Olympische Spiele

Ruderer Lucas Tramèr: «Bei den Partys ging die Post ab»

Goldene Tage von Rio: Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr (von links) zeigen ihre soeben gewonnenen Goldmedaillen.KEYSTONE/Laurent Gillieron

Goldene Tage von Rio: Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr (von links) zeigen ihre soeben gewonnenen Goldmedaillen.KEYSTONE/Laurent Gillieron

Nach drei Wochen Rio kehrten am Dienstag die Olympia-Medaillengewinner der Ruder-Vierer in die Schweiz zurück. Sie liessen sich zu Hause feiern.

Gestern ist zusammen mit den anderen Schweizer Olympia-Medaillengewinnern der Ruder-Vierer aus Rio zurückgekehrt. Die vier Goldgewinner, von denen Simon Niepmann und Lucas Tramèr die Region Basel vertreten und im Basler Ruder-Club aktiv sind, landeten mit einer Stunde Verspätung um etwa 12 Uhr in Zürich-Kloten. Mitten im Empfangstrubel fand Tramèr eine freie Minute, um mit der bz über die vergangenen Wochen zu sprechen.

Wie fühlt man sich als Olympiasieger?

Lucas Tramèr: Gut, natürlich. Bereits ist der Sieg eine Woche her, ich habe deswegen immer noch ein gutes Gefühl. Ich freue mich aber auch, wieder nach Hause zu kommen.

Wie waren die drei Wochen Olympia?

«Kompliziert» trifft es ziemlich gut. In der Wettkampfwoche lief alles nach Plan, in der zweiten Woche nicht. Da war es schwieriger, etwas zu unternehmen aufgrund der Verkehrssituation. Anders als die anderen Olympioniken wohnten wir zu viert in einem Apartment und nicht im olympischen Dorf. Von dort aus hatten wir eine schöne Aussicht auf den See, auf dem der Wettkampf stattfinden würde. Mit dem Velo fuhren wir nur fünf Minuten, um dorthin zu gelangen. Andere brauchten eine Stunde. Wir hatten einen brasilianischen Koch dabei. Aber ansonsten musste man in Rio mehr aufpassen, was man isst. Die Hygiene-Standards sind um einiges schlechter als in der Schweiz.

Trotzdem: Konnten Sie Rio geniessen?

Klar waren die drei Wochen auch ein Genuss! Wir haben beispielsweise einen Tag in Rio eingeplant, sind surfen gegangen und haben Ausflüge gemacht. Teilweise zusammen mit Sportlern aus anderen Nationen wie zum Beispiel mit den Franzosen, Italienern oder Dänen. Die kannten wir schon von früheren Wettkämpfen.

Das klingt wie Ferien.

Da widerspreche ich. So sollte man eine Olympiateilnahme nicht sehen. Wir haben uns voll und ganz auf unseren Wettkampf konzentriert. In der ersten Woche haben wir versucht, nicht ins Olympia-Fieber zu geraten. Das heisst: völlige Ausblendung des Medienhypes. Das funktionierte und nahm uns den Druck und die Ablenkung. Der kam aber spätestens bei den Wettkämpfen, den Kameras und Fotografen.

Kam der Sieg für Sie überraschend?

Wir rechneten nicht mit der Goldmedaille. Klar, wir haben darauf gehofft. Der Olympiasieg war unser Ziel. Da wir die Gegner schon einmal geschlagen hatten, und da der Halbfinal gut ausging, wurde der Sieg dann wahrscheinlich.

Was können Sie über die Partys unter den Sportlern berichten?

Ich bin nicht in den Ausgang in Rio gegangen, das haben aber auch die wenigsten anderen Sportler getan. Jede Nation hat ihr Ess- und Festlokal. Dort treffen sich die Sportler, und wenn sie keine Wettkämpfe haben, geht da richtig die Post ab. Die Häuser der Österreicher und Holländer waren bekannt für legendäre Partys. Definitiv war da viel los.

Ähnlich wie bei Studentenpartys?

Vergleichbar. Im Studium bereiten sich die Studenten wochenlang auf Prüfungen vor und danach gehen alle gemeinsam feiern. Hier müssen sich die Sportler eben auf Wettkämpfe vorbereiten. Das anschliessende Feiern gehört dazu.

Aufgrund ihrer Sportkarriere haben Sie Ihr Studium um zwei Jahre verzögern müssen. Bereuen Sie das?

Überhaupt nicht. Für mich war meine Sportkarriere erfolgreich. Ich glaube, dass ich alles richtig gemacht habe, obwohl es sich nicht immer richtig angefühlt hat. Rückblickend war die Zeit als Sportler sehr schön. Jetzt werde ich mich wieder stärker auf meine Ausbildung konzentrieren, wie übrigens alle des Rudervierers.

Geboren sind Sie in Genf. Dann haben Sie sich entschieden, in Basel zu studieren und zogen hierher. Weshalb?

Da meine Eltern aus Basel kommen, habe ich viele Geschichten über die Stadt gehört. Deshalb hat mich Basel schon immer interessiert. Ich wurde nicht enttäuscht. Andererseits trainiere ich in Sarnen im Kanton Obwalden. Rein geografisch macht es bei sechs Trainings in der Woche Sinn, weiter in den Norden zu ziehen.

Haben Sie Basel vermisst?

Ich habe die Schweiz vermisst, auch Basel. Ich freue mich immer darauf, meine Familie zu sehen, meine Cousins zu sehen, die hier wohnen. Mir ist Basel in meiner Zeit als Student und Anwohner sehr ans Herz gewachsen.

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