Münsterplatz
Figurentheater geht auch ohne Kasperli

Das Basler Figurentheaterfestival «BAFF» bringt noch bis Sonntag zeitgenössisches Figurentheater aus der ganzen Welt auf den Basler Münsterplatz.

Verena Stössinger
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Ariel Doron kommt aus Israel ans Basler Figurentheaterfestival.

Ariel Doron kommt aus Israel ans Basler Figurentheaterfestival.

Zur Verfügung gestellt

Das Programmheft des neunten Basler Figurentheaterfestivals «BAFF» ist ein Bündel Kärtchen. 29 Stück; darauf sind alle Informationen zu den «Acts», den Workshops, den Gästen zu Spielstätten und zum Billettverkauf. Das Bündel lässt sich gut in der Tasche mittragen, und notfalls kann man mit den Rückseiten Figuren-Memory spielen. Falls einem langweilig ist.

Langweilig werden die Tage von heute bis Sonntag aber sicher nicht, lässt man sich auf das Programm ein, das Marius Kob und Kathrin Doppler zusammengestellt haben. «Wo gibt es Produktionen, die das Figurentheater von aussen befruchten?», haben sie sich gefragt. Und fündig geworden sind sie von Israel, Spanien, Holland bis in die Region.

Kob ist ausgebildeter Figurenspieler, Regisseur und Projektleiter. Doppler hat eine Tanzausbildung, studiert Transdisziplinarität und war unter anderem am Haus für elektronische Kunst in Basel sowie für das Fantoche-Animationsfilm-Festival tätig. Ihre Profile beglaubigen die Neuausrichtung des Festivals, das Christian Schuppli, der traditionell und textnah arbeitende Riehener Figurenspieler, 1995 gründete und nach zwanzig Jahren weitergab.

Kein verstaubtes Puppenspiel

Die diesjährige Ausgabe der Biennale hat nicht nur einen neuen Auftritt mit einem starken Namen: «BAFF». Sie geht auch ästhetisch eigene Wege und präsentiert Produktionen in den Grenzbereichen zu Kunst, Musik und Video.

«Aaipet» heisst etwa das Stück mit Spielern und iPads von Bontehond aus Holland. Es ist für Zuschauer schon ab zwei Jahren. Ariel Doron aus Israel zeigt «Objektmanipulationen». Sein Stück «Plastic Heroes» ist eine überraschende, lustige und zugleich erschreckende Kriegsbilder-Collage.

Digger Barnes & Pencil Quincy kommen mit «Diamond Road Show», einer Mischung aus Figuren-Kino und Live-Konzert. «Epiphanie» von Winnie Luzie Burz ist als liturgischer Hightech-Versuch mit verfremdeten Alltagsobjekten angekündigt. «Ramkoers» der Gruppe Bot aus Holland als spektakuläres Musiktheater mit grosser Maschinerie und zarten Liedern. Und der Baselbieter Michael Huber zeigt «Angelito Blues», ein «humorvolles musikalisches und überraschendes Figurenspiel».

Gespielt wird wieder auf dem Münsterplatz. Dazu im Marionettentheater. Am Sonntag «Die Insel», ein Stück, das Iris Keller mit einer Primarklasse aus Liestal entwickelt hat. Weitere Spielorte sind das Vorstadttheater, das Restaurant Isaak und das Museum der Kulturen. Dieses ist ganztags zugänglich. Zu sehen ist dort die interaktive Zeichentrickstation «Animachina» von Undef, auch eine Schweizer Produktion.

Workshops für Laien und Profis

Das Budget von rund 200 000 Franken, zu dem Swisslos BS und BL je 60 000 Franken beisteuern, ermöglicht Workshops für Fachleute, geleitet von Ariel Doron, und interessierte Laien, mit Doris Weiller und Sylvia Hirt. Dazu gibt es Late Nights – unter anderem ein Extrafish-Konzert am Freitag – und zusammen mit der Uni Basel ein Filmprogramm zu «Figuren im Film».

9. Internationales Figurentheaterfestival Basel. Donnerstag, 21. bis Sonntag, 24. September.

Informationen und Tickets: www.figurentheaterfestival.ch

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