Merian Gärten

Die Wasserflächen sollten weg – doch jetzt krebst die Christoph Merian Stiftung zurück

Video Brüglinger Ebene

Brüglinger Ebene

Ein Flug mit der Drohne über die Merian Gärten zwischen Basel-St. Jakob (Anfang) und Münchenstein-Dreispitz (Ende).

Bei der Umgestaltung der Merian Gärten hätte der Kanal trockengelegt werden sollen. Doch Kritik von prominenter Stelle zeigte Wirkung – unter anderem hatte der Direktor der «Grün 80» bei der Stiftung interveniert.

Als «magischen Ort der Schönheit» beschreibt die Christoph Merian Stiftung (CMS) ihre Merian Gärten. Ab Mitte Oktober will die Stiftung die Anlage in der Brüglinger Ebene umgestalten. Mit der Magie wäre es jedoch vorbei gewesen, sagt Hans-Peter Ryhiner – zumindest dann, wenn die CMS an ihren Plänen festhalten sollte. Der Direktor der «Grün 80» bezeichnet das Siegerprojekt zur Neugestaltung als «fraglich». Mit ihm, sagt er zur bz, hätte man «ein Zeugnis der Gartenbaukunst zum Ende des 20. Jahrhunderts leichtfertig geopfert».

Bereits Ende 2018 habe er bei der CMS interveniert, sagt Hans-Peter Ryhiner. Deren Umgestaltungspläne sahen vor, neben anderen Bestandteilen auch den Wassergraben samt Bassin und Bogenbrücke aufzuheben. Genau diese Bestandteile jedoch, gibt Ryhiner zu Bedenken, seien prägend für die gesamte Anlage: «Diese Elemente stellen die optische Verbindung her zwischen den beiden grossen Gebäudegruppen der Merian Gärten: Dem Hofgut Brüglingen samt Villa Merian, Lehmhaus und Mühle auf der einen sowie dem stadtnäheren Hofgut Vorder Brüglingen mit Berri-Scheune auf der anderen Seite.»

Siegervorschlag sieht keine Wasserbecken mehr vor

Offenbar hat man bei der CMS kalte Füsse gekriegt. Zwar zeigt der online einsehbare siegreiche Vorschlag von Fontana Landschaftsarchitektur Basel weiterhin ein verschlungenes Wegnetz und versetzte Gärten, Wasserflächen sucht man jedoch vergeblich. Die CMS teilt auf Anfrage der bz mit, man habe das Projekt «sorgfältig überarbeitet und weiterentwickelt». So bleibe die zentrale Achse zur Villa Merian, darunter das Bassin, erhalten.

Die CMS hatte 2017 einen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung der Merian Gärten lanciert. Von fünf eingereichten Vorschlägen kürte sie jenen zum Gewinner, der als einziger keinen Wassergraben mehr vorsah. Hans-Peter Ryhiner reagiert erleichtert auf das Umdenken bei der CMS. «Ich habe bereits 2017 mit Staunen zur Kenntnis genommen, dass ausgerechnet jenes Konzept weiterverfolgt werden soll, das die geniale Verbindung zwischen den beiden Polen planieren will. Wäre das umgesetzt worden, hätte sich Christoph Merian wohl im Grab umgedreht.»

Die heutige Gestaltung der Anlage auf Münchensteiner Boden stammt aus der Feder von Kurt Salathé. Zur «Grün 80» hin wollte man die beiden Hofgüter optisch miteinander verknüpfen – mit dem Resultat des Wassergrabens. Der Botanische Garten war lange vor der Gartenschau eingerichtet worden: im Jahr 1968, als Ersatz für den botanischen Garten der Universität beim Spalentor, der dann jedoch nicht aufgehoben wurde.

Das Hofgut Brüglingen bildete im 19. Jahrhundert mit den angrenzenden Arealen einen Grundbesitz, wie man ihn in dieser Dimension in der Schweiz nur selten antraf. Christoph Merians Vater erwarb das Hofgut 1811. Der Sohn erhielt es 1824, als Geschenk zur Hochzeit mit Margaretha Burckhardt. Das Hofgut Vorder Brüglingen liess er in den 1830er-Jahren erbauen. Als Margaretha Merian 1886 verwitwet starb, fiel das Land an die Christoph Merian Stiftung.

In einem weiteren Schritt soll neues Restaurant folgen

Die CMS will am 15. September die Medien über die Umgestaltung informieren. Die Baubewilligung liegt laut CMS vor. Die Kosten werden auf 6,7 Millionen Franken veranschlagt.

Noch ist nicht alle Kritik verstummt. Christof Wamister, Präsident des Basler Heimatschutzes, schreibt in einem Beitrag auf «Onlinereports», die Eigentümerin wolle die Merian Gärten nicht zuletzt deshalb «umpflügen», um mehr Events und somit zusätzliche Einnahmen zu generieren. So solle die derzeit leerstehende denkmalgeschützte Berri-Scheune in einem weiteren Schritt zum Restaurant ausgebaut werden.

Gut möglich, dass die Pläne auch wegen solchen Überlegungen geändert wurden. Die Wasserflächen sind bei Hochzeitspaaren beliebt – schon heute eine bedeutende Kundengruppe der Merian Gärten. Die Bogenbrücke soll zwar abgebaut werden, sie wird jedoch durch eine behindertengerechte Konstruktion ersetzt – romantische Fotos wären also weiterhin möglich.

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