Basler Fasnacht
Der grosse «Bumm» des Jean Tinguely und der legendären «Kuttlebutzer»

Der passionierte Fasnächtler Jean Tinguely war fast 20 Jahre lang bei den «Kuttlebutzer». Als er erstmals bei der Fasnachtsclique mitmachte, endete der Auftritt in einem Skandal. Eine Ausstellung des Museums Tinguely beleuchtet nun ein Stück Geschichte und Kunst an der Basler Fasnacht.

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Das Tinguely-Museum ehrt die legendäre Fasnachtsclique «Kuttlebutzer» mit einer Sonderausstellung
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Verschiedene Larven der «Kuttlebutzer» hängen an der Wand des Tinguely-Museums.
Andres Parday, Kurator und Vize-Direktor des Museums, führt anlässlich einer Medienveranstaltung durch die Ausstellung.

Das Tinguely-Museum ehrt die legendäre Fasnachtsclique «Kuttlebutzer» mit einer Sonderausstellung

Keystone

Die Aktion, mit der die "Kuttlebutzer" 1974 Furore machten, ging als der grosse "Bumm" in die Basler Fasnachtsgeschichte ein. Die Clique zog mit Pfeiffern, Tambouren und einem Wagen vors Fasnachts-Comité, das auf dem Marktplatz den Fasnachts-Cortège abnahm. Dort gingen die Wagenseiten herunter, und aus Böllern schossen Russ, "Räppli" (Konfetti) und Federn in die Luft.

Die "Kuttlebutzer", sonst am Cortège nie dabei und stets in Auflehnung gegen die "organisierte Fasnacht" des Comités, wollten dieses sinnbildlich in die Luft sprengen. Sprengmeister auf dem Wagen war Jean Tinguely. Folge waren volle Leserbriefspalten und eine Busse für die Cliquenpräsidentin wegen unerlaubten Abbrennens von Feuerwerk.

Ausnahme-Clique

Licht auf die Geschichte dieser von Grafikern, Gestaltern und Künstlern beeinflussten Ausnahme-Fasnachtsclique wirft nun die von Andres Pardey kuratierte Schau "Sodeli, d'Kuttlebutzer" im Basler Museum Tinguely. Jean Tinguely, Max Kämpf, Christoph Gloor und andere entwarfen deren Fasnachtszüge, Bernhard und Jvan Luginbühl oder Alfred Hofkunst malten an ihren Fasnachtslaternen.

Die Clique war ein Querschläger an einer Fasnacht, die entgegen ihrem Image lange Zeit engeren Bahnen folgte als heute. Mit ihrem Löken gegen den Stachel des Vorgegebenen trug sie zur Öffnung der Fasnacht bei, mit Innovationen wie der - damals ungewohnten - Vielfalt im Fasnachtszug oder mit neuartigen Pfeiffermärschen wie dem "Whisky Soda" des späteren Basler Finanzdirektors Lukas Burckhardt.

Entstanden 1957 aus einer Schnitzelbank-Gruppe, gabs die "Kuttlebutzer" bis 1999. Die Ausstellung im Tinguely-Museum versammelt Zeitdokumente aus dem Museum der Kulturen Basel, dem Ortsmuseum Binningen BL oder dem Cliquenarchiv. Hinzu kommen Ton- und Bild-Interviews mit Ehemaligen oder Nahestehenden, darunter auch Ehefrauen von "Kuttelbutzern".

Kunst an der Wand

Die Kunst der "Kuttlebutzer" zur Geltung bringen indes ihre zahlreichen Zeichnungen und Entwürfen für Kostüme und Fasnachtszüge und, noch spektakulärer, eine Wand, behängt mit Fasnachtslarven: Diese sind - auch für die Basler Fasnacht, das grösste jährliche Volksfest der Schweiz - aussergewöhnlich. Die Ausstellung dauert bis zum 14. April.

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