Musikförderung

Radikal, aber fair und berechtigt: Popmusik-Liebhaber sind auch Kulturkonsumenten

Die IG für eine breitere Musikförderung prangert das Basler Präsidialdepartement an, dass in Basel-Stadt im Vergleich zur Klassik alle übrigen Musikgenres deutlich schlechter gefördert und unterstützt werden. (Symbolbild / Klaus Johann Grobe)

Die IG für eine breitere Musikförderung prangert das Basler Präsidialdepartement an, dass in Basel-Stadt im Vergleich zur Klassik alle übrigen Musikgenres deutlich schlechter gefördert und unterstützt werden. (Symbolbild / Klaus Johann Grobe)

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im vergangenen Jahr wurden in Basel 400'000 Franken an Bands ausbezahlt. Auf den ersten Blick mag das ein stattlicher Betrag sein, doch wirkt er weitaus weniger imposant, wenn man weiss, dass der RFV (vormals Rockförderverein) von aktuell 300 Formationen ausgeht. Das sind geschätzt 1000 bis 1500 Musikschaffende, die sich dieses Geld teilen müssen. Zum Vergleich: Alleine das Sinfonieorchester Basel (knapp 100 Musizierende) wird jährlich mit über 13 Millionen subventioniert.

Längst sind Rock und Pop der Jugendkultur entwachsen. Wer mit den Stones und den Beatles aufgewachsen ist, ist heute ein ebenso ernst zu nehmender (und zahlungskräftiger) Kulturkonsument wie jener, dessen Herz für Mozart und Beethoven schlägt. Das gleiche gilt für die Musikerinnen und Musiker, von denen sich abseits der Klassik nur die wenigsten ohne Nebenjobs über Wasser halten können.

Die IG für eine breitere Musikförderung hat die Argumente auf ihrer Seite. Doch verzichtet sie darauf, auf den Zahlen herum zu reiten oder U-Musik gegen E-Musik auszuspielen. Es geht ihr nicht um ein Entweder/Oder. Ihr Anliegen ist berechtigt, ihre Forderung fair. Im Grunde stellt sie eine einfache Frage: Ist das Ungleichgewicht zwischen Pop (und seinen Ablegern) und Klassik noch zeitgemäss? Dass diese Frage radikal erscheint, liegt vor allem daran, dass man sie mit gutem Gewissen nur verneinen kann.

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