Festival

Es gibt noch Wunder: Rümlingen feiert neue und jüngste Musik

Seit 30 Jahren lockt das Festival jeden Sommer ein treues Publikum ins Tal.

Seit 30 Jahren lockt das Festival jeden Sommer ein treues Publikum ins Tal.

Das Festival für Neue Musik in Rümlingen feiert seinen 30. Geburtstag mit Konzerten, einem «Klangweg» und einer Ausstellung.

«Oh Wunder, es gibt ein Festival!», konnte Geschäftsleiter Tumasch Clalüna in seiner Ankündigung ausrufen. Das ist in diesen Zeiten nun wirklich nicht selbstverständlich. Tatsächlich wie ein Wunder erscheint allerdings, dass sich ein Festival für neue und jüngste Musik in einem kleinen Dorf im Baselbieter Jura etablieren konnte und seit 30 Jahren jeden Sommer ein treues Publikum ins Tal lockt.

30 Jahre, das ist natürlich eine Gelegenheit zur Rückschau, was man mit einer Ausstellung und einer Buchpublikation auch tut. Aber es passt zum frischen Geist dieses Festivals, dass man zum runden Geburtstag gerade nicht die jahrelangen Weggefährten, die Etablierten und Arrivierten eingeladen hat, sondern den Jungen und ganz Jungen die Chance gibt, ihren Blick auf diesen speziellen Ort zu richten – und auch auf die spezielle Zeit, in der wir leben.

Der «Klangweg», der beim Bahnhof Läufelfingen startet, bietet an zahlreichen Stationen Konzerte, Installationen oder andere klangliche Ereignisse an. Zur Programmgruppe gehört auch Sylwia Zytynska, die aus Polen stammende, seit vielen Jahren in Basel lebende Perkussionistin. «Corona war eine grosse Hilfe», sagt sie und lacht über diese unerwartete Aussage. «Wir hatten alle sehr viel Zeit und noch mehr Lust, uns mit diesem Festival zu beschäftigen, uns Gedanken zu machen, mit welcher komischen Art von Musik wir die Besucher konfrontieren wollen.» Dabei hat man bewusst die Tür für eine neue Generation geöffnet, hat nach jungen Komponisten – und ausdrücklich auch Komponistinnen – gesucht, von denen man «lustige und spannende Ideen» erwarten konnte.

Aufträge an Komponisten unter 40 Jahren

Für Zytynska hat aber der Ort selbst sein eigenes Charisma: «Jede Landschaft hat auch ohne Musik ihre ganz eigene Stimmung, und manchmal ist die Stille allein schon voller ­Magie. Die Landschaft rund um Läufelfingen ist ausserordentlich abwechslungsreich, alle paar Schritte verändert sie sich. Jede Ecke ist anders.»

Auch der Dramaturg Thomas Meyer, ebenfalls seit vielen Jahren in der Programmgruppe, betont diese einzigartige Verbindung von Landschaft und Musik: «Dass man irgendwo mit Containern eine Wagenburg aufbaut oder bei einer Nachtwanderung die Klänge in der Landschaft erleben kann, ist einzigartig.» Das Festival habe sich auf erstaunliche Weise immer weiter entwickelt, man habe immer wieder neue Formen gefunden, vor allem sei man immer wieder hinaus gegangen. «Das spiegelt sich auch dieses Jahr im ‹Klangweg›, für den wir lauter Aufträge an Komponisten unter 40 Jahren vergeben haben. Wir wollen erneuern, Platz machen, die junge Generation ans Werk lassen.»

Diesen Sommer findet das Festival vom 20. bis 24. August statt. Der «Klangweg» ist am Samstag und Sonntag geöffnet. In Läufelfingen, im Silo12, hat die langjährige Festivaldramaturgin Lydia Jeschke eine Ausstellung zur 30-jährigen Festivalgeschichte konzipiert. Optimismus vor allem wolle sie diesen Sommer vermitteln, sagt Sylwia Zytynska:«Wir Musiker leiden schon sehr stark unter der Situation und wir wollten auch zeigen: Es geht weiter.»

In Zehnergruppen ­unterwegs

Natürlich sei die Organisation komplizierter als sonst. Aber es sei auch eine schöne Sache, in kleinen Gruppen unterwegs zu sein. «Das heisst, es gibt viel mehr Ruhe. Ich habe immer davon geträumt, dass das Publikum gar nicht miteinander spricht und einfach die Landschaft und die Klänge auf sich wirken lässt», so Zytynska. In Zehnergruppen werde das vielleicht zum Teil möglich sein. «Jedenfalls wird es sehr persönlich, wenn die Musiker immer nur für wenige Leute spielen. Und am Ende kann man zusammen essen und trinken und sich austauschen.»

Angst brauche niemand zu haben, findet Sylwia Zytynska: «Nur die Ausstellung ist drinnen, aber da bewegt man sich zu dritt oder zu viert. Sonst ist alles draussen an der Luft. Niemand wird berührt – das heisst, hoffentlich wird man seelisch berührt. Das würde ich mir sehr wünschen.»

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