Rundherum Wasser. Der Rhein fliesst an der Bühne vorbei, Regen prasselt auf ihr Zeltdach. Auf dem Floss tritt der in New York lebende Basler Sam Koechlin als Sam Himself auf. Er hat seine Mitmusiker dabei, das Alleinstellungsmerkmal im Bandnamen ist also nicht allzu wörtlich zu verstehen.

Wie Koechlin in einem früheren Interview erklärte, ist der Bandname aus einem Witz heraus entstanden – sein damaliger Bandkollege hatte ihn vor einem Auftritt im Stich gelassen. Der Veranstalter kündigte Koechlin kurzerhand als «Sam himself» an. Aus Spass wurde Konzept, wurde Sam Himself.

Koechlin spielt an diesem Abend auf dem Floss zwar nicht alleine, aber eines wird klar: Die Band ist Zusatz und soll ihren Frontsänger vor allem unterstützen. So wirkt dann auch die Begleitung vieler Songs an diesem Abend oft ziemlich ähnlich. Gitarrist, Bassist und Keyboarder machen das, was sie tun müssen: Sie verlegen solid ihre Akkorde und Rhythmen – und dürfen ab und an je ein kurzes Solo spielen.

Der Sound ist eine Mischung aus Indie und Bruce Springsteen, den Koechlin als Inspirationsquelle nennt. Stadionrock halt, nur eben auf der Flussbühne – und das wirkt dann manchmal ein bisschen sehr pathetisch. Koechlin setzt in der Mitte des Konzerts noch eins drauf: Er weist seine Band von der Bühne, gibt ihnen lustige Ratschläge («Du kannst ja ein Buch lesen»), nimmt die Akustikgitarre hervor und singt eine Ballade mit tiefergelegter Johnny-Cash-Stimme.

Seichter Soundtrack für Verliebte

Der Regen wird immer stärker, doch die Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben am Rheinufer sitzen, obwohl die meisten von ihnen – im Gegensatz zur Band – nicht überdacht sind. So kommt trotz miserablem Wetter doch Konzertstimmung auf. Was hauptsächlich daran liegt, dass Koechlin den Kontakt zum Publikum sucht. Und es hilft sicher auch, dass er Basler ist. So erzählt er denn auch im breitesten Dialäggt – trotz seiner Wahlheimat New York –, wo genau am Rheinufer er zum ersten Mal geknutscht hat («Auch damals hatte es geregnet»).

Ein grosser Teil des Konzerts wirkt wie die erzählten Anekdoten selbst: Die Stimmung passt, die Songs fügen sich schön in den Regen. Ein rundes Konzert – wenn auch nicht mehr. Eine Anekdote, ein seichter Abend, den die meisten wohl schnell wieder vergessen werden.

Wer unter den Zuschauerinnen und Zuschauern aber zufällig glücklich verliebt war, dürfte Sam Himself in guter Erinnerung behalten. Denn die Songs behandeln beinahe nur Liebesgeschichten. Ob es um unerfüllte oder erfüllte Liebe geht, ob Sam Himself Frauen besingt, mit denen er zusammen ist, war oder es gerne sein möchte – irgendwann ist alles gleich.

Denn die Songs und Geschichten, die Koechlin und seine Band auf die Bühne bringen, fliessen zusammen und verschwimmen mit der Zeit zu einem grossen, süss-melancholischen Strom der Liebe.