Sprengstofffund

Granaten vom Basler Rheinbord: Wurden sie angeschwemmt – oder sogar illegal entsorgt?

Gleich zwei antike Sprengkörper auf einer Baustelle: Die Granaten gelangten wohl indirekt an den Fundort auf der Baustelle des Kantons. Kommende Woche werden weitere gesucht.

Was für ein Aufregung für einen sonst ziemlich menschenleeren Ort am Kleinbasler Ufer des Rheins. Bei der Grenzacherstrasse, kurz vor dem Birsfelder Kraftwerk, wurde vor einer Woche auf einer Baustelle des Kantons am Rheinbord ein Sprengkörper gefunden. Spezialisten der Schweizer Armee mussten aufgeboten werden, sie stellten fest: Granate, Erster Weltkrieg, deutsche Provenienz, 17 Zentimeter lang. Diese Modelle gab es auch in der Ausführung mit chemischen Kampfstoffen, die Basler Granate war aber eine Standardausführung.

Kaum eine Woche später, am Donnerstag, kam an derselben Stelle ein zweiter Sprengkörper zum Vorschein, dieses Mal ein deutlich kleineres Exemplar, aber nicht minder alt und verrostet. Dieses Mal sicherten die Spezialisten der Kantonspolizei den Fund, die Armee bekam den Sprengkörper nicht mehr zu Gesicht.

Schwemmgut – oder einfach illegal entsorgt

Warum die Sprengkörper just an dieser Stelle ausgegraben wurden, ist für die Behörden ein Rätsel. Das Gelände hat keine einschlägige Vorgeschichte, zumindest ist dem Kanton und damit dem Bauherrn nichts bekannt. «Wir wurden aber auf eine historische Aufnahme aufmerksam gemacht. Sie zeigt, dass einst auf Höhe der Fundstelle ein Steg in den Rhein geführt hat», sagt Daniel Hofer, Sprecher des Basler Tiefbauamts. In welcher Verbindung dazu die Sprengkörper stehen, ist allerdings offen.

Einen Hinweis auf die Herkunft der Granaten gibt Daniel Reist von der Medienstelle der Gruppe Verteidigung beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. «Es ist gut möglich, dass die Sprengkörper einfach angeschwemmt wurden.» Sie könnten also von deutlich weiter oben im Rhein gekommen sein.

Da ist aber noch eine andere Möglichkeit. Denn es gibt tatsächlich Menschen, die solche Hinterlassenschaften aus den Weltkriegen sammeln. Die Armee kennt genug von diesen Leuten, die irgendwo auf Geschosse stossen und sie nach Hause nehmen, so Reist. «Oft stossen dann erst die Nachkommen auf die Sammlung, wenn etwa ein Keller geräumt wird.»

Areal wird kommende Woche untersucht

Dann passiert nicht selten das, was möglicherweise auch am Rhein passiert ist: Die Nachkommen wissen nicht wohin damit und werfen sie irgendwo im Grünen weg, um den behördlichen Fragen zur Herkunft der Granaten aus dem Weg zu gehen. Das ist illegal, komme aber immer mal wieder vor, sagt Reist.

Die Basler Behörden bleiben vorsichtig. Wie Daniel Hofer vom Tiefbauamt sagt, ruhen nun die Arbeiten: «Wir warten, bis die Spezialisten den Abschnitt wieder freigeben.» Der Abschnitt werde kommende Woche auf weitere Sprengkörper untersucht.

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