Massenentlassung

Die grosse Leere am Hauptsitz: So schlimm steht es um die Manor in Basel

Im Jahr 2015 arbeiteten hier am Hauptsitz von Manor rund 1250 Menschen. Nach dem neuesten Abbau werden es noch 740 sein.

Im Jahr 2015 arbeiteten hier am Hauptsitz von Manor rund 1250 Menschen. Nach dem neuesten Abbau werden es noch 740 sein.

Der Schock nach der weiteren Massenentlassung bei Manor sitzt besonders in Basel am Hauptsitz tief. In den vergangenen fünf Jahren wurden hier nicht weniger als 40 Prozent der Stellen abgebaut, wie eine Berechnung der bz ergeben hat. Gerüchten zufolge stehen viele Büros leer. Pläne, diese an Externe zu vermieten, bestehen laut einem Sprecher indes keine.

Konsternation. Es ist das erste Wort, das einem einfällt, wenn man die Reaktion des Basler Wirtschaftdirektors Christoph Brutschin auf die neueste Entlassungswelle bei Manor liest: «Dieser radikale Schritt war leider zu erwarten», antwortet Brutschin der bz per Mail. Er sei am Montag telefonisch darüber informiert worden, dass schweizweit 476 Stellen abgebaut werden, davon 91 am Hauptsitz in Basel, der sich an der Rebgasse 34 befindet.

Die Konsternation kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen fünf Jahren kam es beim Traditionsunternehmen zu mehreren Massenentlassungen. Nicht nur in den Warenhäusern in der ganzen Schweiz, sondern eben auch am Hauptsitz in Basel. Und dies nicht zu knapp.

40 Prozent weniger Angestellte am Hauptsitz

Noch vor fünf Jahren zählte man am Hauptsitz von Manor mehr als 1200 Angestellte. Dann wurden im selben Jahr 150 Personen entlassen. 2016 kommunizierte Manor 100 Kündigungen, 2017 fielen 170 Stellen einer weiteren Sparrunde zum Opfer. Nach dem neuerlichen Abbau von 91 Stellen werden es noch 739 Mitarbeiter sein. Damit wurden seit 2015 in den Manor-Büros in Basel rund 500 Stellen abgebaut, das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent.

Die Büros der Warenhauskette sind indes nicht nur im modernen Gebäude an der Rebgasse 34 untergebracht. Im Besitz von Manor befinden sich auch Liegenschaften an der Utengasse 6 sowie an der Rheingasse 7. Dazu kommen weitere an der Utengasse 31, 35, 37 und 39, die der Pensionskasse des Warenhauses gehören. Glaubt man Gerüchten, stehen bereits jetzt viele Büros am Hauptsitz leer. Doch nun müssen weitere 91 Arbeitsplätze geräumt werden.

Da liegt die Frage nahe, ob die Geschäftsleitung von Manor erwägt, den Hauptsitz zu redimensionieren. Heisst, gewisse Büroräume an der Rebgasse an Externe zu vermieten oder sogar die Liegenschaften an der Utengasse zu verkaufen, um Einnahmen zu generieren und damit allfällige weitere Entlassungen zu vermeiden. Andreas Richter, Sprecher von Manor, wiegelt auf Anfrage der bz ab: «Dass derzeit gewisse Büros leer stehen, ist nur von temporärer Natur. Wir haben bereits im vergangenen Jahr ein Nebengebäude veräussert und die zugemieteten Räumlichkeiten reduziert.» Manor beurteile das Liegenschaftsportfolio sowieso «laufend» und werde freie Räume oder Flächen untervermieten – oder gar verkaufen. Um welche Räume und Flächen es sich dabei handeln wird, sagt er nicht.

Brutschin hofft, dass neue Stellen geschaffen werden

Auf Nachfrage erklärt Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin, dass er nichts von einer räumlichen Redimensionierung wisse. Der Fokus liege jetzt ohnehin auf den Betroffenen: «Jede Stelle, die verloren geht, ist zuerst einmal eine zu viel – egal, ob in Basel oder anderswo.» Es gelte nun, diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, bei der Stellensuche zu unterstützen. «Von Manor erwarte ich, dass die nachvollziehbare, neue Strategie zügig vorangetrieben wird und damit in Zukunft möglichst auch wieder neue Stellen geschaffen werden können», so Brutschin.

Die Erwartungen des Wirtschaftsdirektors könnten bald erfüllt werden. Manor-Sprecher Richter betont: «Als Teil unserer beschleunigten Digitalstrategie werden wir in den nächsten Jahren Stellen in IT, E-Commerce und Logistik aufbauen. Die beiden erstgenannten Bereiche sind in Basel angesiedelt. Dafür brauchen wir erneut Platz.» Dann werden sich die leeren Büros an der Reb- und Utengasse hoffentlich wieder füllen.

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