Lockdown
Jetzt kommen die Deutschen zu uns: Shopping-Tourismus andersrum

Wegen dem Lockdown rechnet der Detailhandel ab Mittwoch mit mehr deutschen Kunden – das sorgt ennet der Grenze für Kritik.

Jonas Hoskyn
Drucken
Teilen
Der Weihnachtsverkauf lockt viele Menschen in die Stadt. (Archivbild)

Der Weihnachtsverkauf lockt viele Menschen in die Stadt. (Archivbild)

Roland Schmid

Der ausgefallene Sonntagsverkauf und die Aussicht, dass aufgrund der hohen Coronazahlen bald auch in der Schweiz die Geschäfte schliessen müssen, hat am vergangenen Samstag jede Menge Kundschaft in die Basler Innenstadt getrieben: «Es war einiges los», sagt Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt. Aufgrund der Beschränkungen hätten viele vor den Geschäften warten müssen: «Aber die Schlangen haben gut funktioniert, die Stimmung war überall entspannt», sagt Böhm. Auch Daniel Zimmermann, Centerleiter des St. Jakob-Park, sagt: «Wir durften eine höhere Besucherfrequenz gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die Besucherströme haben sich aber während dem Tag sehr gut verteilt.»

In den kommenden Tagen dürfte das System einem weiteren Stresstest unterzogen werden: Einerseits verdichten sich die Zeichen, dass der Bundesrat am Freitag auch für die Schweiz einen zweiten Lockdown verkünden könnte, was die Frist fürs Besorgen der Weihnachtsgeschenke natürlich massiv verkürzt. Andererseits treten morgen Mittwoch in Deutschland neue Einschränkungen in Kraft. So wird der Einzelhandel vorerst bis am 10. Januar geschlossen. Ausnahmen gelten nur für Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken – also Lebensmittelläden, Märkte, Apotheken, Banken oder Tankstellen.

«Alles, was die Situation verkompliziert, ist schlecht»

Gut möglich, dass es nun also zu einem umgekehrten Shopping-Tourismus kommt – Deutsche aus der Grenzregion, die für ihre Weihnachtseinkäufe nach Basel kommen. Dies kann man auch jeweils feststellen, wenn in Baden-Württemberg ein Feiertag ansteht – etwa an Allerheiligen oder dem Tag der Deutschen Einheit.

Zwischen zehn und fünfzehn Prozent des gesamten Umsatzes könnten deutsche Einkaufstouristen an solchen Tagen ausmachen, schätzt Böhm. «Das ist umsatztechnisch kurzfristig zwar schön, aber gleichzeitig nicht unproblematisch.» Die aktuelle Situation sei für die Geschäfte bereits herausfordernd genug. «Wenn es einen Ansturm gibt, wäre es unter dem Strich wohl am Ende gar kontraproduktiv.» Auch Pro Innerstadt halte sich in der aktuellen Lage kommunikativ sehr zurück: «Wir müssen versuchen, das, was wir jetzt noch haben, möglichst lange behalten zu können. Alles, was die Situation verkompliziert, ist schlecht für den Detailhandel.»

Auch Centerleiter Zimmermann sagt: «Wir können uns durchaus vorstellen, dass der eine oder andere, welcher sein Weihnachtsgeschenk noch nicht gekauft hat, zu uns zum Einkaufen kommt, weil er in Deutschland nicht mehr in seinem Laden einkaufen kann oder schlichtweg vom Lockdown überrascht wurde.» Man freue sich über jeden Kunden, den man im Center begrüssen dürfe. «Wir sind gut vorbereitet. Natürlich immer unter Einhaltung des Schutzkonzepts des BAG und der kantonalen Vorgaben, welche bei uns konsequent umgesetzt werden.»

Kritik aus Lörrach an unterschiedlichen Regeln

Der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz kritisierte derweil in der «Badischen Zeitung» von gestern die aktuelle Situation: Es sei nicht zu vermitteln, dass Deutschland das öffentliche Leben herunterfahre, während in der Schweiz noch Vieles möglich sei. «Wir müssen mit den Schweizer Nachbarn reden», sagt Lutz. Er sehe die Region als Ganzes und habe sich immer vehement für die Offenhaltung der Grenzen eingesetzt. Aber gerade deshalb müssten die Bedingungen vergleichbar sein.