Kommentar

Eine saftige Quittung

Rahel Koerfgen: «Unser Einkaufsverhalten hat sich grundlegend verändert – die Quittung für die Angestellten im Detailhandel fällt nun saftig aus.»

Rahel Koerfgen: «Unser Einkaufsverhalten hat sich grundlegend verändert – die Quittung für die Angestellten im Detailhandel fällt nun saftig aus.»

Manor setzt den Rotstift an. 476 Stellen streicht die Warenhauskette, davon 90 am Hauptsitz an der Rebgasse, das entspricht zehn Prozent der Belegschaft am Hauptsitz. Ein harter Schlag für den Wirtschaftsplatz Basel, für alle Nostalgiker, die wehmütig an die guten alten Zeiten der «Rhybrugg» zurückdenken – und für jeden einzelnen betroffenen Mitarbeiter.

Überraschend kommt der radikale Schritt von Manor indes keineswegs. Kaum eine Branche befindet sich derart im Wandel wie der Detailhandel. Tante Emma hat längst das Zeitliche gesegnet, das Zauberwort heute lautet «Omnichannel», die Verknüpfung des stationären und des Online-Handels. Allerdings auch dies nur eine Zwischenstation. Die harte Realität: Die Konsumenten kaufen zunehmend im Netz ein, selten bei nationalen Händlern, vielmehr kreuz und quer in der Welt. Corona hat das noch befeuert. Ist es Manor-Chef Jérôme Gilg dann zu verübeln, wenn er sagt, dass Manor online fitter werden muss?

Oder anders gefragt: Wann haben Sie das letzte Mal online etwas bestellt und sich wenige Tage später über das Päckli im Briefkasten gefreut? So lange dürfte das bei vielen nicht her sein, auch nicht bei den Nostalgikern. Unser Einkaufsverhalten hat sich grundlegend verändert – die Quittung für die Angestellten im Detailhandel fällt nun saftig aus. Und es werden weitere Kahlschläge folgen in den kommenden Monaten. Tante Emma würde sich im Grabe umdrehen.

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