Geisterspiel
FCB wollte kein Public Viewing, obwohl der Kanton dabei geholfen hätte

Das Public Viewing auf dem Barfi für das Europa-League-Spiel des FC Basel gegen Valencia wäre möglich gewesen. Der Kanton hätte dem verantwortlichen FCB bei der Durchführung unter die Arme gegriffen. Doch dem Verein war der Grossanlass zu kurzfristig.

Céline Feller
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«Wann treffen wir uns beim Stadion?» – eine Frage, die sich heute für FCB-Fans, welche die Partien gerne im Joggeli verfolgen, aufgrund des aufgebrummten Geisterspiels nicht stellt. In den letzten Tagen stellte sich vielmehr die Frage: «Wo schauen wir eigentlich das Spiel?»

Bei vielen Fans kam die Erinnerung an das letzte Public Viewing bei einem Spiel des FCB auf. Es ist der 13. März 2012, tausende Fans versammeln sich auf dem Barfi, um ihrem Team im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Bayern München die Daumen zu drücken. Die Stimmung ist hervorragend – jedenfalls bis die Bayern in der 50. Minute bereits das 4:0 erzielen und die allerletzten Basler Hoffnungen zerschlagen werden. Auch wenn das rotblaue Herz beim Gedanken an die 0:7-Schmach in der Allianz-Arena blutet, ein Public Viewing wäre auch dieses Jahr sicher auf grosse Nachfrage gestossen.

Für ein Public Viewing sind diverse Bedingungen zu erfüllen, wie André Frauchiger, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit beim Bau- und Verkehrsdepartement, erklärt: «Die Auflagen für einen solchen Grossanlass sind das Vorlegen eines Rettungs-, Sicherheits- und Verkehrskonzepts; die Drämmli müssen fahren können, auch weil es der letzte Tag der Baselworld ist. Es braucht ferner Abfallcontainer, Strom, Wasser, Toiletten, Security, Samariter und nach dem Anlass natürlich eine Reinigung. Dies sind Auflagen, wie sie bei allen vergleichbaren Veranstaltungen gelten.» Und es sind Auflagen, die der FCB auch schon erfüllt hat. Zwar sei laut Frauchiger «der Zeitfaktor eher negativ, aber wir haben gemeint, dass eine kurzfristige Durchführung möglich sei. Wir wären bereit gewesen, mit dem FCB zu kooperieren und ihn bei den Vorbereitungen zu unterstützen. Die Verantwortung für die Durchführung liegt letztlich beim FCB, und dieser hat entschieden, auf die Durchführung eines Public Viewings zu verzichten.»

Jonas Blechschmidt, Leiter Business Development beim FCB, bestätigt Frauchigers Aussage: «Das ist richtig, wir haben gespürt, dass uns die Behörden unterstützt hätten. Sie waren sehr kooperativ.» Warum dann dieser Verzicht, der viele Fans enttäuscht? Der FCB habe sich nicht aus Bequemlichkeit dagegen entschieden. «Es wäre machbar gewesen», erklärt Blechschmidt, «aber am Ende hat die Summe der drei Faktoren Kurzfristigkeit, Kosten und Sicherheit dazu geführt, dass eine seriöse und vertretbare Organisation nicht möglich gewesen wäre. Deshalb haben wir darauf verzichtet.»

Wie bei einem Auswärtsspiel

Neben dem FCB sehen auch Lokale, die regelmässig die Spiele des FCB übertragen, den heutigen Match nicht als Ausnahmesituation, die spezielle Massnahmen nötig macht. «Es ist so wie immer», sagt Bruno Zihlmann, Geschäftsführer der Bar du Nord. Klar werde es mehr Leute geben, deshalb werde ab Spielbeginn auch noch im Konzertsaal Platz für 200 Leute gemacht. «Wir rüsten aber nicht speziell auf», so Zihlmann weiter. Urs Kohler, Geschäftsführer im «ZicZac», schlägt ähnliche Töne an: «Die Situation ist einfach so, als würde der FCB auswärts spielen.» Dann würden regelmässig 400 bis 450 Fans das «ZicZac» besuchen. Bereits gestern Abend war das Lokal in Allschwil ausgebucht. Aber auch Kohler hat weder personell noch vom Biervorrat spezielle Vorkehrungen getroffen. Offenbar ist der Anlass doch nicht so speziell, wie die Aufregung nach dem Uefa-Urteil gross war.

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