Musikförderung

Grundlegende Veränderung in der Basler Musikförderung – IG will Gleichbehandlung aller Musikgenres

Basler Pop fühlt sich benachteiligt: Eine neu gegründete Interessensgemeinschaft fordert für Basel die Gleichbehandlung aller Musikgenres. (Symbolbild)

Basler Pop fühlt sich benachteiligt: Eine neu gegründete Interessensgemeinschaft fordert für Basel die Gleichbehandlung aller Musikgenres. (Symbolbild)

In einem Brief an das Basler Präsidialdepartement fordert eine Interessensgemeinschaft die Gleichbehandlung aller Musikgenres. Eine spätere Volksinitiative soll das «systematische Ungleichgewicht» beheben.

Das Kernanliegen ist deutlich formuliert: «Die IG für eine breitere Musikförderung BS setzt sich für eine öffentliche Musikförderung ein, die das professionelle und künstlerisch hochstehende Musikschaffen in allen Bereichen abbildet.»

Das Schreiben, das heute Dienstag beim Basler Präsidialdepartement eingegangen ist, ist eine Reaktion auf das Kulturleitbild, das der Kanton im September vorgestellt hat. Die neu gegründete IG sieht darin ein «erhebliches Ungleichgewicht» bei der Förderung von «Pop/ Jazz/ Rock/ Hip-Hop/ Metal/ Electronica und allen musikalischen Schnittstellen sowie Seitenästen dieser Stile» gegenüber klassischer Musik.

Dies, so das Schreiben weiter, spiegle sich auch in den Jahresberichten 2017 und 2018 der Kulturabteilung Basel-Stadt wider, die «eindrücklich» zeigten, «wie die Mittel im Bereich Musik verteilt sind». In den genannten Genres gäbe es «keine oder nur marginale Ausstattung für ambitioniertes und künstlerisch hochstehendes Musikschaffen.»

Dabei unterscheiden die Verfasser des Briefes zwischen Jugendkultur, Nachwuchsförderung und der Unterstützung von «professionellem, ambitioniertem und qualitativ hochstehendem Musikschaffen» von Akteuren, die eine langjährige Erfahrung mitbringen.

Unzufriedenheit über Ungleichgewicht

Fabian Gisler ist einer der Mitinitianten der IG für eine breitere Musikförderung BS. Der umtriebige und in verschiedenen Genres beheimatete Musiker betont gegenüber der bz, um was es ihm bei den Forderungen geht: «Es ist ein systemisches Ungleichgewicht, das aus einer anderen Zeit stammt». Pop, Rock, Jazz und Artverwandtes würden heute geringer geschätzt. Dabei stünden diese Genres, was die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz angehe, der Klassik in keiner Weise nach.

Keine Hoffnung auf Verbesserungen

Im Brief liest sich das so: «Es ist für uns (...) nur schwer zu verstehen, warum dieses systemische Ungleichgewicht nicht endlich grundlegend korrigiert wird.» Das Kulturleitbild 2020-2025 macht den Initiantinnen und Initianten keine Hoffnung auf absehbare Verbesserungen: «Wir können darin nur punktuell Ansätze erkennen, die darauf abzielen, die aktuelle Situation nachhaltig zu verändern.»

Andere Kantone hätten vorgemacht, dass sich mit «interessanten Initiativen und Fördermodellen» einiges erreichen liesse, heisst es im Schreiben. Als Beispiele werden aufgeführt: «Recherche und Entwicklungsbeiträge, Werkjahre, Produktionsbeiträge, Residenzen, Unterstützung für Tourneen und Unterstützung von Veranstalter*innen».

Gisler hat als Musiker selber erlebt, was sich mit der nötigen Förderung alles realisieren lässt. Im Vergleich zum Angebot in anderen Kantonen sei Basel «in einigen Bereichen eine Wüste», sagt er. Dennoch mag er nicht mit Zahlen und Subventionsbeträgen argumentieren. Ihm geht es um die Infragestellung und schliessliche Behebung des grundsätzlichen Ungleichgewichts.
In dieser Hinsicht erkenne er durchaus Parallelen zur Gleichstellung von Mann und Frau: «Man muss bereit sein, alles infrage zu stellen.» Hierbei ist es Gisler ein Anliegen, zu betonen, dass die IG für etwas einstehe und nicht gegen etwas. Es gehe also nicht darum, jemandem etwas wegnehmen zu wollen, sondern darum, dass «unserer Gesellschaft entsprechend die musikalische Vielfalt in der öffentlichen Musikförderung abgebildet» werde.

Als nächstes will die IG den Rückhalt aus der Szene vergrössern und eine Solidarität unter allen Musikschaffenden schaffen. Denn «grundlegende Veränderungen passieren nur, wenn es einen breiten Zusammenhalt an der Basis» gebe, so Gisler. Die nächsten Schritte werden jetzt sorgfältig geplant, und einer wird im Brief bereits genannt «Wir sind dabei, eine kantonale Volksinitiative vorzubereiten, welche die Musikförderung BS grundlegend verändern soll.»

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