Bauarbeiten
Gastromagnet Claraplatz: Neue Bars und Cafés – warum es in Basels Stadtwüste plötzlich blüht

Neue Lokale beleben den Ort im Zentrum der Kleinbasler Altstadt und führen die Gastro-Entwicklungen weiter.

Olivia Fierz
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Der Claraplatz: Mitten in der Kleinbasler Altstadt tut sich was. Der Ort erlebt vor allem eine gastronomische Weiterentwicklung.

Der Claraplatz: Mitten in der Kleinbasler Altstadt tut sich was. Der Ort erlebt vor allem eine gastronomische Weiterentwicklung.

Roland Schmid

Lange war es ruhig am Claraplatz: Altbewährtes wie das Schiefe Eck, das Volkshaus und das Lily’ s prägten den Ort. In den letzten Jahren wagten Fast-Food-Ketten und das Klara 13 den ersten Schritt zur Belebung, die nun Fahrt aufnimmt: Gleich zwei neue Gastrolokale sollen noch dieses Jahr ihre Türen öffnen.

An der Rebgasse, gleich neben dem Unia-Gewerkschaftsgebäude, soll ein neues Lokal mit Backwaren und Glacé einziehen. Währenddessen entsteht an der Clarastrasse, direkt neben dem Klara 13, die neue Cocktailbar «Herz».

Zum neuen Lokal an der Rebgasse verrät Gründer Tomi Schoch noch nicht viel: «Ein Café mit Weggli und Glacé». Schoch hat die Gelateria Acero an der Rheingasse mitgegründet und arbeitet schon länger auf ein neues Gastroprojekt hin. «Mein Bauchgefühl hat mich zum Claraplatz geführt», sagt Schoch.

Neue Cocktailbar in altvertrautem Haus

Nicht weit weg, an der Clarastrasse 11, eröffnet voraussichtlich im September die neue Cocktailbar «Herz». Die Bar solle gemütlich und offen werden – ein Ort, in dem «jede und jeder einen Platz findet», sagt Norbu Tsering, der mit Martin Bornemann die Bar gründet. Die beiden haben die letzten fünf Jahre den Barbetrieb im Werk 8 im Gundeldingerfeld geleitet. Tsering und Bornemann ist es wichtig, das «Herz» unabhängig zu gestalten, denn «es soll auch unser Ort sein, den wir aber natürlich mit anderen Menschen teilen wollen», so Tsering.

Das Lokal, in dem früher der Vintage-Laden «John Tweed» drin war, bleibt somit in der Familie: Das Haus gehört der Pflegefamilie seines Vaters, Tsering selber ist darin aufgewachsen. Als der frühere Mieter auszog, habe er von seinem Pflegeonkel das Angebot bekommen, etwas aus diesem Raum zu machen. Tsering und Bornemann, die den Gedanken einer eigenen Bar schon länger teilen, überlegten nicht lange. «Jetzt wird daraus eine Cocktailbar, die gute Drinks macht, aber auch eine Nachbarschaftsbar ist. Also nicht zu dogmatisch und szenig», sagt Tsering.

«Hier geht viel», meint er, schätzt aber auch die alten Arbeiterbeizen und den Dorfcharakter, der noch immer zum Claraplatz gehöre. «Ich finde es auch toll, dass hier viele unterschiedliche Menschen nebeneinander leben können.» Während sich Menschen aus einfacheren Verhältnissen neben dem Kiosk am Sarg treffen, würde es daneben andere in das hippe Restaurant Klara führen, oder zu den teureren Bars am Rheinbord.

Arbeiterinnen und Arbeiter bewohnten den Claraplatz

Tatsächlich ist eine solche Durchmischung historisch eher eine neue Entwicklung. Im
20. Jahrhundert war der Claraplatz ein Treffpunkt von Arbeiterinnen und Arbeitern und somit ziemlich einheitlich bewohnt. Das Arbeiterinnen - und Arbeiterviertel entstand mit dem Ausbau in der Chemie- und Pharmaindustrie, frühere Entwicklungen rund um den Claraplatz dienten somit der Versorgung der Arbeitskräfte.

Hundert Jahre später, in denen zahlreiche Entwicklungen den Ort geprägt haben, kann man beobachten, dass der Claraplatz erneut im Wandel ist. Dies sieht auch Norbu Tsering und meint, dass die Aufwertung des Orts mit dem Boulevard an der Clarastrasse und den verschiedenen Bars und Cafés an der Rheingasse Entwicklungen herbeiführen, die den Platz noch einmal anders beleben.

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