Interview
«Im Moment profitieren alle ein bisschen von der Digitalisierung»

Nur wenn man sich auf die Entwicklung einlässt, könne man sie gestalten, sagt Elias H. Schäfer, CEO der Fluxdock AG, dem Netzwerk für kollaborative Innovation und Geschäftsführer des Vereins Smart Regio Basel.

Yannette Meshesha
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Elias H. Schäfer ist CEO der Fluxdock AG, dem Netzwerk für kollaborative Innovation und Geschäftsführer des Vereins Smart Regio Basel.

Elias H. Schäfer ist CEO der Fluxdock AG, dem Netzwerk für kollaborative Innovation und Geschäftsführer des Vereins Smart Regio Basel.

Roland Schmid

Big Data – Small Basel. Über dieses Thema diskutieren in der nächsten Ausgabe von «Basel im Gespräch» Thomas Brenzikofer von Basel Area Swiss, Boris Kraft, Mitbegründer von Magnolia und der Geschäftsführer von Smart Regio Basel, CEO der Fluxdock AG und ehemalige FDP-Grossrat, Elias H. Schäfer. Die bz unterstützt den Anlass als Medienpartner. Schäfer verrät im Interview, wie die Digitalisierung zukünftige Entwicklungen prägen wird.

Herr Schäfer, die Digitalisierung ist in aller Munde. Kann man dieser Entwicklung freien Lauf lassen?

Elias H. Schäfer: Eines ist klar: Die Digitalisierung kann man nicht aufhalten. Wenn eine Anwendung benutzerfreundlich ist, wird sie genutzt, unabhängig davon, welche Implikationen sie mit sich bringt. Man sieht das bei Facebook. Es ist bekannt, dass wir damit persönliche Daten preisgeben. Trotzdem ist es praktisch, also nutzt man es auch. Smart Regio Basel (SRB) befasst sich unter anderem damit, wie die Digitalisierung hier vernünftig gesteuert werden kann. Ein grosses Thema sind da natürlich Daten. Man spricht von ihnen schon als die Währung der Zukunft. Momentan erzielen nur die grossen Global Players wie Facebook oder Google nennenswerte Gewinne mit Daten. Es stellt sich die Frage, wie man auf lokaler Ebene damit umgehen soll. Ist es gut, Daten in diese Global Players einzuspeisen? Oder lassen sich andere Systeme für lokale Anbieter und Nutzer entwickeln? Da braucht es kreative Prozesse.

Welche lokalen Besonderheiten gelten in der Region Basel?

In Basel herrschte schon immer ein kooperativer Geist. Das sieht man zum Beispiel an Branchenverbänden und Genossenschaften, die hier Tradition haben. Das können wir in die Zukunft übertragen und nutzen. Die Kernfrage bei SRB ist, wie es gelingen kann, dass die Region von der Digitalisierung einen Nutzen hat. In Basel steht man mit dem hohen Bildungsniveau und den hervorragenden Fachkräften für die Wirtschaft gut da. Auch die hiesigen Pharmafirmen haben grosses Potenzial. Aber man muss über Grenzen hinausdenken und aus hergebrachten Strukturen ausbrechen. Vorhandenes Wissen wird dann nicht mehr nur in einem Bereich angewendet, sondern es entstehen wertvolle Quernutzungen.

Wie kann die Pharmabranche das nutzen?

Bisher hat sich die Pharmaindustrie eher nach einzelnen Wirkstoffen orientiert. Man findet einen Wirkstoff und bringt dann ein entsprechendes Medikament heraus. Jetzt kann man den Prozess umkehren und vom Endkonsumenten ausgehen. Patienten wollen zunehmend individuelle Lösungen für ihren spezifischen Zustand. Durch die Verfügbarkeit individueller Daten wird das künftig machbar. Es wird für Firmen auch immer wichtiger, zusammenzuspannen und über Firmen- oder Branchengrenzen hinwegzudenken. Wir bewegen uns auf eine Netzwerk-Ökonomie zu, in der es immer wichtiger wird, dass auch lokale Player sich vernetzen, um das volle Innovationspotenzial auszunutzen.

Wie muss das Bildungswesen mit diesen Veränderungen umgehen?

Es wird immer wichtiger, die Grundeigenschaften der digitalen Welt zu vermitteln, also zum Beispiel, was ein Algorithmus ist oder wie man programmiert. Das heisst nicht, dass jeder fünf Programmiersprachen lernen muss, aber das Prinzip dahinter sollte man kennen. Trotzdem dürfen klassische Bildungsinhalte nicht vernachlässigt werden. Vielleicht wird man sie sich anders aneignen als früher. Aber auch wenn man heute alles im Internet nachschlagen kann, ist es wichtig, über ein gewisses Grundwissen zu verfügen. Sonst begibt man sich in eine völlige Abhängigkeit. Es ist wichtig, Eigenes im Kopf zu haben und so auch kritische Auseinandersetzungen zu ermöglichen.

Welche Aufgaben kommen da der Politik zu?

Die Politik sollte im aktuellen Strukturwandel nicht allzu viel Energie in die Strukturerhaltung stecken. Leider richtet sich das politische Mindset meist darauf aus, alles genau durchzuplanen und in Gesetzen vorab zu regulieren. Aber wenn man Neues erfolgreich regulieren will, muss man auch Testfelder schaffen. Ausprobieren und aus Fehlern lernen, ist sehr wichtig. Nur ist die Bereitschaft der Bevölkerung, bei der Politik Fehler zu akzeptieren, sehr gering. Der mediale Druck und die Erwartungshaltungen sind zu gross. So lange Politiker dieser Nulltoleranz ausgesetzt sind, wird sich niemand aus dem Fenster lehnen und sich für Probephasen einsetzen, bei denen auch etwas schiefgehen darf.

Kann das Einbeziehen der Bevölkerung da weiterhelfen?

Gerade hier in der Schweiz ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen. Innovationen gelingen besser, wenn man eine breite Diskussion zulässt. Sonst riskiert man sofort heftige Opposition. Dieser Weg ist zwar langsamer, aber er bringt auch einen Mehrwert: Man kann laufend das Feedback der Endnutzer einholen. Letzten Endes geht es darum, ein ganzes Ökosystem von Menschen, Firmen und der öffentlichen Hand aufzubauen.

Wer profitiert eigentlich von der Digitalisierung?

Im Moment profitieren alle ein bisschen, weil vor allem der Alltag vereinfacht und das Wohlbefinden gesteigert wird. Es geht darum, soziale Bedürfnisse besser zu erfüllen. Sehr stark profitiert auch der Umweltbereich, denn die neuen technischen Möglichkeiten lassen einen deutlich effizienteren Ressourceneinsatz zu. Ökonomisch profitieren zurzeit noch wenige Global Player. Für die Zukunft ist wichtig, dass man sich auf die Entwicklung einlässt und den Willen zum Mitgestalten auch auf lokaler Ebene fördert, ohne dabei eine kritische Geisteshaltung aufzugeben. Unternehmen werden vermehrt in Netzwerken denken müssen. Die Zeiten der vereinzelten Wege sind überholt.

Basel im Gespräch «Big Data – Small Basel», Dienstag, 17. Oktober, um 18 Uhr, Offene Kirche Elisabethen.