Status Quo

Rockin’ all over the world - die Quos können es noch immer

Die Rock-Legenden von Status Quo, Rick Parfitt (links) und Francis Rossi, spielen auf ihren abgegriffenen Gitarren, als ob es kein Morgen gäbe.

Die Rock-Legenden von Status Quo, Rick Parfitt (links) und Francis Rossi, spielen auf ihren abgegriffenen Gitarren, als ob es kein Morgen gäbe.

Die Band aus Grossbritannien verwandelt das Stimmen-Festival zum Freilichtmuseum des Rock ’n’ Roll. Auf dem Lörracher Marktplatz spielt Status Quo einen Hit nach dem anderen.

Es war das letzte Konzert der diesjährigen Stimmen-Ausgabe auf dem Marktplatz von Lörrach. Das Finale. Und was für eines! Die 66-jährigen Rockröhren von Status Quo nahmen das Publikum ab der ersten Minute auf einen fast zweistündigen Ritt auf einem wildgewordenen Pferd mit. Sie preschten los, beinahe pausenlos, spielten einen Hit nach dem anderen, von «In The Army Now» über «Going Down Down Tonight» bis «Whatever You Want».

Rocklegenden

Legendär sind die Quos – und genau so inszenieren sie sich: Der Gitarrist und Sänger Rick Parfitt ist mittlerweile 67 Jahre alt, das scheint ihn aber herzlich wenig zu kümmern. Er stellt sich an den vorderen Bühnenrand wie auf einen Felsen in der Brandung, inmitten der jubelnden Fans. Im Kreuzfeuer zweier Scheinwerfer glitzert der silberne Aufdruck seines schwarzen T-Shirts. Breitbeinig posiert er mit der E-Gitarre dort vorne, wo der Wind besonders stark durch seine blonden Haare weht und erstürmt die Tonleiter. Hoch und runter eilen seine Finger, immer schneller und schneller.

Die Musik scheint mit der Band durchzugehen. Zügellos spielen sie ein Lied nach dem anderen, mit kaum hörbaren Unterschieden. Mal klettern sie die Tonleiter hoch, spielen in einer höheren Tonlage, oder verändern das Tempo. Dennoch: Die Differenz zwischen den Liedern ist minimal.

Seit geraumer Zeit mokieren sich deswegen die Medien über die 5-köpfige Band aus Grossbritannien. Ja, diese Musik ist sehr simpel, das stimmt, aber sie unterhält ein grosses Publikum seit bald 50 Jahren. Nach ihrer Gründung in den 60er-Jahren haben die Quos bis heute 30 Alben produziert, 5500 Konzerte vor 25 Millionen Fans gespielt. Unermüdlich und immer auf drei Akkorden.

Humorvolle Ansagen

Diese musikalische Simplizität hat die Kritiker angestachelt, sich über die Herren lustig zu machen. 2007 konterten die Quos humorvoll mit einem Album namens «In Search Of The Fourth Chord» — auf der Suche nach dem vierten Akkord.

Humor haben die Briten wirklich. Der Front-Sänger Francis Rossi grinst auf dem Marktplatz immer wieder ins Publikum und erlaubt sich kurze Spässe zwischen den Songs. Man wisse ja nie, was man erwarten dürfe, wenn eine alte Band auf der Bühne stehe, teilt er in einer Ansage mit.

Manchmal ist es dann doch etwas zu viel Rock ’n’ Roll. Die minimalen choreografischen Einlagen — Rossi und Parfitt spielen nebeneinander Gitarre und verlagern breitbeinig das Gewicht vom rechten Fuss auf den linken — hat man zur Genüge gesehen. Ja, legendär und so, aber schmerzhaft banal. Fast etwas fremdschämen muss man sich auch, wenn Parfitt seine darstellerische Rock-’n’-Roll-Fähigkeit zur Schau stellt: Er beugt sich über die Zuschauer und lässt affig die Gitarre im Schritt baumeln.

Auch im Publikum begegnet man dem einen oder anderem Rock-Gespenst. Einer der Zuschauer fällt besonders auf: Er hat sich ein rotes Band um das silberne Haupt geschnürt und trägt ein burgunderrotes Samt-Jackett. Ein wahrer Luftgitarrenheld. Die Altersgrenze bei diesem Konzert liegt etwa bei 50, und dennoch ist das Publikum modern. Bei Hits wie «In The Army Now» schnellen etliche Smartphones in die Luft und versuchen, das Konzert im digitalen Familienalbum zu verewigen.

Begeistertes Publikum

Das Publikum ist begeistert. Ohne Aufforderung klatscht und singt es ab dem ersten Ton mit und müht sich seine Finger an Luftgitarren ab, stemmt die Hände in die Hüfte und nickt angestrengt.

Keine Zweifel: Die Quos können es noch immer, das «Rockin’ All Over The World».

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