Offener Brief
Ein Hilferuf aus der Basler Gastrobranche: «Die Leute kämpfen um ihr Überleben»

Die IG Gastro Schweiz Basel fordert unbürokratische Soforthilfe. Am Donnerstag um 16 Uhr überreichte die IG der Basler Regierung einen offenen Brief.

Nora Bader
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Simon Lutz (Mitte) überreicht gemeinsam mit Kollegen den offenen Brief an die Regierung.

Simon Lutz (Mitte) überreicht gemeinsam mit Kollegen den offenen Brief an die Regierung.

Nicole Nars-Zimmer

Fast täglich treffen sie ein, die Hiobsbotschaften. Heute Donnerstag kam eine aus der Basler Gerbergasse: Die Kult-Beiz «Manger et Boire» schliesst – für immer. Weitere Betriebe werden schweren Herzens folgen müssen. Die finanziellen Schäden des zweiten Lockdowns sind gerade für kleinere Betriebe nicht mehr tragbar.

Fast über Nacht hat sich deshalb die IG Gastro Schweiz Basel mit Simon Lutz und Johann Rudolf Meier an der Spitze formiert. Am Donnerstag überreichten sie gemeinsam mit rund 60 anderen unterzeichnenden Gastronomie-Unternehmern einen offenen Brief an die Basler Regierung. «Es kann nicht im Sinne einer solidarischen Bewältigung der Krise sein, dass Sie ausschliesslich uns und unseren Mitarbeitenden die anfallenden Kosten zum Schutz der Allgemeinheit aufbürden», steht darin.

Berufsverbot treibt viele an den Rand des Ruins

Das erneute, nur auf den Stadtkanton beschränkte Berufsverbot bringe viele lokale Betriebe kurz vor Weihnachten völlig unverschuldet an den Rand des Ruins und bedrohe zahlreiche Arbeitsplätze. «Wir ersuchen Sie daher eindringlich um eine unbürokratische Soforthilfe zur Existenzsicherung der Basler Gastrobetriebe. Nicht wenige benötigen diese noch dieses Jahr.»

Denn vielerorts könnten die Löhne schon seit November nicht mehr an die Mitarbeitenden gezahlt werden, sagt Johann Rudolf Meier. Ganz zu schweigen vom 13. Monatslohn, der meistens mit dem Dezembergeschäft eingenommen wird.

Der Wirteverband steht hinter der IG Gastro

«Den zweiten Lockdown, den Basel im Alleingang beschlossen hat, verstehen unsere Mitglieder nicht mehr, nachdem sie alle vorgeschriebenen Massnahmen umgesetzt hatten», sagt Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt. Dieser stehe voll und ganz hinter dem offenen Brief der IG.

Es gehe jetzt um die Existenz eines jeden einzelnen Betriebes. Und: «Wir sind auf der politischen Ebene aktiv, unterstützten aber alle weiteren Aktionen aus der Gastronomie.» Wichtig sei, dass die Branche jetzt Gesicht zeige. Und das tun die Gastronomen mit der Gründung der IG Gastro Schweiz Basel.

Es braucht mehr als die Härtefallhilfen

«Die Leute kämpfen um ihr Überleben. Dennoch haben wir den Glauben an die Entscheidungsträger noch nicht verloren», so Ebneter weiter. Man versuche, den Dialog fortzuführen. «Wir lassen uns aber nicht wie Opferlämmer abschlachten und setzen uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine angemessene staatliche Unterstützung ein.»

Widerstand ist von den Kollegen in Bern und anderen Schweizer Städten bereits angekündigt worden. Die Härtefallhilfen des Bundes würden nirgends hinreichen. Damit das Gastgewerbe den Winter überstehe, müsse der Bund je nach verordneten Massnahmen schweizweit bis zu drei Milliarden Franken aufwenden. «Die Unternehmen waren schon nach dem ersten Lockdown sehr geschwächt. Jetzt halten sie nicht mehr länger durch. Das gilt für fast alle Betriebe, die ich kenne.»

Auch sei es eine Farce, Restaurants nur bis 19 Uhr öffnen zu dürfen, wie dies der Bundesrat vorgeschlagen habe. Darüber sind sich bei der Übergabe des offenen Briefes alle Gastronomen einig. Denn so könne niemand Mehreinnahmen generieren. Nun liegt der Ball bei der Basler Regierung.

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