Baustelle Aeschenplatz

Hier wird zehn Minuten in der Stunde gearbeitet

Die BVB führen am Aeschenplatz Gleisarbeiten durch – wenn die Arbeiter dazu kämen. Die bz fragt bei BVB-Sprecher Benjamin Schmid nach, wieso nicht in der Nacht gearbeitet wird.

Sie stehen da wie hungrige Geier, die einem Löwen beim Fressen zuschauen und auf den Moment warten, wenn dieser eine Pause einlegt und sie sich auf das Aas stürzen können. Die Rede ist von den zwölf Bauarbeitern, die derzeit im Auftrag der BVB am Aeschenplatz eine Weiche ersetzen.

Die Löwen sind in diesem Fall die Drämmli, die eins nach dem anderen vorbeifahren, im Minutentakt, und die Baustelle blockieren. Dann und wann ertönt wie aus dem Nichts ein Horn, die Baustelle ist frei. Zwei Bagger fahren an, Männer steigen in den Graben und werfen mit blanken Händen Steine in den Vorderkipper – wenn dieser denn rechtzeitig an Ort und Stelle ist und nicht bereits vom nächsten Tram aufgehalten wird.

Mit Stoppuhr an der Baustelle

Das liest sich wie eine zugespitzte Momentaufnahme – ist es aber nicht, wie ein Baustellenbesuch der bz zeigt. Gestern Donnerstag zwischen 10.20 und 11.20 Uhr konnten die Arbeiter während exakt zehn Minuten und 30 Sekunden Baggern – die restlichen 49,5 Minuten war die Baustelle gesperrt (siehe Grafik). Und es wurde geflucht, in einem babylonischen Sprachgewirr, meist unverständlich, das wenige Französisch dazwischen in einer Zeitung nicht übersetzbar. Und geraucht wurde, in den zahlreichen Pausen, 18 Zigaretten hat der Beobachter gezählt.

Doch dann, 10.44 Uhr und 30 Sekunden: Wo sich in den Minuten zuvor noch aus allen Richtungen Tram hinter Tram gereiht hat, herrscht plötzlich Leere. Die Bagger fahren an, korrigieren ihre Position, bringen den pneumatischen Abbau-Hammer in Position, Takk, Takk, Takk, die Steine splittern.

Ein kleiner Bagger hievt die Brocken in den Kipper, grosse Hektik und dazu ein Hupkonzert – denn die im Stau stehenden Autofahrer denken, dass nun ihre Fahrt freigegeben werden müsste, jetzt, da keine Drämmli da sind. Doch der Security-Mitarbeiter mit dem Horn ist gnadenlos, jetzt ja nicht die Arbeiten unterbrechen, keine Sekunde zu früh. Selbst der erste aus Richtung Bahnhof anfahrende 10er lässt ihn kalt, Takk, Takk, Takk, Brocken raus, auf den Kipper. Erst als hinter dem 10er ein 11er, vom Gellert her ein 14er und aus Richtung Bankverein drei weitere Trams stehen, ertönt das Horn – Baustopp, nach rekordverdächtigen 130 Sekunden.

Doch die grosszügige Bauzeit rächt sich sogleich, denn durch den Tram-Stau – diese dürfen die Baustelle nur im Schritttempo befahren – heisst es danach 8 Minuten 20 Sekunden warten. Und fluchen. Und rauchen.

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