Gässli Film Festival

Ein frischer Wind fürs «Gässli»: Marion Nyffenegger übernimmt von Giacun Caduff

«Ich muss noch alles Mögliche ausprobieren» – Marion Nyffenegger.

«Ich muss noch alles Mögliche ausprobieren» – Marion Nyffenegger.

Die junge Animationsfilmerin Marion Nyffenegger übernimmt die Co-Leitung des Gässli Film Festivals in Basel.

Marion Nyffenegger setzt sich auf die Treppe am Fuss des Leonhardsberges. «Weiter als bis hierhin bin ich in den letzten Tagen nicht gekommen», sagt die 23-Jährige zufrieden. Aus dem wenige Meter entfernten Gerbergässlein ertönen Stimmengewirr und lautes Klopfen: Die Bühne des elften Gässli Film Festivals befindet sich gerade im Aufbau.

Das Chaos aus Kabeln, Gestänge und Schweinwerfern macht Nyffenegger bei ihrem fünften Einsatz nicht mehr viel aus. «Ich weiss ja, dass alles rechtzeitig fertig wird. Zuletzt passt es.» Genau wie bei der designierten neuen Co-Leiterin des Gässli Film Festivals auch.

Zum Start des Festivals wurde publik, dass der Gründer Giacun Caduff sich auf 2020 zurückziehen und sein Amt an Marion Nyffenegger übergeben wird. Ein günstiger Zeitpunkt, vor zwei Monaten hat Nyffenegger ihren Bachelor in Animationsfilm an der Hochschule für Design und Kunst in Luzern abgeschlossen. Und nur gerade zwei Wochen ist es her, dass ihre Abschlussarbeit Weltpremiere feierte – am Filmfest in Locarno.

Poetische-dokumentarische Spurensuche

«Es war der totale Wahnsinn», freut sich Nyffenegger noch immer. «All meine Freunde und meine Familie kamen. Den Film so zu sehen, hat mich wirklich glücklich gemacht.»

«Das Leben ist eines der leichtesten» heisst die dokumentarische Collage, in der fünf Menschen über sich und ihren Alltag in der Schweiz berichten. Es ist eine poetische Spurensuche aus Kohlestrichen auf Papier: flüchtig und brüchig wie das Leben selbst. Sie sei eher ungeduldig, sagt Nyffenegger von sich selbst. Mit der Kohlentechnik erziele sie rasch Resultate – «auch wenn sie fehlerbehaftet ist». Gepützelte Animation im Disney-Stil schaut sie sich zwar gerne an, aber selber herstellen? «Nein, danke.»

«Die Personen haben alle verschiedene Hintergründe», erzählt Nyffenegger: «Es gibt eine alte Frau, die hier aufgewachsen ist, einen Flüchtling, eine Person, die in die Schweiz ausgewandert ist, ein kleines Mädchen ...» Inspiriert worden sei sie von Medienberichten über die Entwurzelung von Menschen. «Es war ein langer Prozess», erzählt sie. «Und genau mein Ding.»

Ihre eigenen Wurzeln hat Marion Nyffenegger im solothurnischen Kienberg, eingeklemmt zwischen dem Aargau und dem Baselbiet. Auf einem Bauernhof ist sie gross geworden, «mit Milchkühen» und vor allem viel Freiraum. Das hat ihr Selbstverständnis als «Handwerkerin» geprägt. «Ich habe schon immer gerne gezeichnet und konnte mich auf dem Hof kreativ austoben.»

Am Gymnasium Liestal wurde ihr Talent erkannt und weiter gefördert. Dabei merkte die Schülerin bald, dass ihr die Zeichnung zu wenig war. Bewegung musste her, und nach einem Schulbesuch im Basler Cartoonmuseum hatte sie die Lösung für ihr Problem: Animation. Von ihrem Lehrer bestärkt, zeigte sie ihre ersten 30 Sekunden an den Jugendfilmtagen in Zürich. Mit ihrem Matur-Animationsfilm bewarb sie sich 2015 beim Gässli Film Festival. Und gewann in der Kategorie U21.

Eins fügte sich ans andere. Die Schule für Gestaltung, an der Nyffenegger den Vorkurs absolvierte, ging eine Kooperation mit dem Gässli-Festival ein, die Jungfilmerin wurde Volunteer und übernahm die Programmierung der Virtual-Reality-Ausstellung. «Heute bin ich diejenige, die das Festival an der Schule für Gestaltung vorstellt. Das ist schon speziell.»

Künstlerischen Aspekt stärken

Den Umfang ihrer neuen Verantwortlichkeit als Co-Leiterin des Festivals kann Nyffenegger zwar noch nicht ganz abschätzen, aber sie freue sich darauf. «Wichtig ist mir, dass wir nah am Publikum bleiben.» Das Gässli biete eben nicht nur eine tolle Atmosphäre, sondern eben auch ein Netzwerk, bei dem an Wissen und Erfahrung angedockt werden könne.

«Ich möchte den künstlerischen Aspekt beim Film künftig mehr einbringen», erklärt Nyffenegger und beruhigt sogleich: Selbstverständlich schliesse das hochkarätige Ehrengäste wie dieses Jahr Christine Vachon nicht aus. «Giacun bleibt uns als Vorstand und Mentor erhalten, wir können auf sein Netzwerk zurückgreifen.» Gemeinsam mit der Co-Leiterin Laura Frei sei man auch schon fleissig dabei, eigene Kontakte zu knüpfen.

Auch als Filmemacherin will Nyffenegger weiter arbeiten. Aber nicht ausschliesslich. «Ich muss noch alles Mögliche ausprobieren», sagt sie. «Die Welt ist so gross!» Ihr Weg wird Nyffenegger über den Leonhardsberg hinausführen.

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