Nachruf
Pharmakologe von Weltrang: Der ehemalige Uni-Vizerektor Peter Meier-Abt ist gestorben

Im Jahr 2005 wechselte der Spitzenforscher an die Universität Basel und übernahm als Vizerektor eine Stelle in der akademischen Selbstverwaltung.

Antonio Loprieno, Rektor Universität Basel 2006-2015
Drucken
Teilen
Peter Meier-Abt war zwischen 2005 und 2011 Vizerektor Forschung an der Uni Basel.

Peter Meier-Abt war zwischen 2005 und 2011 Vizerektor Forschung an der Uni Basel.

Universität Basel / Peter Schnetz

Man rieb sich die Augen. Ein eminenter Zürcher Pharmakologe mit Ivy-League-Vergangenheit, amtierender Direktor des dortigen Zentrums für Klinische Forschung, hatte die Berufung als Vizerektor Forschung in Basel angenommen. Wieso tritt ein Wissenschaftler von Weltformat eine Stelle in der akademischen Selbstverwaltung an, die unter profilierten Wissenschaftlern damals höchstens als Nebenamt auf Interesse stiess?

Diese Frage stellten sich im Jahr 2005 viele – unter anderem ein Kandidat für das Rektorat, als die Nachricht publik wurde, dass Peter Meier-Abt Vizerektor Forschung und Nachwuchsförderung wird. Damals war der Dienst im universitären Management nicht sehr populär unter wissenschaftlichen Leistungsträgern. Wenn wir als Community jetzt anders denken, wenn wir anerkennen, dass gerade von inspirierter Leistung in der akademischen Verwaltung unser Gemeinwohl am meisten profitiert, so wissen wir, welchem visionären Kollegen wir diesen Paradigmenwechsel verdanken: Peter Meier-Abt.

Einst ein gesichtsloses Nebenamt

Einem einstigen gesichtslosen Nebenamt verlieh Peter die Funktion einer prägnanten Brutstätte für die Strategie unserer Universität. Zuerst globalisierte er unser verstaubtes Vokabular, so dass man fortan nur noch von Life Sciences, und nicht mehr von Lebenswissenschaften sprach. Eindringlich wies er Universität und Politik auf die Notwendigkeit der Bildung kritischer Massen von Forschenden in diesen Bereichen hin, was zum auch architektonisch spektakulären Ausbau unserer mikrobiologischen und biomedizinischen Forschung massgeblich beitrug. Fast eigenhändig konsolidierte er die klinische Forschung an der Uni und am Unispital Basel und etablierte die Stadt auf der Landkarte der translationalen und personalisierten Medizin.

Man reibt sich die Augen nicht mehr. Diese ausserordentlichen strategischen Erfolge konnte Peter Meier-Abt nur deshalb erzielen, weil er ein Pharmakologe von Weltrang gewesen war. Denn anders als in vielen Branchen gesellschaftlichen Lebens, in denen Führung mit Macht einhergeht und von oben bestimmt wird, ist Leitung im universitären Wesen mit Vertrauen untermauert und von unten gestiftet.

An jenem Dienstag hatten wir eine dialektische Rektoratssitzung erlebt. In Peters Abteilung sträubten sich einige gegen den nötig gewordenen Umbau. Am Nachmittag traf ich einen nachdenklich rauchenden Peter an der Haltestelle Universität. «Peter, ich wusste nicht, dass Du rauchst!», überraschte ich ihn. Er lächelte und schwieg.

Aktuelle Nachrichten