Fondation Fernet-Branca
Ein Wappentier vor dem Abflug: Der Adler von Saint-Louis muss saniert werden

Der berühmte Adler der Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis ist nicht mehr das, was er mal war. Das Wappentier muss renoviert werden. Doch woher das Geld für diese Sanierung kommt, ist noch unklar.

Annette Mahro
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Ein Wahrzeichen in lausigem Zustand: Sowohl der Adler wie sein «Unterbau» müssen in den nächsten Jahren dringend aufgefrischt werden, auch wenn keine akute Absturzgefahr besteht.

Ein Wahrzeichen in lausigem Zustand: Sowohl der Adler wie sein «Unterbau» müssen in den nächsten Jahren dringend aufgefrischt werden, auch wenn keine akute Absturzgefahr besteht.

Annette Mahro

Paris hat den Eiffelturm, Saint-Louis seinen Fernet-Branca Adler. Das inoffizielle Wappentier der Stadt hat allerdings sichtlich Federn gelassen und muss dringend saniert werden. Der Vogel über dem Globus krönt schon seit mehr als hundert Jahren die ehemalige Destillerie, in der heute moderne und zeitgenössische Kunst gezeigt wird. Allerdings gibt es ein Kommunikationsproblem zwischen den lokalen Verantwortlichen und den Eigentümern in Italien.

Auch wenn nach Expertenmeinung derzeit noch kein Absturz-Risiko besteht, lassen sich die Arbeiten zur Rettung des Wahrzeichens nicht mehr sehr viel länger verschieben. Rund 200'000 Euro, die jetzt eingeworben werden, sollen gemäss einer Schätzung für die Rettung anfallen. Bekanntlich ist das Ensemble des Greifvogels, der sich über einer in der Achse geneigten Weltkugel erhebt, ja das Markensymbol für den einst vor Ort produzierten Magenbitter.

«Es herrscht Funkstille»

Das aus Mailand stammende Unternehmen hatte seine 1909 hier aufgenommene Produktion im Jahr 2000 eingestellt. Die alte Destillerie, inzwischen samt Adler im Inventar der historischen Baudenkmäler Frankreichs gelistet und seit 2004 ein Museum, blieb indes in Firmenbesitz.

Die Initiative, hier einen Kunstraum einzurichten und mit der Familie Branca zu diesem Zweck einen Erbpachtvertrag auszuhandeln, war vom damaligen Saint-Louiser Maire Jean Ueberschlag ausgegangen. Der Vertrag läuft 2026 allerdings aus. War man bisher davon ausgegangen, dass es im Sinne der Besitzer sei, wenn der eingeschränkt denkmalgeschützte Bau für sie unentgeltlich gepflegt und unterhalten werde, sind die Verantwortlichen der als Museumsträger agierenden Fondation Fernet-Branca seit Längerem einigermassen irritiert, weil aus Italien keine Antwort kommt.

«Es herrscht Funkstille», beklagt Jean Ueberschlag, der bis heute als Präsident der Fondation agiert. Schon vor etwa drei Jahren habe er, damals noch zusammen mit seinem Amtsnachfolger, dem im April verstorbenen Jean-Marie Zoellé, Verhandlungen mit der Familie bezüglich einer Vertragsverlängerung aufgenommen. Seitdem hat er aber nichts mehr gehört.

Die Zeit wird knapp

Einerseits sind sowohl Ueberschlag als auch Pierre-Jean Sugier, der künstlerische Leiter der Fondation, davon überzeugt, dass die Besitzer den Vertrag verlängern werden. Schliesslich müssten sie sich nicht um den Bau kümmern und bezögen zudem eine, wenngleich geringe, Miete. 1'500 Euro oder gut 1'600 Franken jährlich waren es zu Beginn. Heute seien es, so der Stiftungspräsident, etwas mehr.

Andererseits will man seitens der Fondation verständlicherweise keine weiteren grösseren Investitionen initiieren, ohne bei der Vertragsverlängerung grünes Licht zu haben. Inzwischen wird die Zeit aber knapp und die zuerst geschätzte Sanierungssumme dürfte mit jeder Verzögerung weiter steigen.

Der metallene Adler muss generalüberholt werden und seine im Globus versteckte Befestigung bedarf der Erneuerung. Auch der Betonsockel, der das Ganze trägt, ist schon längst in einem mehr als beklagenswerten Zustand. Dasselbe gilt sowohl für den Globus, der sich aus einer Vielzahl von zum Teil schon gebrochenen farbigen Täfelchen zusammensetzt, als auch für die alles tragende Dachkonstruktion. Pierre-Jean Sugier schlägt schon vor, man könne im Anschluss in der Weltkugel vielleicht eine Beleuchtung installieren und so gleichzeitig dem Symbol der Fondation als auch dem städtischen Wahrzeichen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.

Nun werden Sponsoren gesucht

Dass sich die Grafenfamilie Branca an den Kosten der Sanierung beteiligen könnte, daran glauben der Museumsdirektor und der Stiftungspräsident eher nicht. Waren doch auch schon der so aufwendige wie gelungene Umbau der alten Produktionsstätte zum Museum nicht zu ihren Lasten gegangen.

Insofern macht man sich aufseiten der Fondation auf Sponsorensuche und will das Sanierungsprojekt unter anderem bei «Loto du Patrimoine» einreichen, einem Gewinnspiel zugunsten des kulturellen Erbes Frankreichs. Zusätzlich rechnet Ueberschlag mit staatlicher Unterstützung sowie Geldern von privaten Sponsoren und aus regionalen Töpfen. Er bleibt zuversichtlich.

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