«Der gestiefelte Kater»
Mit Cannabis und Kater im Theater Fauteuil

«Der gestiefelte Kater» im Theater Fauteuil ist eine herzerwärmende, aber auch etwas langfädige Inszenierung.

Mélanie Honegger
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«Der gestiefelte Kater» im Theater Fauteuil.

«Der gestiefelte Kater» im Theater Fauteuil.

Zvg/Mimmo Muscio

In der Fülle an kulturellen Anlässen gehen sie manchmal ein wenig unter, die Theaterproduktionen für Kinder. Dabei gibt es nirgendwo sonst ein Publikum, das so authentisch ist. In witzigen Momenten lacht und kichert es lautstark. Oder aber es plaudert und raschelt ohne Scham, wenn es mal nicht mehr so spannend ist. Das grosse Drama spielt sich jedenfalls nicht auf der Bühne ab.

So auch im Theater Fauteuil, das aktuell das Märchen «Der gestiefelte Kater» zeigt. Ein herziger Klassiker, auch heute noch. Die Grosseltern strömen mit ihren Enkelkindern in den Keller, der Saal ist an einem Mittwochnachmittag so voll, wie es Covid zulässt.

Lieder für Kinder, Wortspiele für Erwachsene

Über die Bühne streift schon bald der freche Kater Schnurrdiburr, der mit seiner Gewitztheit einen bösen Zauberer überlistet und gemeinsam mit einem Müllergesellen dessen Reich einnimmt. Sogar die schöne Prinzessin erobern die beiden. Natürlich funktioniert das alles nur mit der tatkräftigen Mithilfe des Publikums. «Singt alle mit», animiert der Küchenbursche die Kinder – und diese bringen der Prinzessin begeistert ein Geburtstagsständchen.

Im Mehlsack versteckt: Kater Schnurrdiburr.

Im Mehlsack versteckt: Kater Schnurrdiburr.

Zvg/Mimmo Muscio

Alles, wie gehabt? Nicht ganz, denn Regisseur Martin Schurr hat das Stück regionalisiert und zumindest ein wenig in die Moderne geholt. Aus dem Grafen Karabas wird plötzlich der Graf Ananas und schliesslich Claraplatz. Doch nicht alle Wortspiele kommen bei den Erwachsenen im Publikum gleich gut an. Als der König vom Grafen Cannabis spricht, ist die ­Empörung in den hinteren Reihen gross. «Gohts no?», raunt eine Mutter entsetzt. Nach einer Dreiviertelstunde fällt schliesslich der Vorhang, doch das Stück ist nicht am Schluss angelangt, sondern erst in der Mitte. «Es goht so lang», sagt ein Mädchen im Publikum und spricht damit wohl vielen Eltern und Grosseltern aus der Seele.

Die zweite Hälfte ist dann allerdings deutlich kurzweiliger. Irgendwann hat man die überzeichneten Figuren einfach gern: das verspielte Dienstpersonal, das mit Tellern jongliert und heimlich Bananen verschlingt, oder den Zauberer Abrakarax, der stets so dramatisch seinen wehenden Umhang inszeniert.

Nur Ja heisst Ja, gilt jetzt auch im Märchen

Für Gelächter sorgt auch die Rivalität zwischen den zwei Verehrern der Prinzessin, die sie mit Gedichten wie «Ein langes Leben wünsch’ ich dir, dies ist ein Gedicht von mir» langweilen. Überhaupt bereiten einige Momente jeder halbwegs feministischen Person im Publikum Freude: Die Prinzessin wird nicht einfach erobert wie im Märchen sonst üblich, sondern immerhin erst konsultiert, ob dies in ihrem Sinne sei. «Ich weiss jo gar nit, ob die Tochter mi als Maa wott ha», fragt der Müllersgesell, als der Vater seine Tochter verheiraten will.

Alles in allem ein Märchenklassiker, der überzeugt – auch wenn der Spass mit insgesamt rund 100 Minuten besonders für die jüngeren Gäste etwas gar ­lange dauert.

Erobert die Prinzessin: Müllersgeselle Hans (vorne).

Erobert die Prinzessin: Müllersgeselle Hans (vorne).

Zvg/Mimmo Muscio

«Der gestiefelte Kater»
Theater Fauteuil. Weitere Vorstellungen bis 19. Februar.
www.fauteuil.ch

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