Musik
Ein Computer macht noch keine Musik

Was muss ein Jugendlicher mitbringen, um Musiker zu werden? Und gibt es davon nicht bereits zu viele? Wir haben den Direktor der Musik-Akademie Stephan Schmidt gefragt.

Mathias Balzer
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Nachgefragt bei Stephan Schmidt.

Nachgefragt bei Stephan Schmidt.

Roland Schmid

Herr Schmidt, die Musik-Akademie und die Musikhochschulen FHNW feiern Geburtstag. Wissen Sie, wie viele Schüler die letzten 150 Jahre die Akademie durchlaufen haben?

Stephan Schmidt: Die totale Zahl kennen wir nicht genau. Der Status der Dokumentation ist sehr unterschiedlich. Aber es sind sehr viele! Momentan betreuen wir knapp 4000 Kinder und Jugendliche sowie rund 650 Studierende.

Ein Leben für die Musik

Seit 2012 ist Stephan Schmidt in einem Doppelmandat amtierender Direktor der Musikhochschulen FHNW und der Musik-Akademie Basel. Von 1988 bis 2001 war Schmidt Professor für Gitarre, Kammermusik und Fachdidaktik am Konservatorium für Musik und Theater in Bern, später Hochschule der Künste Bern.
Er ist Mitbegründer der Freien Akademie sowie der Biennale Bern. 2002 bis 2012 war Schmidt als Rektor und Professor für Gitarre an der Hochschule für Musik Basel tätig. (BAL)

Was sagen Sie Eltern, die fragen, ob ihr Kind ein Instrument lernen soll?

Es ist grundsätzlich wichtig, dass man Musik macht – egal auf welche Weise. Musik ist ein wichtiger Teil unserer menschlichen Wahrnehmung und Existenz. Es ist ja im Übrigen so, dass auch jene, welche kein Instrument lernen, täglich mit Musik umgehen. Sei es auf dem Handy, beim Radiohören, beim Fernsehen oder im Konzertbesuch.

Das Handy ist das beliebteste Instrument bei Jugendlichen. Wie weit beeinflusst die Digitalisierung das Programm der Musik-Akademie?

Wir sind Teil der Gesellschaft und so sind deren Veränderungen immer auch Teil unserer Arbeit. Die Digitalisierung beschäftigt uns. Der Computer kann jedoch nur das rausgeben, was wir reintun. Musik muss also erst einmal gemacht werden und dazu braucht es Fähigkeiten, um Musik zu gestalten. Der Computer ist da nur ein Teil davon. Elementar sind ursprüngliche Schritte, wie Erfahrungen mit Stimme und Bewegung. Wir können den Alltag noch so weit digitalisieren – unsere physische Realität bleibt. Die Wahrnehmung unserer eigenen Stimme, unseres Tuns in der Musik funktioniert nicht über den Computer. Dieser hilft uns nur, Dinge neu zu bearbeiten. Er ist nicht Quelle, sondern Mittel.

Es gibt Stimmen, die sagen, es gäbe zu viele Ausbildungsmöglichkeiten. Gibt der Markt so viel her?

Der Markt verändert sich ständig. Vor 50 Jahren hätte jemand, der Alte Musik macht, nie ein Auskommen gefunden. Heute sind diese Musiker auf dem Markt sehr gefragt. Das bedeutet, dass die Musiker eben den Markt mitgestalten. Und unsere Absolvierenden haben unter anderem eben auch die Aufgabe, diesen Markt laufend zu verändern und mitzuprägen.

Trotzdem muss der Markt immer grösser werden.

Natürlich. Er wird grösser, aber auch vielgestaltiger. Der Musiker, der nur von Auftritten lebt, ist ein Klischee. Es gibt einen riesigen Markt, um Musik zu vermitteln und zu unterrichten. Es gibt einen Markt, Musik anzuwenden. Es gibt Filmmusik, Klingeltöne, Fahrstuhlmusik, den Weg des Komponisten. Es braucht überall mehr gute Musik. Die Anwendungsmöglichkeiten sind gross.

Wollen nicht alle auf die Bühne?

Uns geht es nicht darum, nur den Solistentypen, der auf der Bühne brilliert, auszubilden. Musik ist ein Lebensberuf, der ganz viele interessante Dinge mit einschliesst. Wenn man das begriffen hat und dann die richtigen Strategien wählt, die einem persönlich entsprechen, ist Musiker ein wunderbarer Beruf.

Was muss ein junger Mensch mitbringen, der Musiker werden will?

Talent. Ein gutes, förderndes Umfeld und den unbedingten Willen, dieses Metier zu ergreifen. Fehlt dieser, oder fehlt das Talent, dann raten wir von der Ausbildung ab. Es braucht auf jeden Fall Durchhaltewillen und eine starke Idee, ein Konzept von dem, was man will. Man muss begreifen, dass niemand auf einen wartet. Jeder muss sich sein Publikum selbst erarbeiten. Den Beruf des Musikers muss man sich jeweils selbst bauen. Das war immer so und wird immer so sein.

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