Kammerorchester Basel

Es schlägt die Stunde der Strassenmusik

In freier Wildbahn: Die erste Coronade fand an einer Bushaltestelle statt.

In freier Wildbahn: Die erste Coronade fand an einer Bushaltestelle statt.

Das Kammerorchester Basel macht sich bereit für die Nach-Corona-Zeit und beglückt Basel mit Strassenkonzerten.

Wie allen Kulturveranstaltern bereitet die Coronakrise auch dem Kammerorchester Basel (KOB) Mehraufwand und Planungsunsicherheit. Beispielsweise ist die Frage, wie ein Orchester unter Social-Distancing-Regeln spielen soll, ungeklärt.

«Es sind dazu mehrere Studien am laufen», sagt Marcel Falk, Geschäftsleiter des Orchesters. «Sollen Streicher zwei Meter Abstand voneinander halten, Bläser gar drei? Spielen die Streicher mit Mundschutz oder ohne? Das muss alles noch definiert werden.» Das Kammerorchester sei jedoch gegenüber grossen Orchestern im Vorteil, bräuchten diese doch unter Distanz­regeln noch viel mehr Platz.

Bis Ende Juli sind alle Konzerte abgesagt. Tourneen nach Hongkong, Antwerpen, Bukarest oder Paris mussten storniert werden. Das Programm für die neue Saison steht jedoch bereits. Starten sollte diese eigentlich mit der Eröffnung des renovierten Basler Stadtcasinos. Ob und wie diese aber Ende August stattfinden soll, ist derzeit unklar.

Ein Härtefallfonds für schwierige Monate

Die Musikerinnen und Musiker des Kammerorchesters sind ­derzeit alle in Kurzarbeit. Damit ihnen trotzdem 100 Prozent des Lohnes ausbezahlt werden können und auch die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Runden kommen, hat das Orchester einen Härtefallfonds ins Leben gerufen.
Bisher konnte laut Falk ein stattlicher sechsstelliger Betrag von Mäzenen und Stiftungen ­gesammelt werden, um diese Mehrausgaben zu decken und Reserven für die komplizierte Wiederaufnahme des Orchesterbetriebs bereitzustellen. Falk betont, dass das Kammerorchester sein Jahresbudget von 5.5 Millionen Franken nur gerade mit 15 Prozent öffentlichen Geldern finanziert.

«Ich bin aber zuversichtlich, dass wir im August, spätestens im September unseren Spielbetrieb wieder aufnehmen können», sagt Falk. Man werde ­sicher flexibel bleiben und das Programm allenfalls überarbeiten müssen. «Vielleicht starten wir aber bereits im August mit Schubert-Aufnahmen unter Heinz Holliger.» Doch eigentlich hat das Orchester seine Arbeit bereits aufgenommen.

Unter dem Titel «Coronaden» bespielen seit zehn Tagen zwei- bis fünfköpfige Ensembles ­öffentliche Räume, Pärke oder private Gärten in Basel. Zum Start gab es ein Konzert an einer Bushaltestelle Richtung Oberwil und eines im Innenhof des Alterszentrums in Liestal. Sie ­hätten bewusst auf reine Online-Formate verzichtet. Zuerst sei eine Ruhepause angesagt ­gewesen, um das Geschehene zu verarbeiten, so Falk. «Aber nun überwiegen wieder die Lust zu spielen und der Wunsch, diese Lust mit dem Publikum zu teilen.»

Die musikalischen Interventionen finden vorerst unangekündigt und überraschend statt. Auch um das Zuschauerverhalten zu testen. Von den Konzerten gibt es Videoaufnahmen im Netz. Die Aktion soll bis zu den Sommerferien im Juli andauern.

Kammerorchester Basel Spielplan für die kommende Saison. «Coronaden» auf Youtube. 

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