Räumung
Die Schwarze Erle wird gefällt – Besitzer setzt der Besetzung ein Ende

Bei der «Schwarzen Erle» war am Mittwochnachmittag ein grösseres Polizeiaufgebot im Einsatz. Nach mehr als zwei Jahren der Toleranz setzt der Besitzer der Besetzung ein Ende.

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Grösseres Polizeiaufgebot an der Erlenstrasse.

Grösseres Polizeiaufgebot an der Erlenstrasse.

Benjamin Rosch

Lange hatten sich die Besitzer des Hauses nicht um ihre ungebetenen Gäste geschert. Am Mittwochnachmittag änderte sich dies schlagartig: Offenbar hat der Eigentümer die Nase voll von Littering und Beschwerden der Anwohner. Der Mitarbeiter eines Schlüsseldiensts berichtet, wie er die Zylinder von zwei Türen an der Erlenstrasse aufbrach. Dahinter erwarteten ihn die Bewohner. Es sei zu einigen Wortwechseln gekommen, da manche der Besetzer ihre Behausung nicht freiwillig verlassen wollten. Kurz vor einem Handgemenge sei dann die vom Besitzer angeforderte Polizei eingetroffen.

Chronologie der Besetzung

- Januar 2015: Eine Gruppe Hausbesetzer nehmen das ehemalige Bordell in Beschlag. Dazwischen war die Liegenschaft während Monaten leergestanden. Es ist bereits die zweite Besetzung an diesem Ort, die letzte liegt jedoch schon weit mehr als zehn Jahre zurück.

- Juni 2015: Die Besitzer dulden eine Zwischennutzung während einer Frist von einem halben Jahr, heisst es. Diese verstreicht, ohne dass sich irgendetwas ändert. Inzwischen entwickelt sich die Schwarze Erle zu einem autonomen Kulturort.

- Januar 2016: Erste Probleme tauchen auf. Bewohner hätten eine weitere Liegenschaft besetzen wollen, berichtet die «Basler Zeitung».

- Juni 2016: Nach einer Krawallnacht mit Tätern aus dem autonomen Milieu befürchten die Besetzer Repressionen der Erle. Diese bleiben jedoch aus.

- Januar 2017: Die Schwarze Erle feiert ihr zweijähriges Bestehen mit einem zweitägigen Fest.

- Februar 2017: Anwohnern platzt der Kragen, berichtet die bz. Sie beschweren sich über die untätigen Besitzer. Auch die Politik regt sich: SVP-Grossrat Eduard Rutschmann will gegen die Besetzung vorgehen. Der Besitzer «prüft Optionen».

«Es handelt sich hierbei nicht um eine Räumung, sondern um einen Sicherungseinsatz», sagte Polizeisprecher Martin Schütz vor Ort. Der Hausbesitzer hätte den Bewohnern mitgeteilt, dass er sie nicht länger toleriere. «Drei Personen haben das Gebäude verlassen, zwei weitere blieben drin.» Als dann im Zuge einer Diskussion andere wieder in das Haus zurückkehren wollten, habe sich «eine gewisse Dynamik» entwickelt.

Daraufhin habe die Polizei den Einsatz verstärkt. In der Tat: Schon bald standen rund 15 Polizisten etwa doppelt so vielen Personen gegenüber, die sich mit den Besetzern solidarisierten. Kreise, die den Besetzern zuzuordnen sind, hatten dazu aufgerufen via SMS aufgerufen. «Besitzer der Erle versucht sich mit 5 Typen Zugang zum Haus zu verschaffen. Bereits 2 Türen aufgebrochen. Unterstützung unbedingt erwünscht», hiess es darin.

Zu keinem Zeitpunkt sah es jedoch so aus, als würde sich die Situation verschärfen. Weder wurde jemand verhaftet, noch kam es zu Gewaltszenen, , die Personen verliessen die «Erle» ohne Widerstand zu leisten. Im Gegenteil: Der Hausbesitzer liess die Bewohner im Anschluss einzeln wieder in die Räumlichkeiten um ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Er reichte allerdings gegen zwei Personen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch ein. Gegen Abend wollte er das Gebäude durch eine Baufirma unzugänglich machen lassen.

Strasse gesperrt, Bus umgeleitet

Die Polizei sperrte indes den Bereich um die Erlenmatt und insbesondere den ersten Teil der Erlenstrasse ab. Dies führte zu Verspätungen und Umleitungen auf der Linie 30 der BVB.
Den Nachbarn war das Haus mit den farbenfrohen Wandmalereien schon länger ein Dorn im Auge. Jedes Jahr gingen etwa 15 Lärmklagen bei der Polizei ein. An den Wochenende hatten immer wieder Konzerte und Partys stattgefunden. Besitzer der Liegenschaft ist die Firma Fortius Asset Management AG aus dem Kanton Zürich, die schon beim Kauf des Hauses Schlagzeilen gemacht hatte. Weder er noch die Besetzer wollten gegenüber der bz Stellung zu den Vorkommnissen beziehen.

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