Wirtschaft

Gespenstische Leere am EuroAirport – so eine Krise hat der Basler Flughafen noch nie erlebt

Die Hälfte der Linienflüge wurde gestrichen, die verbleibenden sind kaum ausgelastet: Der EuroAirport erlebt in Zeiten der Corona-Pandemievorsorge eine Krise, wie es sie am Dreiländer-Flughafen noch nie gegeben hat.

Wer in diesen Tagen zum Flughafen fährt, stellt ganz rasch fest: Es herrscht gähnende Leere. Auf der Zufahrtsstrasse, im Flughafenbus (er fährt meist leer), in der Abflughalle, beim Check-in. Es ist still. Wenn zufälligerweise jemand spricht, hört man das auf 50 Meter. Das lauteste Geräusch in der Halle ist die Rolltreppe. Startende Flugzeuge? Na ja, hie und da.

Eine Gruppe Rumänen sitzt entspannt herum. Ja, bei ihnen sei alles bestens, sie seien frühzeitig gekommen. Der Flug nach Cluj ist einer der wenigen, der in den kommenden Stunden abheben wird. Mehr als zwei Dutzend Flüge waren gestern Vormittag annulliert, auch solche, die in der Regel sehr gute Passagierzahlen aufweisen. Mehrmals täglich angeflogene Destinationen wie London, Paris, Frankfurt, Amsterdam und Istanbul werden ausgedünnt, andere fallen ganz weg.

Am Euroairport seien in den vergangenen Tagen insgesamt die Hälfte aller Flüge gestrichen worden, bestätigt Vivienne Gaskell, Mediensprecherin des Flughafens. Und die verbleibenden Flugzeuge seien im Schnitt nur zu 30 Prozent ausgelastet. Sonst sind 90 Prozent oder mehr der Normalfall. Sie habe einige Krisen erlebt, «aber so etwas noch nie», sagt sie. Der Einbruch der Nachfrage findet derzeit praktisch weltweit und gleichzeitig statt.

Eine Krise wie diese gab es noch nie

In eindrücklicher Erinnerung geblieben ist ihr die Krise von 2002, als die Passagierzahl des Euro-Airports nach dem Attentat auf die Twin Towers in New York von 3,8 auf 2,5 Millionen einbrach. Oder als in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und eine Aschenwolke während 10 Tagen den Flugverkehr lahmlegte. Doch der aktuelle Krise schlage alles. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die meisten Flüge auf dem Euroairport hat Easyjet gestrichen - kein Wunder, denn Easyjet hält hier einen Marktanteil von 60 Prozent. Die Annullationen würden weitergeführt und könnten darin resultieren, dass ein Grossteil der Easyjet-Flotte am Boden bleibe, schreibt etwa die Fluggesellschaft in einer Medienmitteilung. Gestern um 11 Uhr zählte die bz bei einem Augenschein auf dem Flughafen 12 Easyjet-Airbusse auf dem Vorfeld - ein sehr seltenes Bild mitten am Tag. Zunehmen werde die Zahl der Repatriierungsflüge. Easyjet ermöglicht derzeit ein gebührenfreies Umbuchen.

Einzig die Frachtflüge werden derzeit alle planmässig durchgeführt, sagt Gaskell. In Richtung China sei wegen der steigenden Nachfrage nach pharmazeutischen Gütern sogar eine gewisse Zunahme zu verzeichnen. Die vierhundert Mitarbeitenden der Flughafenverwaltung arbeiten, wo es geht, von zu Hause aus. Sicherheitspersonal braucht es weniger, aber die Bestände müssten immer sichergestellt sein. Der Flughafen sei schliesslich nicht geschlossen, so Gaskell. Die Baustellen seien geschlossen.

Noch offen war gestern die Frage des bislang problemlosen Grenzübertritts Schweiz-Frankreich auf dem Flughafen. Es ist damit zu rechnen, dass die Präfektur einen Erlass verfügt, der den Übertritt erschwert.

Meistgesehen

Artboard 1