Gesetz
Leinenpflicht light in den Langen Erlen

Im Rahmen eines neuen Gesetzes, das wilde Tiere und Vögel schützen soll, könnte künftig eine Leinenpflicht eingeführt werden. Während der Hauptsetz- und Brutzeit sind Hunde an der Leine zu führen, mit Ausnahmen.

Ali Ahmeti
Drucken
Teilen
Leinenpflicht bald auch in Basel-Stadt?

Leinenpflicht bald auch in Basel-Stadt?

Nicole Nars-Zimmer/ Symbolbild

Die Regierung schlug Ende 2020 eine neue Gesetzesgrundlage vor, die wilde Tiere und Vögel schützen soll. Die Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK) unterstützt diesen Vorschlag, aber nahm Änderungen vor, so Danielle Kaufmann, Kommissionspräsidentin der JSSK. Grosser Knackpunkt in der Diskussion war die Leinenpflicht. «Wir von der JSSK haben uns dafür eingesetzt, dass klar definierte Ausnahmen gemacht werden, sodass die Hunde in einem gewissen Rahmen trotzdem frei laufen können. Die JSSK hat sich bemüht, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen», so Kaufmann. Die Änderungen wurden unter anderem vorgenommen, um einem möglichen Referendum vorzubeugen und zu zeigen, dass man die Interessen aller Gruppen berücksichtigt.

Vorgesehen ist eine Leinenpflicht für die Hauptsetz- und Brutzeit vom 1. April bis zum 31. Juli. Diese werde im Wald und am Wald- und Wiesenrand rechtskräftig sein. So soll verhindert werden, dass die Hunde Wildtiere jagen. Der grösste städtische Teil entlang den Langen Erlen wird von der Leinenpflicht nicht betroffen sein. Zusätzlich möchte man verhindern, dass Basel-Stadt zum Ausflugsort für Hundehalter aus Nachbarkantonen und Regionen werden könnte. Die Gesetzeslage der anderen Kantone müsse auch beachtet werden.

Kritische Stimmen zur Leinenpflicht

Personen, die viel mit Hunden zu tun haben, sehen die Leinenpflicht kritisch. «Für den Hund muss eine geistige Auslastung gewährt sein. Er muss frei herumlaufen, rennen und schnuppern können», sagt Béatrice Kirn, Sprecherin vom Tierschutz beider Basel. Für sie ist das selbstverständlich, dass ihr Hund frei läuft, denn sie hat ihn erzogen. Sie würde die Lösungen darin sehen, dass Personen, die sich einen Hund anschaffen, eine konsequente Erziehung handhaben. Vielen Hundebesitzern sei dies nicht klar, so Kirn. So fände sie es sinnvoll, wenn man Neuhundehalter wieder zu einem Sachkundenachweis-Kurs (SKN) verpflichten würde. Den Theoriekurs musste man bis 2017 machen, wenn der Plan war, einen Hund zu kaufen.

Auch Bruno Bartl, Präsident der IG der Kynologischen Vereine Basel und Region, würde es begrüssen, wenn Neuhundehalter zu SKN-Kursen verpflichtet werden. Die Kynologie ist die Lehre die sich mit Themen rund um Haushunde befasst, zum Beispiel Rassen, Erziehung oder auch Krankheiten. «Wer sich ein Haustier anschafft, übernimmt Verantwortung für die ganze Lebensdauer des Tiers», so Bartl. Auch für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Hund frei laufen kann, sofern er gut erzogen ist. Entlang der Wiese in den Langen Erlen sei eine Leine nicht nötig. Er sagt: «Im Wald nimmt man den Hund aus Vernunft und Rücksicht an die Leine, wenn das Risiko besteht, dass er jagt». Bartl erzählt, dass seine Hündin 15 Jahre alt wurde. Das sei möglich gewesen, weil er sich immer um sie kümmerte, keine Kosten scheute und sie es ihm mit dieser langen Lebenszeit dankte. «Augen auf beim Hundekauf», so Bartl, «ist nicht nur ein Schlagwort.» Die IG der Kynologischen Vereine und ihre Sektionen bieten in der ganzen Region Kurse für Hundehalterinnen und Hundehalter an.

Aktuelle Nachrichten