf derzeit sechs Prozent genauso wie Air France von 23,4 Prozent auf derzeit noch acht Prozent.

Mehr Gelder für Gebäude-Unterhalt

Der Basler Steigflug von Easyjet dank günstigen Tickets gewann jedes Jahr an Höhe: 2005 hatte Easyjet noch einen Passagier-Anteil von 34,2 Prozent, 2009 bereits 43,9 Prozent und 2012 54 Prozent. Derzeit bedient Easyjet 42 Strecken ab Basel und hat hier sieben Flugzeuge stationiert. Neu fliegt die Airline ab Ende März 2013 ins italienische Catania. Für Euroairport-Spezialisten ist klar, dass Easyjet bald eine achte Maschine am Flughafen stationieren wird.

Drei weitere «Low Cost Carrier» operieren seit Kurzem am Flughafen: die marokkanische Air Arabia Maroc, die türkische Pegasus und neuestens auch die Wizz Air. Besonders die in Ungarn gegründete Wizz Air, gemäss ihrer Werbung «die grösste Low-Cost-Airline in Zentral- und Osteuropa». Sie will ihr Angebot ausbauen. «Wir sind an Wachstum am Euroairport sehr interessiert», sagt Sprecher Daniel de Carvalho. Derzeit fliegt Wizz Air nach Skopje und Belgrad.

Ob der Nimbus des Flughafens wegen dieser Entwicklung leidet, ist umstritten. Laut Regierungsrat Brutschin soll es auf jeden Fall nicht heissen, dass der Flughafen «billig» aussehe. Darum habe man die Gelder für den Unterhalt der Gebäude erhöht. Da sich die Swiss «quasi vom Flughafen verabschiedet» habe und nur noch wenige Destinationen anbiete, gebe es einfach keine Alternative zu Easyjet, betont Thomas Burckhardt, Präsident der IG Luftverkehr, der Vereinigung Pro Euroairport.

Für Basels Tourismus-Direktor Daniel Egloff sind die Unterschiede zwischen traditionellen Airlines und Easyjet gar nicht mehr so gross. Selbst Business--Leute würden heute gerne mit Easyjet fliegen. Das Argument gegen Billigflieger, dass keine Sitze reserviert werden können, fällt Ende November: Dann führt Easyjet «die Sitzplatz-Zuweisung» ein. Das Reservieren kostet je nach Beinfreiheit des Sitzes zwischen 4 und 10 Euro.

Aktuelle Nachrichten