«Iss, Basel, iss»
Kolumnist Romeo Brodmann besucht die Kunsthalle – eines Aales wegen

Romeo Brodmann geht in die Kunsthalle Basel - nein, nicht der Exponate wegen, sondern wegen des Essens. Warum es den Wiener Schmäh zu überwinden galt und der Service aus den 70ern toll war. Und ja, auch eine Totentrompete spielt beim Essen eine Rolle.

Romeo Brodmann
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Iss, Basel, iss! Die Gastrokolumne
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Iss, Basel, iss! Die Gastrokolumne

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Oben: Zeitgenössische Kunst hergezeigt, illustriert und debattiert. Unten: Kulinarisches Handwerk, gekocht, serviert und wiedererzählt. Dem Zutritt in die bemalte Kaverne steht nur etwas im Weg: Die Kunstform des Wiener Schmähs, ein Hauch wundervoll inszenierte Verächtlichkeit wie es nur die Maître de Restaurants der alten Schule noch beherrschen. Eine Person? Eine Person.

Die Kunsthalle ist voll. Gutes Zeichen. Der Service, das sei vorneweg genommen, ist vorbildlich. Es ist, als wäre die Zeit in den 70ern stehen geblieben. Freundlich, aufmerksam, schnell. Die Tische: Weiss gedeckt, Stoffserviette, Silberbesteck.

"Iss, Basel, iss!" - die wöchentliche Gastrokolumne

Das ist die Geschichte von Frank Lorenz und Romeo Brodmann und ihrer Liebe zur Gastronomie in der Region Basel. Sie lieben das Essen, doch darin einig, was nun spitze ist, sind sie nicht.

Lorenz ist Theologe und Journalist und Gastgeber der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Er mag Menschen und Essen und kocht privat sehr gerne.

Brodmann ist vom Fach, gelernter Koch, Zigarrenliebhaber, Journalist, Buchautor.

Lorenz und Brodmann testen für die bz die Gastronomie in der Region Basel. Die beiden Kolumnisten nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein. Brodmann hängt sich an die Köche und schaut in die Töpfe, Lorenz legt sein Augenmerk auf die Gastlichkeit und die Gastgeber. Natürlich geht es auch immer darum, was auf dem Teller liegt. Doch sollen die Menschen, die in der jeweiligen Beiz arbeiten, im Mittelpunkt stehen.

Vorspeise: Beluga Linsen Salat an Trüffel-Vinaigrette mit lauwarmem pochierten Ei. Hervorragend kombiniert. Filigran im Aroma und Geschmack. die Trockenheit der perfekt gekochten Linsen kompensiert mit der genau richtigen Dosis Vinaigrette ohne Überschwemmung. Das Ei perfekt pochiert. Das knackige Salätchen ringsum gibt dem Ganzen den Rest. Ehrlich? Respekt. Da fehlt nur noch der Feinschliff zum perfekten Gericht. Etwas weniger Linsen und graziler angerichtet, vielleicht noch eine fette Scheibe von einem echten schwarzen Wintertrüffel in Butter sautiert und mit wenigen Tropfen Portwein abgeschmeckt.

Tatsächlich stand anfangs die ganze, grillierte Seezunge auf dem Speiseplan. Dieser wurde jedoch vom Aal durchkreuzt. Ragout vom Aal, Herbsttrompeten, Topinampur-Stampf, Herbstgemüse. Aal, ein durchwegs fetthaltiger Fisch dessen doch eher strenge Geschmacksstruktur oftmals diffizil zu handhaben ist.

In der Küche verstehen sie ihr Handwerk. Auf den Punkt geschmort. Die Totentrompeten auf dem toten Fisch bilden eine herbstliche Harmonie. Gut, die Sauce hätte noch etwas mehr Aufmerksamkeit, vorderhand einen Hauch Säure, benötigt. Diese hätte das satte Aroma des Aals etwas aufgebrochen. Und beim Anrichten bräuchte es auch ein klein wenig Design-Nachhilfe. Doch das sind Details.

"Kunsthalle Basel"

Für wen: Liebhaber der hohen Esskunst.

Preisniveau: Mittel bis hoch

Besonderes: Interieur ist gediegen

Aufsteller: Der perfekte Service - hier ist der Gast König

Absteller: Keiner, wenn man mit Wiener Schmäh umgehen kann

Preis für eine Person: 95.70 Franken

Kontakt

Restaurant Kunsthalle Basel

Steinenberg 7
4001 Basel

Reservationen: +41 61 272 42 33

info@restaurant-kunsthalle.ch

Auch die einzige Freudlosigkeit konnte das Erlebnis nicht trüben – das Herbstgemüse in Form von bluttem Blumenkohl gedämpft. Meine lieben Freunde, Blumenkohl ist ein König, also behandelt ihn auch so. Wie dem auch sei. Die Kunsthalle. Ein äusserst angenehmer Platz um Mittags episodisch aus dem Alltag auszusteigen, sich zu verlieren, nicht nur Kalorien zu tanken. Und ja, wäre die Linsenportion etwas schlanker dahergekommen, hätte die Möglichkeit bestanden, über den Dessertwagen herzufallen. Aber so. Auf Wiedersehen. Versprochen.

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