Auf dem Wolf
SBB werkeln an Herzog & de Meuron-Depot: Vertrag «nicht mehr auffindbar»

Der Serviceanlage der SBB auf dem Wolf für Personenzüge wird ausgebaut – und ein Rechtsverfahren mit Herzog & de Meuron (HdM) riskiert.

Christian Mensch
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Auf die freie Fläche am oberen rechten Ende des Depots soll der Anbau zu stehen kommen.

Auf die freie Fläche am oberen rechten Ende des Depots soll der Anbau zu stehen kommen.

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Die SBB stehen unter einem gewissen zeitlichen Druck. Mit dem Ausbau der Flotte von Personenzügen wächst der Bedarf an Serviceanlagen für die Revision der Kompositionen. Nachdem sich SBB Cargo weitgehend aus Basel zurückgezogen hat, stehen auf dem Bahnhof Wolf an zentraler Lage Kapazitäten zur Verfügung. Doch diese müssen um- und ausgebaut werden. Ein vorliegendes Projekt sieht Investitionen von knapp zwanzig Millionen Franken vor. Gesucht ist nun ein Generalplaner. Die Inbetriebnahme soll bereits in vier Jahren erfolgen.

Bekannt ist, dass die Architekten Herzog & de Meuron (HdM) für die SBB das kupferne Stellwerk gebaut haben. Weniger bekannt ist, dass die Stararchitekten gleich dahinter auch das riesige «Lokomotivdepot» entwarfen, das umgebaut werden soll. Dies könnte aber nun zum rechtlichen Problem werden, wie Ausschreibungsunterlagen zeigen. Denn einerseits liegen die Urheberrechte bei den Architekten, andererseits sehen die Vergaberichtlinien der SBB vor, dass Generalplanerleistungen grundsätzlich ausgeschrieben werden und damit auch ein anderes Büro den Zuschlag erhalten kann.

Der verschwundene Vertrag

Die SBB schreiben den Auftrag aus und versuchen sich doch abzusichern. In einem Studienbericht heisst es, eine Verletzung der Urheberrechte solle möglichst durch «sorgfältige Planung» vermieden werden. So dürfe der geplante Anbau den Charakter des Gebäudes nicht «entstellen». Käme es diesbezüglich doch zu einem Gerichtsverfahren, so sei dieses durch den Planer zu führen und «die SBB kosten- und schadlos zu halten».

Die SBB trügen jedoch das Risiko, würde der Ausbau zu andersgelagerten Rechtsverletzungen gegenüber HdM führen. Auf welcher Grundlage dann allerdings gestritten würde, ist unklar. Denn zumindest bei den SBB ist gemäss Studienbericht der Vertrag mit HdM «nicht mehr auffindbar».

Auch der Kanton Basel-Stadt, mit dem die SBB erst kürzlich die Entwicklung einer «Smart City» auf dem angrenzendenden Wolf-Areal beschlossen haben, wird beim Ausbau der Serviceanlage auf Distanz gehalten.

Aufgrund der «ausgewiesenen kulturellen Bedeutung der bestehenden Anlage» seien «beschaffungsrechtlich problematische und kostenintensive Forderungen durch die Behörden zu erwarten», heisst es im Studienbericht vom Februar dieses Jahres. Deshalb wurde beschlossen, «das Projekt ohne Einbezug der Behörden weiterzuführen». Erst im Vorprojekt, «bei Vorliegen konkreter Projektvorschläge werden die Behörden kontaktiert».

Dass ein ästhetisch allseits befriedigender Ausbau durchaus möglich sein wird, ergibt sich aus den vorliegenden Plänen. Denn in der «Bestvariante» soll hauptsächlich der südliche Trakt mit zwei Abstufungen verlängert werden. In der einen der neu entstehenden Anlagen können damit Züge bis zu einer Länge von 220 Metern, in einer zweiten Züge bis zu einer Länge von 150 Metern an einem Stück gewartet werden.

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