Anklage
Jetzt steht die Anklageschrift: Vergewaltigung im Hauseingang im St. Johann

Am 1. Februar wurde eine junge Frau am frühen Morgen in ihrem Heim im St. Johann vergewaltigt. Die Geschichte wühlte auf – Nicht nur wegen dem Tatbestand, sondern weil die beiden Täter so schamlos öffentlich vorgingen.

Benjamin Rosch
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Zwei Männer brachten am 1. Februar eine alkoholisierte, junge Frau nach Hause. In ihrem Hauseingang wurde sie von den beiden Männern vergewaltigt. (Symbolbild)

Zwei Männer brachten am 1. Februar eine alkoholisierte, junge Frau nach Hause. In ihrem Hauseingang wurde sie von den beiden Männern vergewaltigt. (Symbolbild)

AZ

Es gibt diese Straftaten, die ein Dorf oder eine Stadt für einige Zeit aufwühlen. Die Vergewaltigung einer jungen Frau am 1. Februar dieses Jahres ist so eine Tat, über welche die Medien tagelang berichteten und die sogar eine Demonstration für Frauenrechte auslöste. Nicht alleine des Straftatbestands wegen. So zynisch das klingen mag, denn Vergewaltigungen finden jedes Jahr in Basel dutzendfach statt, und nur ein Bruchteil davon taucht überhaupt in einer Statistik auf. Sondern weil die Verbrecher so schamlos öffentlich vorgingen. Wie, das zeigt jetzt die Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft.

Nach einer durchzechten Nacht am letzten Januartag betraten zwei sehr unterschiedliche Männer am frühen Samstagmorgen ein Tram der Linie 8. Einer der beiden war erst 17 Jahre alt. Der andere 31 und Vater von vier Kindern. Der 17-Jährige lebte in Saint-Louis, sein älterer Freund wohnte zeitweise bei ihm.

Am Barfüsserplatz stieg eine junge Frau zu, die offensichtlich viel getrunken hatte, was auch die beiden Männer erkannten. Es bestand eine lose Verbindung zwischen den dreien, der jüngere der beiden Männer kannte die Frau über zwei Ecken. Sie boten an, sie nach Hause zu begleiten, was die Frau annahm. Nicht ohne den Hinweis: Sie werde niemanden mit in ihre Wohnung nehmen.

So fuhren sie bis zur Dreirosenbrücke und danach noch zum Voltaplatz. Schliesslich spazierten sie bis zur stark frequentierten Elsässerstrasse, wo die Frau wohnte. Dort schloss sie die Türe auf, die beiden Männer drängten sie in den Windfang, vielleicht hatten sie sich vorher dazu abgesprochen, und vergewaltigten die Frau unter Anwendung massiver Gewalt. Während es in den Medien hiess, einer habe die Frau festgehalten, zeichnet die Anklage der Staatsanwaltschaft ein anderes Bild. Dieser zufolge missbrauchten beide ihr Opfer, das sich heftig wehrte. Das war um 7.10 Uhr. Um 7.21 Uhr hatten die beiden Täter von der Frau abgelassen, und sie konnte die Polizei verständigen.

Erst geflüchtet und sich dann gestellt

Die beiden Männer flüchteten nach Frankreich. Sie setzten sich noch gleichentags in ein Auto mit portugiesischem Kennzeichen und fuhren in ihre Heimat nach Portugal. Um ihre Spuren zu verwischen, löschten sie noch ihre Facebook- und Instagram-Accounts.

Wenige Tage später meldete sich ein Leser bei der Pendlerzeitung «20 Minuten» und behauptete, die Täter zu kennen. Seine Schilderungen passten genau zu jenen beiden Männern, gegen die sich nun die Anklageschrift richtet. Es handle sich um einen 31-jährigen und einen 17-jährigen Portugiesen, sagte er, deren Alltag aus Drogen und Puffbesuchen bestehe. Der 31-Jährige halte sich noch nicht lange in Basel auf: «Er ist noch nicht einmal einen Monat hier.» Er sei geschieden, seine Familie lebe in Portugal. Mit der Trennung komme er nicht klar.

Am 6. Februar starteten die Basler Behörden einen europaweiten Fahndungsaufruf. Es vergingen weitere sechs Tage, dann kehrte der 31-jährige Mann aus Portugal zurück und stellte sich in Begleitung einer Verteidigung auf der Polizeiwache Clara. Vier Tage vor seinem 32. Geburtstag. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft.

Gerichtsverhandlung im August

Gegen ihn richtet sich die Anklage: mehrfache sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung. Es ist anzunehmen, dass er auch den Namen des Mittäters verriet, der ebenfalls in der Anklageschrift steht. Allerdings bedeutet es noch nicht, dass der Beschuldigte auch ein Geständnis abgelegt hat, wie Staatsanwaltschaftssprecher René Gsell auf Anfrage bestätigt. Mehr Klarheit wird womöglich die Gerichtsverhandlung bringen: Am 25. August wird sich der Angeklagte vor dem Basler Strafgericht verantworten müssen.

Der minderjährige, mutmassliche Mittäter befindet sich noch immer auf der Flucht. Eine Fahndung blieb bisher ohne Erfolg.

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