Coronakrise

«Es gibt Systemfehler»: Zukunft von Pflichtlager in Basel ist ungewiss

UPDATE: Pflichtlager sind voll, doch die Zukunft ist je nach Standort ungewiss

Rhenus-Schweiz CEO Andreas Stöckli: "Im Pflichtlagerbereich gibt es Systemfehler"

Die Pflichtlager in der Schweiz sind voll. In der aktuellen Coronakrise mussten die Lebensmittel-Notvorräte noch nicht angetastet werden. Doch grosse Lagerhäuser in Basel könnten in nicht allzu ferner Zukunft wegfallen.

460'000 Tonnen Nahrungsmittel lagert die Schweiz insgesamt. Notvorräte, um die Versorgungssicherheit in Krisen aufrechterhalten zu können. Die Schweizer Pflichtlager reichen für rund vier Monate.

"Corona zeigt deutlich, dass es richtige Krisen geben kann", sagt Andreas Stöckli, CEO des Logistikdienstleisters Rhenus Alpina AG, im Videointerview mit der Nachrichtenagentur Keystone-sda. In Krisen drohe auch die Gefahr, dass Produktionen ins Stocken geraten oder ganze Transportwege zusammenbrechen. "Deshalb ist es sehr sinnvoll, Pflichtlager zu haben."

Doch die Zukunft des Pflichtlagers im Basler Rheinhafen ist ungewiss. Die Lagerhallen auf dem Areal sollen bald Wohnungen weichen. Das Pflichtlager an einem anderen Ort neu aufzubauen, lohnt sich laut Stöckli allerdings nicht.

"Aktuell ist es nicht attraktiv, wir sind der Meinung, dass es Systemfehler gibt in diesem Pflichtlagerbereich", so der CEO. Jede Tonne Vorrat werde pro Jahr mit 30 bis maximal 60 Franken vergütet. "Der Aufbau eines Pflichtlagers kostet rund 1200 Franken pro Tonne; es lohnt sich also aktuell nicht, neue Kapazitäten aufzubauen." Deshalb fordert Stöckli, die Entschädigungen für Pflichtlager auf 90 Franken pro Tonne und Jahr zu erhöhen. Nur so könnten die wegfallenden Mengen ersetzt werden.

Lagerhaltung Aufgabe der Wirtschaft

Beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung stösst er damit nicht auf offene Ohren. "Die aktuelle gesetzliche Grundlage lässt keine Strukturbeiträge zu. Der Bau von Lagerhäusern ist nicht Aufgabe des Bundes. Die Lagerhaltung ist gemäss Landesversorgungsgesetz Aufgabe der Wirtschaft", heisst es auf Anfrage der Nachrichtenagentur.

Andreas Stöckli, CEO Rhenus Alpina AG, müsste also bei Firmen, die bei ihm Getreide einlagern, höhere Preise durchsetzen. Andernfalls werden die Lagergebäude nicht ersetzt. Mehrere 10'000 Tonnen Lagerkapazität würden fehlen. (sam)

Getreidelieferung in ein Pflichtlager

Getreidelieferung in ein Pflichtlager

Die Stadtmühle Schenk in Ostermundigen ist Teil der Genossenschaft "Réservesuisse" und betreibt eines der Pflichtlager des Bundes. Diese Pflichtlager bezwecken die Vorratshaltung lebensnotwendiger Güter zur Überbrückung von Krisen und Mangellagen. Welche Waren für wie lange in welchen Mengen vorzuhalten sind, wird vom Bund vorgegeben.

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