Coronavirus
Grosses Impfzentrum bis Januar: Basel prescht vor

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen will schon ab Januar ein grosses Impfzentrum einrichten. Einen Standort für dieses hat er bereits im Kopf: die Räumlichkeiten der Messe Schweiz. Mit diesen Plänen ist Basel weiter als andere Kantone.

Benjamin Rosch
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Die Räume der Messe scheinen geeignet für die logistische Herausforderung.

Die Räume der Messe scheinen geeignet für die logistische Herausforderung.

Georgios Kefalas

Es ist paradox: Alle warten sehnlichst auf einen Impfstoff gegen Corona. In Umfragen aber zeigt sich: Impfen lassen möchten sich derzeit nur die wenigsten. Auch der Kanton Basel-Stadt weiss, dass diese Stimmung schnell kippen kann, sollte plötzlich ein potenter Wirkstoff vorliegen, der wieder mehr Normalität verheisst. Deshalb bereitet er ein grosses Impfzentrum vor, wie Kantonsarzt Thomas Steffen gegenüber «SRF» verkündete. «Wir schauen, dass wir bis Januar bereit sind», sagte Steffen.

Basel-Stadt scheint damit weiter zu sein als alle anderen Kantone. Noch sei zwar unklar, wann ein Impfstoff zur Anwendung gelangen könne. «Sicher wird es Anfang Jahr sein, aber ob Januar oder März kann man im Moment noch nicht sicher sagen.»

Messezentrum soll zum Impfzentrum werden

Dafür scheint bereits festzustehen, wo das geplante Impfzentrum zu stehen kommt: in den Räumlichkeiten der Messe Schweiz. Steffen sagte gegenüber «SRF», es laufen Gespräche. MCH-Sprecher Christian Jecker liess gestern eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung unbeantwortet.

Der Grund für ein grosses Zentrum liegt in der Technik. Viele der Impfstoffe, die aktuell im Rennen die Nase vorne haben, gehen bei zu hohen Temperaturen kaputt. Das Vakzin der deutschen Firma Biontech etwa ist auf eine Kühlkette von konstant minus 70 Grad angewiesen. Die Hoffnung besteht, dass irgendwann Wirkstoffe als Trockenpulver transportiert werden können - doch das verlangt weitere Forschungsarbeit. In einem grossen Impfzentrum ist es hingegen möglich, die nötige Logistik bereit zu halten.

Noch stellen sich eine ganze Reihe von Fragen, vordringlich natürlich: Wer wird geimpft? Gemäss Valentin Kressler, Sprecher des Gesundheitsdepartements, stehen vor allem die Risikogruppen zunächst im Fokus. Alleine diese umfassen bereits jede fünfte Person im Stadtkanton.

Eine Impfpflicht wird es nicht geben

Sarah Wyss, Präsidentin der grossrätlichen Gesundheitskommission, wurde früh ins Bild gesetzt über die Pläne. Sie geht einen Schritt weiter: «Sollte der Wirkstoff rationiert sein, plädiere ich für ein stufenweises Verfahren bei der Abgabe. Zuerst die Risikogruppen, dann das medizinische Fachpersonal, zuletzt alle anderen.»

Fest steht: Einen allgemeinen Zwang wird es nicht geben. Dies bestätigt Kressler. Weder existiere eine Impfpflicht, noch sei eine geplant. «Wir gehen davon aus, dass sich die Bevölkerung impfen lassen wird.» Auch deshalb sei zu Beginn ein grosses Zentrum sinnvoll. «Damit sollte ein möglicher Ansturm gut kontrolliert werden können.» Zu einem späteren Zeitpunkt ist es denkbar, dass über die Stadt verteilt mehrere Möglichkeiten entstehen − analog etwa zum Testing.

Der Kanton handelt sehr vorausschauend.

(Quelle: Sarah Wyss, Grossrätin (SP))

Politisch hätte ein Zwang ohnehin einen schweren Stand: Auch Wyss spricht sich klar dagegen aus. Sie wünscht sich indes, dass der Kanton aktiv auf die Bevölkerung zugehe, und dieser die Vorteile der Impfung klar mache. «Es darf nicht vergessen gehen, dass im Zuge der Pandemie auch andere gesundheitliche Aspekte leiden.»

Eine schrittweise Rückkehr zur Normalität sei nicht zuletzt deshalb wünschenswert, weil der aktuelle Zustand beispielsweise auch psychische Leiden verstärkt hervortreten lasse. «Es ist sehr vorausschauend von den Behörden, bereits zu diesem Zeitpunkt die nötige Infrastruktur zu erstellen», lobt sie.