Es kommt in letzter Zeit immer öfter vor: Das Strafgericht in Liestal setzte auch heute wieder einen Fall gegen einen 33-jährigen Angeklagten aus, um ihn forensisch genauer begutachten zu lassen.

Der Mann war an Heiligabend 2010 bei seinem Vater und dessen Lebenspartnerin in Liestal zu Gast, im Verlaufe des Abends wurde offenbar bereits kräftig Champagner und Rotwein konsumiert. Kurz vor Mitternacht entdeckt der Vater zudem eine halbleere Whiskyflasche und stellt seinen Sohn zur Rede - aus dem verbalen Gefecht ergibt sich eine Rangelei, schliesslich würgt der Sohn seinen am Boden liegenden Vater mehrmals und kräftig am Hals. Erst der von der Frau alarmierte Nachbar kann die Männer trennen. Zurückgerechnet ergibt sich beim Sohn ein Blutalkoholgehalt für die Tatzeit von rund drei Promille.

Nebst vielen leichten Verletzungen im Gesicht des Vaters stellen die Ärzte auch sogenannte Stauungsblutungen an den Augenhäuten sowie hinter dem linken Ohr fest, damit diagnostizieren sie eine kreislaufwirksame Halskompression -- der Vater hatte offenbar in unmittelbarer Lebensgefahr geschwebt.

Der 33-Jährige war bereits im Jahr 2009 mit 1,5 Promille am Steuer erwischt worden, auf Nachfrage von Gerichtspräsident Philippe Spitz bestätigte er indirekt, dass er in dieser Zeit ab und zu betrunken Auto gefahren sei. Ein früherer Alkoholentzug war laut den Aussagen des Angeklagten "positiv" verlaufen: "Es hat mir gut getan", sagte er dazu. Allerdings hatte er sich nach dem relativ kurzen stationären Entzug nie für eine Nachbetreuung gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft hatte im jetzigen Verfahren keine Massnahme beantragt, eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr mit einigen Auflagen sei angemessen. Die Strafverfolgungsbehörden wussten zur Zeit der Antragsstellung allerdings noch nicht, dass der Mann inzwischen erneut auffällig geworden ist: Im letzten Dezember erwischte ihn die Polizei mit 3,7 Promille am Steuer. Nun stellte sich wieder die Frage nach einem verordneten Entzug.

"Mein Mandant ist vorher nie derart gewalttätig in Erscheinung getreten, die Prognose ist gut", meinte sein Verteidiger, und lehnte eine Zwangsmassnahme ab: Es würde reichen, die bedingte Freiheitsstrafe mit einer Weisung zur ärztlich-psychologischen Beratung zu verbinden.

Doch Gerichtspräsident Philippe Spitz entschied anders: Das Verfahren wird vorerst ausgestellt, ein Gutachter soll die Alkoholabhängigkeit und passende Therapien genau abklären. Dabei soll auch die Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt im Dezember 2010 untersucht werden, sofern dies nachträglich überhaupt noch möglich ist. Erst in einigen Monaten wird das Gericht dann entscheiden, ob es einen Freispruch, eine Bewährungsstrafe oder einen verordneten Zwangsentzug geben wird.