Studenten empört

Nach Sex-Vorwürfen an der Uni Basel: Umstrittener Dozent kehrt zurück

«Empört euch!»: Mit diesem Transparent wollen die Studierenden zum Semesterstart am Montag auf das Thema sexuelle Gewalt aufmerksam machen.

«Empört euch!»: Mit diesem Transparent wollen die Studierenden zum Semesterstart am Montag auf das Thema sexuelle Gewalt aufmerksam machen.

Der Mann war an der Uni Basel in einen Fall sexueller Belästigung verwickelt – nun fordern Studis seine Entlassung.

Die Vorwürfe wogen schwer. Eine Doktorandin der Uni Basel reichte vergangenen Winter Beschwerde gegen ihren Doktorvater ein, weil er sie sexuell belästigt habe. Nachdem es vorübergehend ruhig geworden war, flammt der Konflikt nun wieder auf. Der Grund: Der Mann wird nach einer halbjährigen Auszeit wieder an der Uni Basel unterrichten – und auch weiterhin Doktorandinnen betreuen. Für einige Studierende ein Skandal. In einem Brief an die Universitätsleitung fordern sie die sofortige Entlassung des Professors.

In ihrer Beschwerde warf die Doktorandin dem Professor unter anderem vor, er sei körperlich übergriffig geworden und habe sie zu sexuellen Handlungen gezwungen. Auch gegenüber der Universität übte sie Kritik. Sie habe nicht gewusst, an wen sie sich wenden könne. Ein Fehler, den die Uni-Leitung damals einräumte. «Wir haben gemerkt, dass wir die betroffene Person etwas alleine gelassen haben«, sagte Uni-Sprecher Geering.

Die Uni eröffnete daraufhin ein Untersuchungsverfahren. Mit dem Professor seien Abmachungen vereinbart worden, wie Geering betont. Ein Job-Entzug stand dabei offenbar nicht zur Debatte. Was genau beschlossen wurde, das ist bis heute unklar. Weder die Universität noch der Professor selbst wollen sich dazu äussern.

Studierende sprechen von «Verschleierungstaktik»

Das Schweigen der Uni-Leitung ist für die Studierenden inakzeptabel. Die Universität habe im vergangenen Verfahren nicht genügend Transparenz walten lassen, schreiben sie nun. Obwohl der Dozent Fehler eingeräumt habe, seien die konkreten Massnahmen nicht öffentlich kommuniziert worden. «Wir sind empört über die aktive Verschleierungstaktik und werden diese nicht weiter hinnehmen», schreibt die Gruppe. Das Schreiben, das der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, beinhaltet zahlreiche Forderungen. Werden diese nicht umgesetzt, behalten sich die Verfasser vor, aktiv zu werden. So könnten sie sich vorstellen, den Unterricht des Dozenten zu boykottieren.

Bei der Universität stossen die Vorwürfe der Studierenden derweil auf Unverständnis. Zum Vorwurf der mangelnden Transparenz sagt Geering: «Wir halten die Informationen zum Fall bewusst zurück, um die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten zu schützen.» Um das Problem aktiv anzugehen, schuf die Universität zum ersten September dieses Jahres eine interne Stelle für eine Koordinatorin für Persönliche Integrität, um Studierenden eine direkte Anlaufstelle anbieten zu können.

Uni Basel arbeitet bereits an einem Wertekodex

Wie der Uni-Sprecher betont, habe eine externe Fachperson nach Anhörung der Beteiligten aus ihrer Sicht adäquate Massnahmen vorgeschlagen. Diese seien der Frau, die ihre Doktorarbeit inzwischen abgebrochen hat, in einem persönlichen Gespräch mit der Rektorin mitgeteilt worden. «Die Forderung der Studierenden hingegen wurde in Unkenntnis des Vorgefallenen gestellt», so Geering. Eine Aussage, welche die Autoren des Schreibens nicht akzeptieren. Sie stünden in Kontakt mit der betroffenen Doktorandin.

Der Fall dürfte noch ein langes Nachspiel haben, obwohl er mit der Rückkehr des Professors faktisch abgeschlossen ist. Aufgrund des Vorfalls überarbeitet die Universität nun nämlich ihre Reglemente. In den kommenden Monaten soll zudem ein neuer Wertekodex erarbeitet werden. Zumindest in diesem Punkt dürften sich Studierende und Uni-Leitung finden. Schliesslich fordern die Studis in ihrem Schreiben neue Richtlinien für Uni-Angestellte, beispielsweise das Vermeiden von Auslandsreisen zu zweit, wenn es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis handelt. Welches Verhalten die Verantwortlichen der Institution als kritisch einstufen, dürfte spätestens Ende Jahr klar sein. Bis dann sollen die neuen Bestimmungen vorliegen.

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