Euro-Airport
Mehr Flüge nach Istanbul: Der Euro-Airport entdeckt die Gastarbeiter

Es gibt immer mehr Flüge nach Istanbul, Belgrad, Skopje, Varna und anderen östlichen Destinationen. Der Grund: Der Basler Flughafen wird von Gesellschaften genutzt, deren Hauptsegment Gastarbeiter, ihre Verwandten und Bekannten sind.

Stefan Schuppli
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Wizz Air fliegt neu ab Basel nach Skopje und Belgrad. Im Bild: die Empfangszeremonie auf dem Euro-Airport im Herbst.ZVG

Wizz Air fliegt neu ab Basel nach Skopje und Belgrad. Im Bild: die Empfangszeremonie auf dem Euro-Airport im Herbst.ZVG

Der Euro-Airport (EAP) hat im vergangenen Jahr einen Passagierrekord hingelegt: 5,3 Millionen Fluggäste zählte der Flughafen, das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Am beliebtesten war, wie jedes Jahr, die Destination London, die um 11 Prozent auf 546000 Passagiere zulegte.

Überraschend ist hingegen, dass nach Berlin (368000, –10 Prozent) und Paris (316000, –15 Prozent) gleich Istanbul kommt – mit einem Wachstum von 69 Prozent. Im vergangenen Jahr flogen 277000 Passagiere nach Istanbul und retour. Diese Zahlen wurden gestern an der Jahresmedienkonferenz des Euro-Airports bekannt gegeben. Die türkische Metropole wird gerade mal von drei Fluggesellschaften bedient: Easyjet, Turkish und Pegasus.

Auch die neuen Destinationen Belgrad (Serbien) und Skopje (Mazedonien), angeflogen durch den Newcomer Wizz Air, eine in Osteuropa tätige Fluggesellschaft, und Pristina (Kosovo, Easyjet) laufen offenbar gut. Sie sind auf ein Segment ausgerichtet, das bislang wenig Beachtung fand: auf Gastarbeiter, ihre Verwandten und Bekannten. Die Preise liegen zwischen 50 und 100 Franken retour und stellen für die Carunternehmer, die bislang meist diese Strecken (auch ab Basel) anboten, eine Herausforderung dar (vgl. Tabelle). Wizz Air ist mit den Geschäften trotz ihrer Tiefstpreise zufrieden und denkt sogar über einen weiteren Ausbau nach, sagt der Unternehmenssprecher Daniel de Carvalho gegenüber der bz. Konkrete Pläne existieren diesbezüglich aber noch nicht.

Interessante Destinationen

Diese Destinationen sind aber je nach Vorliebe auch touristisch und historisch ausserordentlich interessant, leiden aber unter dem manchmal etwas schlechten Image der Balkanländer. Und zum Teil sind sie auch touristisch nich so gut erschlossen, ausser natürlich Istanbul. Zielorte wie Varna (Bulgarien, Schwarzes Meer), Dalaman und Antalya (Südtürkei, Mittelmeer) sind beides: sowohl für hier tätige Gastarbeiter als auch für Ferienreisende.

Überraschenderweise hat auch der Charterverkehr im vergangenen Jahr zugenommen, konkret um 13 Prozent auf 41000 Passagiere. Wie bereits gemeldet, erlitt die Luftfracht hingegen einen Einbruch von neun Prozent. «Für das laufende Jahr erwarten wir ein Wachstum der Passagierzahl um 3 Prozent auf rund 5,5 Millionen Fluggäste», sagt Flughafendirektor Jürg Rämi. Die Frankenstärke sei eine der Ursachen für die positive Entwicklung: Sie animiere Schweizerinnen und Schweizer vermehrt zu Flugreisen ins Ausland. Erstmals machte ihr Anteil an den EAP-Passagieren 2012 mit 52 Prozent mehr als die Hälfte aus. Praktisch stabil waren im vergangenen Jahr die Flugbewegungen. Die Zahl der Starts und Landungen sank um 0,3 Prozent auf 87355. Rämi führte diese Entwicklung auf den Einsatz grösserer Flugzeuge und deren bessere Auslastung zurück.

Für das Jahr 2013 wartet der Euro-Airport mit einigen neuen Destinationen auf: Easyjet fliegt nach Antalya und Catania, Air France nach Calvi und Figari (Korsika), Tuifly nach Dalaman (Türkei), Skywork nach Elba.

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