MCH Group

Nach Hopplazwei-Ratschlag der Regierung: Ärger über Variante «Ja oder Nein» zum Einstieg des Investors

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Müssen die MCH Group in die Zukunft führen: Präsident Ueli Vischer (links) und CEO Bernd Stadlwieser.

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Noch im Juni soll der Grosse Rat den Teilausstieg von Basel-Stadt bei der MCH Group bewilligen – um für einen noch unbekannten Investor den Weg frei zu machen. Das Parlament kann nur noch Ja oder Nein sagen. Diese Alternativlosigkeit sorgt für Kritik.

Ein unbekannter Investor, ein Schnellzug-Ratschlag der Basler Regierung und ein einschneidender Umbau
des Verwaltungsrats der MCH Group: Plötzlich geht beim Basler Messekonzern alles ganz schnell. Um dem Unternehmen zu mehr Liquidität zu verhelfen, soll die Struktur so angepasst werden, dass ein neuer Investor massgeblich Kapital einbringen kann und dafür neu drei Sitze im verkleinerten Verwaltungsrat erhält – gleich viele, wie alle Kantonsvertreter zusammen.

Obwohl Grossaktionär Erhard Lee findet, dass ein derart massgeblicher Einstieg eines Financiers zurzeit gar nicht einmal nötig sei, treiben die Basler Regierung und die MCH Group den Umbau rapide voran. Das Parlament kann zum Ratschlag, der den Teilausstieg des Kantons aus dem Konzern besiegelt, nur Ja oder Nein sagen. Der grünliberale Grossrat David Wüest-Rudin verfolgte die Geschicke des Konzerns eingehend. Er sagt: «Eine solche kurzfristige Ja-oder-Nein-Übung wollten wir eigentlich vermeiden.» Zumal sich nun auch die Frage nach den Absichten und damit der Qualität des unbekannten Investors stelle. «Wir kaufen die sprichwörtliche Katze im Sack.» Bestenfalls handle es sich um einen branchennahen Investor. Doch das Risiko, dass jetzt ein reines Finanzinvestment getätigt werde, sei nach wie vor gross.

Die GLP befinde sich zurzeit in der Meinungsbildung, was vom Geschäft genau zu halten sei. Dies sei der Kurzfristigkeit des Ratschlags geschuldet. Positiv zu werten sei allerdings, dass der Kanton keine Kapitalerhöhung mit Steuergeldern anstrebe. «Es handelt sich um einen Weg zwischen komplettem Rückzug und Stimmenmehrheit», so Wüest-Rudin. Das sei aus standortpolitischer Sicht nachvollziehbar. Man könne nun aber nicht fundiert diskutieren, ob dieser Mittelweg langfristig der richtige sei: «Das ist eine Fehlleistung der Regierung.»

Legislative darf nur bedingt mitreden – wegen der Börse

FDP-Grossrat Christophe Haller, Präsident der grossrätlichen Wirtschafts- und Abgabekommission (WAK), betont vor allem, wie wichtig die Standortsicherheit im Rahmen dieser Strukturanpassung sei. «Der Schutz der kantonalen Investition sowie der Wertschöpfung am Standort in Basel steht klar im Vordergrund.»

Klar ist allerdings auch, dass der Regierungsrat diesen Ratschlag braucht, um die Verhandlungen abschliessen zu können. Denn bei der MCH Group handelt es sich um ein börsenkotiertes Unternehmen – die Legislative darf somit nicht zu stark in die Geschäftspolitik einwirken.

Erst vor knapp drei Wochen informierten Messe-Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer und CEO Bernd Stadlwieser im Anschluss an eine Grossratssitzung über den Zustand des Unternehmens. Von den Verhandlungen war damals noch nicht die Rede, dafür bekräftigte der Konzern erneut die Absicht, mittelfristig seine Strukturen anzupassen. Im Rahmen der Coronakrise wurde zudem bekannt, dass die einstige Vorzeigemesse Baselworld nach dem Abgang weiterer Aussteller in der bisher bekannten Form eingestellt wird.

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