Wahlen Basel-Stadt 2019
Polparteien müssen zittern: Nur fünf werden die Korken knallen lassen

Die grosse Listenverbindung in der Mitte setzt in Basel-Stadt Links und Rechts unter Druck. Müssen Bisherige über die Klinge springen? Für die linke Nationalrätin Sibel Arslan und SVP-Vertreter Sebastian Frehner dürfte die Wiederwahl knapp werden.

Leif Simonsen
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In Basel-Stadt sind die Verhältnisse weniger stabil als in Baselland. (Archivbild)

In Basel-Stadt sind die Verhältnisse weniger stabil als in Baselland. (Archivbild)

KEYSTONE

In Basel-Stadt sind die Verhältnisse weniger stabil als in Baselland, wo von der Beibehaltung der bisherigen Sitzverteilung ausgegangen werden kann. In Basel müssen gleich zwei Bisherige zittern: Sebastian Frehner (SVP) und Sibel Arslan (Basta/Grüne). Trotz des zweitgrössten Wähleranteils in Basel-Stadt muss Frehner bangen, weil seine Partei ohne Listenverbindung mit den anderen Bürgerlichen ins Rennen geht.

Das heisst: Will Frehner sicher sein, wiedergewählt zu werden, muss seine Partei ein Sechstel der Stimmen holen. Das ist angesichts der Wahlprognosen für die Rechtsbürgerlichen kein Selbstläufer. Immerhin kann Frehner auf das grösste Wahlbudget seiner bisherigen Nationalrats-Laufbahn zurückgreifen – sowie auf ein paar Stimmenbeschaffer wie die Ständeratskandidatin Gianna Hablützel-Bürki und den ehemaligen Novartis-Schweiz-Chef Pascal Brenneisen.

Auf der anderen Seite des Spektrums muss die Basta-Kandidatin Sibel Arslan bibbern. Dies weniger aufgrund der politischen Grosswetterlage als vielmehr durch die Bedrohung aus der Mitte. Hier macht sich eine grosse Listenverbindung auf Wählerfang: Die LDP, die FDP, die CVP sowie die sogenannte Mitte, die sich aus einer Unterlistenverbindung zwischen GLP, EVP und BDP zusammensetzt. Gut möglich, dass die Mittekraft, die derzeit aus Christoph Eymann (LDP) besteht, verstärkt wird durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten der Unterlistenverbindung – im Zuge des derzeitigen Klimatrends am ehesten wohl von der GLP.

Der Frauenanteil ist so hoch wie noch nie

Am komfortabelsten ist die Ausgangslage für die Basler SP, wenngleich sie mit Silvia Schenker eine profilierte Bundeshauspolitikerin verliert. Neben dem Bisherigen Beat Jans geht auch noch die amtierende Finanzdirektorin Eva Herzog ins Rennen für die Sozialdemokraten – sie kandidiert auch für den Ständerat. Die Tatsache, dass auch die Nummern 3 und 4 (Mustafa Atici und Sarah Wyss) Wahlchancen haben, führt zu einem engagierten Wahlkampf der einzelnen SP-Exponenten. Die zwei Sitze scheinen gesichert, und ein Dritter liegt drin. Dies allerdings nur dann, wenn die Grünen die Wahl verpassen und damit die Stimmen der Listenverbindung an die Sozialdemokraten wandern. Bei der Durchsicht der 132 Kandidierenden fällt auf, dass die Frauenquote weiter gestiegen ist. In Basel-Stadt liegt sie mittlerweile bei über 46 Prozent. Schweizweit steht der Stadtkanton damit an der Spitze.

Repräsentativ für diesen Trend ist die Kandidatur von den sechs Frauen für den Ständerat beziehungsweise für den Regierungsrat, wo Herzogs Sitz neu besetzt werden soll.
Die meisten haben freilich keine reellen Wahlchancen. Den Splitterparteien am rechten Rand wie etwa der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) oder Eric Webers Volksaktion gegen zu viele Ausländer (VA) geht es darum, Medienpräsenz zu erreichen. Die meisten der Chancenlosen werden allerdings ihre Aufgabe im Stimmenbeschaffen sehen. Noch nie gab es so viele Unterlisten: Junge, Senioren, Frauen oder Secondos werfen sich ins Zeug, um die nötigen Stimmen für die Exponenten der Mutterpartei zu sichern.
Interessant und unvorhersehbar machen die Wahlen in Basel-Stadt auch ein paar Quereinsteiger. Der ehemalige Stadtentwickler Thomas Kessler etwa hat sich bei den Freisinnigen aufstellen lassen – sein Sendungsbewusstsein hat ihn auch im Wahlkampf nicht im Stich gelassen. Reicht es gar für den Einzug in den Nationalrat?

Nur fünf werden die Korken knallen lassen

Ein ebenfalls bekanntes Gesicht ziert die Liste der Grünliberalen. Esther Keller, ehemalige Fernsehmoderatorin und heute Präsidentin des Volleyballclubs Sm’Aesch Pfeffingen, könnte ebenfalls ein sehr gutes Resultat einfahren. Einen Promi-Bonus darf auch der Grünen-Kandidatin Lea Steinle zugeschrieben werden. Eher unfreiwillig geriet die Grossrätin im vergangenen Jahr ins Rampenlicht, als sie vom Grossratspräsidenten aus dem Ratssaal geworfen wurde, weil sie ihr Baby mitgenommen hatte. Ein weiterer Schillerfalter hat höchstens Aussenseiterchancen. Martin Vosseler, Umwelt- und Friedensaktivist, tritt beim «Bündnis – Integrale Politik» an. Vosseler schätzt seine Chance, gewählt zu werden, auf 25 Prozent. Falls es nicht reicht, werde er trotzdem politisch aktiv werden. «Ich will von Sizilien nach Beznau wandern», kündigte er im Wahlkampf an. Damit wolle er bewirken, dass die Kernkraftwerke vom Netz genommen werden.

Für die meisten Kandidatinnen und Kandidaten in Basel wird es nach dem Wahltag am 20. Oktober ebenfalls heissen: zurück ins Leben als Rentner, Studenten, Handwerker oder Bürogummi fernab von sämtlichem Medieninteresse. Nur fünf werden die Korken knallen lassen – der Kampf um die raren Plätze bleibt deshalb umso spannender.