Coronalockerungen
Grenzöffnung: Erleichterung, Freude und Geschenke – aber kaum Abstand

Politiker und Politikerinnen aus Deutschland, dem Elsass und den beiden Basel trafen sich auf der Dreiländerbrücke zur Grenzöffnung.

Kelly Spielmann
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Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

GEORGIOS KEFALAS/keystone

Mit bunten Blumensträussen gehen sie von beiden Enden der Dreiländerbrücke aufeinander zu, bis sie – begleitet von Dutzenden Journalisten – in der Mitte stehen bleiben. «Guten Morgen», «Grüezi», «Bonjour», begrüssen sich Elisabeth Ackermann (Basler Regierungspräsidentin), Kathrin Schweizer (Baselbieter Sicherheitsdirektorin), Pascale Schmidiger (Oberbürgermeisterin von Saint-Louis), Brigitte Klinkert (Präsidentin des Departementrats Haut-Rhin), Wolfgang Dietz (Oberbürgermeister von Weil am Rhein) und Marion Dammann (Präsidentin des Trinationalen Eurodistrikts Basel und Landrätin des Landkreises Lörrach). Es ist das erste persönliche Treffen seit fast drei Monaten. In den vergangenen Wochen waren Gespräche nur via Telefon- oder Videokonferenz möglich. «Gänsehaut», meint Marion Dammann zur Stimmung.

Die Emotionen sind bei allen Anwesenden ähnlich. «Wir dürfen wieder. Endlich können wir diese Passerelle wieder benutzen. Wir können uns wieder frei bewegen, wie wir es seit Jahrzehnten gewohnt sind», sagt Kathrin Schweizer. «Die vergangenen Monate haben gezeigt, was offene Grenzen bedeuten und wie wichtig sie für die Region sind», so Elisabeth Ackermann. Auch von elsässischer und deutscher Seite ist Erleichterung zu spüren: «Sehr glücklich und erleichtert» fühlt sich Brigitte Klinkert. Es sei ein Schritt in Richtung Normalität, dass die Grenzen nun wieder offen seien, sagt sie in ihrer Ansprache. «Auch, wenn alles noch nicht ganz normal ist.» Man habe in den vergangenen Wochen gemerkt, wie eng die Lebensbeziehungen und der Alltag über die Grenzen hinaus miteinander verflochten sind, so Marion Dammann.

Und ergänzt: «Wir freuen uns, dass die Begegnung nun für alle wieder möglich ist.»
Wie eine zweite Brückeneröffnung fühlt sich die Situation für den Oberbürgermeister von Weil am Rhein an. «Diese Brücke ist mehr als nur eine Strassenverbindung. Sie ist ein Ort der Symbolik.» So schenkte er Brigitte Klinkert zur Eröffnung auch ein passendes Geschenk: ein 1000-teiliges Puzzle einer Badeszene im Dreiland. «Die Brücke ist drin, die Enten sind drin. Sogar die Schweizer Einkaufstouristen sind drin», so Wolfgang Dietz.

Einheitliche Regelungen fehlten allen

Neben der Erleichterung teilen die Anwesenden auch eine klare Meinung zur Problemlösung in der Krisensituation. «Jedes Land hat seine eigenen Lösungen gesucht», so Ackermann. «Die Grenzregionen gingen dabei vergessen.» Auch Dammann ist der Meinung, dass es künftig einheitliche Regeln braucht: «Das sollten wir doch hinbekommen.» Und betont, wie alle ihre Kollegen, wie wichtig es nun sei, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten, um eine Situation wie diejenige der vergangenen Monate zu vermeiden. Dass Dutzende Journalisten ihre Köpfe noch näher zusammenstecken, um die Sprechenden zu hören, oder sich noch etwas näher an die Menschentraube drücken, um die Redner im Fokus ihrer Kameras zu haben, scheint dabei jedoch niemanden zu stören.

Chaos um Grenzöffnung wurde gelöst

Wie die Einhaltung der Mindestdistanz, wird auch ein weiteres wichtiges Thema in den Reden nicht angesprochen: das Chaos, das in den vergangenen Tagen bezüglich des exakten Zeitpunkts der jeweiligen Grenzöffnungen herrschte (die bz berichtete). Wie Wolfgang Dietz im Anschluss erklärt, sei für Deutschland eigentlich der Abschluss des 15. Juni, also erst um Mitternacht, als Öffnungszeitpunkt vorgesehen gewesen. Durch die Kommunikation des Datums habe die Bevölkerung jedoch geglaubt, die Grenzen würden, wie in der Schweiz, 24 Stunden vorher öffnen. Das Problem konnte pragmatisch gelöst werden: Anstelle einer neuen Regelung habe man beschlossen, die Grenzkontrollen ab vergangenem Mittwoch schrittweise zurückzuziehen, sodass der Grenzübergang doch schon gestern Montag möglich war.

Lörrach und Riehen feiern enge Zusammenarbeit

«Die Grenze war das letzte Mal vor 75 Jahren geschlossen. Wegen Corona wollen wir das für dieses Mal akzeptieren», sagte Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde bei der kleinen Grenzeröffnungsfeier mit Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz und vielen Medienvertretern an der grünen Grenze am Lettackerweg neben dem Bahndamm.

Die beiden Gemeinden pflegen eine sehr enge Zusammenarbeit; auch das persönlich gute Verhältnis war den Gemeindeoberhäuptern anzumerken. In Wildes Kommentar schwang noch immer der Schock mit, dass Deutschland am 16. März einseitig und ohne Absprache die Grenzen geschlossen hatte: «Das habe ich im Herzen gespürt.» Er habe eine solche Abriegelung in Europa nicht mehr für möglich gehalten. Wichtig sei nun aber, nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die persönlichen Beziehungen zwischen beiden Seiten der Grenze wieder aufzubauen. (bob)

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