Offbeat
Eröffnung des Jazzfestivals Basel: Das Gewitter vor dem Sturm

Der Basler Pianist Michael Arbenz eröffnet mit seiner Komposition «Traces of Light» das diesjährige Jazzfestival Basel mit einem Grosskonzert ‒ am Vorabend der eigentlichen Opening Night.

Stefan Strittmatter
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Michael Arbenz (am Piano) bei den Proben mit Vein und der Basel Sinfonietta.

Michael Arbenz (am Piano) bei den Proben mit Vein und der Basel Sinfonietta.

Zlatko Micic

Im Programm des Jazzfestival Basel (Konzerte an mehr als zwei Dutzend Abenden) wird zwar der 25. April, also der Auftritt des Israelischen Bassisten Avishai Cohen, als «Opening Night» angepriesen. Dennoch ist das Konzert am sonntäglichen Vorabend in mancher Hinsicht der grössere Eröffnungsschlag.

Schliesslich vereint der Basler Pianist Michael Arbenz rund 50 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne des Stadtcasino, um die Weltpremiere seiner Komposition «Traces of Light» aufzuführen. Beim sechsteiligen Werk kommen die Talente von drei grundverschiedenen Klangkörpern zum Einsatz, wie Arbenz gegenüber der bz ausführt: jene seines eigenen Jazztrios Vein, der Basel Sinfonietta und der NDR Bigband.

Eine Herausforderung für ihn als Komponisten sei gewesen, diese Identitäten zu vereinen. Wobei Arbenz ergänzt, dass genau da auch ein grosser Reiz liege: «Es entstehen ganz neue Möglichkeiten, eine Symbiose aus verschiedenen musikalischen Welten zu schaffen und diese somit in einem anderen Licht zu zeigen.»

Der Crossover wird seit jeher gepflegt

Dabei ist der stilistische Grenzwall zwischen Jazztrio und Klassikorchester in diesem Falle ohnehin nicht so gross: So verweist Werner Hoppe von der Sinfo­nietta auf die Tat­sache, dass die Musiker von Vein – neben Michael Arbenz sind dies dessen Bruder Florian am Schlagzeug und Bassist Thomas Lähns – bereits mehrfach mit dem Orchester aufgetreten seien. Und auch darauf, dass die Sinfonietta diesen Crossover seit jeher pflege. Die Zusammenarbeit mit der NDR Bigband und deren ­Dirigenten Jörg Achim Keller, der auch am Sonntag die musika­lische Leitung innehat, gehe wiederum auf das Jahr 2014 zurück, in dem man sich gemeinsam vor dem im Vorjahr verstorbenen Georges Gruntz verneigt hat.

Die Sinfonietta vergibt regelmässig Kompositionsaufträge, was Hoppe als eine wichtige Aufgabe ansieht. Mit Arbenz, dessen Stück zum 40.Geburtstag des Orchesters vor zwei Jahren hätte aufgeführt werden sollen, hat man scheinbar ins Schwarze getroffen: Wie feinfühlig und bewusst er mit den sich bietenden Möglichkeiten umgeht, zeigt er im Gespräch mehrfach.

Die Akustik des Stadtcasinos als vierter Player

Selbst die Akustik des Stadt­casinos habe er berücksichtigt, wie er sagt: «Musik für eine solch hybride Formation zu schreiben, bedeutet auch, sich verschiedenen Klang-Ästhetiken und unterschiedlichen Hörgewohnheiten zu stellen.» Die Akustik, in der die Musik aufgeführt werde, spiele da natürlich eine Rolle. Da er den Saal gut kenne, habe er versucht, darauf Rücksicht zu nehmen und die Vorteile der Akustik zu nutzen.

Über die stilistische Ausrichtung von «Traces of Light» möchte er hingegen vorab nicht zu viel verraten. Nur dies: «Die Improvisation spielt in diesem Programm auf verschiedenen Ebenen eine zentrale Rolle.» Sein Trio Vein, das er als «Mini-Orchester» beschreibt, amte hier als Schaltzentrale zwischen dem Orchester auf der linken Bühnenseite und der Bigband auf der rechten. Arbenz’ erklärtes Ziel: «Die Verschmelzung von Improvisation und Komposition.»

Jazzfestival Basel Offbeat.
Diverse Spielorte, bis 30. Mai.
Vein & Basel Sinfonietta & WDR Bigband: Stadtcasino, 24. April.
www.offbeat-concert.ch

Arbenz mit ­Jörg Achim Keller. dem Dirigenten der NDR Bigband.

Arbenz mit ­Jörg Achim Keller. dem Dirigenten der NDR Bigband.

Zlatko Micic