Novartis
Konzernchef Jimenez erhofft sich durch Geschäftsumbau höhere Margen

Novartis richtet sich neu aus: Der Pharmariese verkauft die schwächelnde Impfstoffsparte an den britischen Konkurrenten GlaxoSmithKline (GSK) und übernimmt im Gegenzug dessen Krebsmittelgeschäft.

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Novartis-Chef Joseph Jimenez freut sich über den Geschäftsumbau und hofft auf höhere Margen. (Archivbild)

Novartis-Chef Joseph Jimenez freut sich über den Geschäftsumbau und hofft auf höhere Margen. (Archivbild)

Keystone

Mit dem Tausch büsst Novartis Umsatz ein, profitiert aber von höheren Margen. Er sei sehr aufgeregt, sagte Konzernchef Joseph Jimenez am Dienstagmorgen an einer Telefonkonferenz. Der Moment sei historisch.

Für die Onkologie-Sparte bezahlt das Basler Unternehmen GSK zunächst 14,5 Milliarden Dollar. Weitere 1,5 Milliarden werden fällig, wenn gewisse Meilensteine erreicht werden.

Mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr schiesst das neue Geschäft den Novartis-Umsatz mit Krebsmedikamenten nicht gerade in eine neue Umlaufbahn. Die Basler kamen 2013 mit den Onkologie-Produkten auf einen Umsatz von 11,2 Milliarden Dollar.

Der Verkauf des Impfstoffsektors spült Novartis zunächst 5,25 Milliarden Dollar in die Kassen, weitere 1,8 Milliarden Dollar sind an das Erreichen von Meilensteinen gebunden. Nicht in der Transaktion enthalten sind die Grippe-Impfungen. Dieser Teil soll zu einem späteren Zeitpunkt veräussert werden.

Mit seinem Impfmittelgeschäft inklusive des Grippe-Sektors machte Novartis 2013 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar, also fast gleich viel, wie nun durch die GSK-Krebsmittelsparte hereinkommen. Es ist allerdings deutlich weniger lukrativ: 2013 war es der einzige Konzernbereich von Novartis, der rote Zahlen schrieb.

Die Basler bekundeten Mühe, mit den Konkurrenzprodukten von GSK, Sanofi und Merck Schritt zu halten. Der Zweig war deshalb seit längerem ein Verkaufskandidat.

Basler Volkswirtschaftsdirektor befürwortet den Deal

Der SP-Regierungsrat Christoph Brutschin steht der Milliarden-Transaktion bei Novartis positiv gegenüber. Der Vorsteher des baselstädtischen Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) verspricht sich vom Deal eine Stärkung des Konzerns.

Die stärkere Fokussierung auf Pharma, Augenheilmittel und Generika steigere die Rentabilität von Novartis und das stärke den Konzern und auch dessen Standort, sagte Brutschin am Dienstag auf Anfrage der sda. Betriebswirtschaftlich seien die geplanten Transaktionen nachvollziehbar.

Grössere Verschiebungen von Arbeitsplätzen oder gar einen Stellenabbau erwarte Brutschin nicht. Dafür gebe es derzeit keine Anzeichen. Möglicherweise entstünden durch den Umbau gar neue Arbeitsplätze in der Schweiz.

Auswirkungen auf Angestellte offen

Ebenfalls aus dem Fokus nimmt Novartis die rezeptfreien Medikamente. Den Geschäftsbereich wird in ein Joint-Venture mit GSK ausgelagert, das von den Briten kontrolliert wird. Novartis wird lediglich einen Anteil von 36,5 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen halten. Das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten ist mit 2,9 Milliarden Dollar Umsatz 2013 ebenfalls eine eher kleinere Sparte von Novartis.

Weiter verkauft das Unternehmen seine Tiergesundheitssparte an Eli Lilly. Für den Bereich, der vergangenes Jahr 1,1 Milliarden Dollar Umsatz generierte, bezahlen die Amerikaner 5,4 Milliarden Dollar.

Vom angekündigten Umbau sind in der Schweiz rund 1500 von 15'000 Novartis-Angestellten betroffen. Ob es auch zur Verschiebung von Stellen ins Ausland oder zu Entlassungen kommt, liess Novartis am Dienstag offen.

Sämtliche Transaktionen bedürfen noch der Zustimmung der Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden. Sie sollen bis Mitte 2015 abgeschlossen sein.

Anleger zufrieden

Der Umbau ist eine Folge der Strategie-Überprüfung, die Novartis-Chef Jimenez vergangenes Jahr angekündigt hatte. Nachdem der Konzern unter dem langjährigen CEO Daniel Vasella vor allem auf Wachstum gesetzt hatte, fährt der US-Amerikaner, der seit 2010 an der Spitze des Konzerns steht, eine fokussierte Strategie.

Die Margen des Krebsmittelgeschäfts von GSK lägen über dem Konzerndurchschnitt von Novartis, sagte Jimenez. Der Zukauf werde deshalb zu einer «signifikanten Margenverbesserung» führen.

Bei den Investoren kamen die Neuigkeiten gut an. Die Novartis-Aktie gewann am Dienstag an der Schweizer Börse bis am Nachmittag 2,6 Prozent an Wert.

Analysten beurteilten die Transaktionen mehrheitlich positiv, setzten aber teilweise Fragezeichen hinter den Preis für das Krebsmittelgeschäft. Ein Analyst der Bank of America Merrill Lynch bezeichnet diesen als zu hoch.

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