Fan-Gewalt
Joël Thüring stellt sich auf die Seite des Polizeichefs

Mit provokativen Aussagen zur Fan-Gewalt in Basel erntet Gerhard Lips Zustimmung wie auch heftige Kritik – bis hin zu Rücktrittsforderungen.

Daniel Ballmer
Drucken
Bei den Fan-Ausschreitungen vom 10.April wurden neun Polizisten verletzt. Auf der Gegenseite wurde ein Fan schwer am Auge getroffen. Youtube/Screenshot

Bei den Fan-Ausschreitungen vom 10.April wurden neun Polizisten verletzt. Auf der Gegenseite wurde ein Fan schwer am Auge getroffen. Youtube/Screenshot

Es geht hoch zu und her auf den sozialen Netzwerken. Das bz-Interview mit Gerhard Lips hat heftige Diskussionen ausgelöst. Nach Fan-Ausschreitungen von Mitte April hat der Basler Polizeikommandant deutliche Worte gewählt: Viele Polizisten seien der Meinung, dass FCB-Präsident Bernhard Heusler «mit gewissen heiklen Fans aus der Muttenzerkurve unter einer Decke steckt».

Mittlerweile sind Gegenmassnahmen beschlossen. Unter anderem eine Fan-Bar, die für eine bessere soziale Kontrolle sorgen soll. Die Arbeit der Polizei werde dadurch aber nicht nur vereinfacht, stellt Lips klar. Freund und Feind würden schwieriger auseinanderzuhalten sein. Heute dagegen sei klar: «Dort ist alles Feind – um es einmal provokativ auszudrücken.»

Aussagen «im Kern richtig»

In den Internetforen ist die Provokation angekommen. Zahlreiche Kommentatoren fühlen sich als Fussballfans pauschal angegriffen – und kritisieren im Gegenzug die Polizei: Diese sei es, die mit «kriegsmässigem Auftreten» provoziere, ist da zu lesen. Oder: Die Polizei schiesse mit Gummischrot und Tränengas auf alles – egal, ob Chaot oder unschuldiger Familienvater. Handkehrum gibt es aber auch jene, die nach mehr Repression rufen. Solche, die sich wünschen, dass gewaltbereite Fans härter angepackt werden.

Zur zweiten Gruppe gehört SVP-Grossrat Joël Thüring, der sich in Basel auch für das Hooligan-Konkordat stark gemacht hatte – und in der fussballverrückten Stadt damit gescheitert war. Für ihn sind die Aussagen Lips’ zwar provokativ, im Kern aber richtig. «Auch ich finde, dass sich der FCB in der Vergangenheit zu wenig klar von den Hooligans distanziert hat», sagt Thüring.

Thüring würde etwa schärfere Stadionkontrollen erwarten. Auch die Videoüberwachung wäre schon früher zu verbessern gewesen. Und bei den Stadionverboten brauche es mehr Härte, um ein deutliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Der FCB aber mache dauernd einen Spagat, um die Fan-Stimmung im Stadion nicht zu gefährden. So habe der Club zu lange eine Laisser-faire-Haltung eingenommen und nur auf Deeskalation gesetzt. «Das darf man aber kaum sagen», findet Thüring. «In Basel ist der FCB eine heilige Kuh. Mit Kritik macht man sich da wenig Freunde.»

«Gefährliche Stigmatisierung»

Zu ganz anderen Schlüssen kommen die Basler Jungsozialisten. Ihre Kritik richtet sich voll und ganz gegen Lips, der im Stadion Bereiche sehe, in denen nur «Feinde» der Polizei zu finden seien. «Eine solche Aussage ist ein absolutes No-Go und muss entsprechende Konsequenzen mit sich bringen», findet Co-Präsidentin Jessica Brandenburger.

Unverblümt fordern die Juso in einer Medienmitteilung die Absetzung des Polizeichefs: «Dass Menschen wie Lips weiterhin in ihren Kaderfunktionen bleiben, offenbart eine massive Ignoranz und Führungsschwäche des Departementsvorstehers Baschi Dürr.» Eine solche Stigmatisierung von Menschen zu Feinden sei unprofessionell und gefährlich, da sie Polizeiwillkür und -gewalt Tür und Tor öffne.

Aktuelle Nachrichten