Markthalle Basel
Die Türe steht nicht für alle offen – Bettler sind hier unerwünscht

Ein Stück Papier auf der grossen Eingangstüre der Markthalle weist darauf hin, dass das Betteln hier untersagt ist. Dies, obwohl sich die Co-Leiterin politisch für die Aufhebung des Verbots einsetzte.

Aimee Baumgartner
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Ein abgeklebtes Stück Papier am Eingang weist auf das Bettelverbot in der Markthalle Basel hin.

Ein abgeklebtes Stück Papier am Eingang weist auf das Bettelverbot in der Markthalle Basel hin.

Nicole Nars-Zimmer

Wahrscheinlich beschäftigt die Baslerinnen und Basler aktuell nichts so sehr wie die Bettelnden. Die osteuropäischen Familien, die Passanten nach Geld und Essen fragen, sind das Gesprächsthema Nummer eins. Auch die Restaurants in der Stadt beschäftigen sich mit der Thematik – wie die Markthalle Basel. Mehrere Gäste berichten, wie sie während der Mittagspause von mehreren Bettelnden aus Osteuropa angesprochen wurden.

Zentrale Werte gelten offenbar nicht für alle

Der Bettelei hat die Markthalle nun einen Riegel vorgeschoben. Bevor man die Markthalle betritt und einem die Düfte von Essen aus aller Welt entgegenströmen, fällt ein A4-grosses Blatt Papier mit der Aufschrift «Betteln verboten» an der Eingangstür auf. Dabei hat sich die Gründerin und Co-Leiterin der Markthalle, Alexandra Dill, höchstpersönlich für eine Aufhebung des Bettelverbots in Basel eingesetzt. Als SP-Grossrätin stimmte sie in der Abstimmung im Februar 2019 – wie die meisten ihrer Parteikolleginnen und -kollegen – dafür, dass das Betteln durch Einzelpersonen in der Stadt erlaubt werden soll.

Die Basler Stimmbevölkerung bestätigte den Entscheid und nahm die Vorlage zum revidierten Übertretungsstrafgesetz Ende Jahr mit 56 Prozent Ja-Stimmen klar an. Rund zwei Monate nach der Implementierung des Gesetzes wird das Betteln in der Markthalle nun aber von den Betreibern untersagt.

Politisch stimmte sie Ja, als Geschäftsfrau sagt sie Nein

«Ich finde die von der Bevölkerung bestätigte Anpassung im Übertretungsstrafgesetz richtig, weil sie auf das fokussiert, was verhindert werden soll: das bandenmässige Betteln», so Alexandra Dill. Ihr sei es wichtig, Menschen generell zu entkriminalisieren, die in grosser Armut lebten und deshalb Passanten auf der Strasse nach Geld fragten. Und genau darin liege für Dill auch der Unterschied: Die Markthalle befindet sich auf Privatgrund und nicht auf Allmend.

Geht es nach der Basler SVP, soll das Betteln in der Stadt generell wieder verboten werden. In einer Mitteilung schreibt die Partei gestern: «Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung und des Gewerbes sind eindeutig: Die Wiedereinführung des Bettelverbots wird dringend gewünscht.» Die SVP appelliert zugleich an das Parlament. Die von SVP-Grossrat Joël Thüring eingereichte Motion habe angesichts der «anhaltend schlechten Situation eine hohe Dringlichkeit». Diese Reaktion der SVP verwundert nicht, das rigorose Einschreiten der Markthallen-Leitung hingegen schon.

«Zusammenkunftsmöglichkeiten», jedoch nicht für alle

Eigentlich gilt die Markthalle als ein Platz für «Zusammenkunftsmöglichkeiten», so steht es zumindest auf der eigenen Website. Die «Inklusion von Menschen aus verschiedenen Kulturen» und ein «gleichwertiges Miteinander, für eine weltoffene Stadt» sind als zentrale Werte im Zusammenhang mit der Vision der Organisation aufgelistet. Die Bettelnden sind davon aber scheinbar ausgeschlossen.

Alexandra Dill begründet das Bettelverbot so: «Es ist uns wichtig, dass unsere Gäste auch einen Moment der Ruhe bei uns finden können.» Aus demselben Grund seien zum Beispiel auch Promo-Aktionen und das Flyern in der Markthalle nicht erlaubt.

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