Puppets

Schulden, unbezahlte Gagen: Das neue Filmprojekt von DJ Flume ist ein Desaster

Der Regisseur und Produzent Michael-Gian Flum mit seinem Schauspieler Anatole Taubmann während der Dreharbeiten zu «Puppets».

Der Regisseur und Produzent Michael-Gian Flum mit seinem Schauspieler Anatole Taubmann während der Dreharbeiten zu «Puppets».

«Puppets» sollte ein Meisterwerk werden, doch nun warten Mitarbeiter auf ihren Lohn. Trotzdem soll der zweite Film von Michael-Gian Flum – auch bekannt als DJ Flume – im Herbst veröffentlicht werden.

Eigentlich wollte Michael-Gian Flum – bekannter als DJ Flume – einen Kostümfilm drehen. Ein weiteres «Meisterwerk», wie es in der Eigendeklaration heisst. Ein Film Noir über Marionetten mit Anatole Taubmann in der Hauptrolle. «Puppets» soll er heissen. Doch nun hat sich Flum in den Fäden verheddert: Der Film Noir entpuppt sich als veritable Tragikomödie.

Flum wollte an den Erfolg seines zweiten Filmprojekts glauben. Für seinen ersten Streifen, ein Stummfilm mit dem Mimen David Dimitri und dem Komödianten Patrick Allmandinger – kurz Almi –, hatte er reihenweise Preise eingeheimst, wie er gerne erzählt. Auch wenn diesen der Makel anhaftet, dass sie unbedeutend sind und Flum für die Eingabe zahlen musste.

Für einen Bluff ist Flum stets zu haben. Als DJ sei er in den USA einst für vier «Grammys» nominiert gewesen, schreiben sich die Journalisten seit 2002 gegenseitig ab. Dementiert hat Flum bisher nicht, im Rennen um einen Musik-«Oscar» gewesen zu sein. Stimmt so aber nicht, räumt Flum nun ein. In Wirklichkeit hatte er einmal einen Song eingereicht, der jedoch schon in einer Vorrunde aus dem Wettbewerb flog.

Flum sucht den Erfolg und mit dem zweiten Filmprojekt sollte es wirklich gut kommen. Im vergangenen Jahr hatte er die Bekanntschaft mit Roberto di Pasquale gemacht. Dieser ist ein Mann mit Erfahrung in grossen Kulturevents; Musicals hatte ebenso organisiert wie Kampfsportanlässe. Allerdings endeten diese im finanziellen Ruin. Flum wusste davon. Doch di Pasquale versprach, es solle diesmal wirklich gut kommen. Er sei nicht nur ein Fan von Flums Arbeit, er habe auch einen Financier in Aussicht, der einen Löwenanteil der Produktionskosten übernehme.

Flum stieg auf das Angebot ein. Die Bande wurde eng, Flum trat auch dem Vorstand des Vereins «Haus der Begegnung am Rheinknie» bei, der in der St. Johanns-Vorstadt ein Kulturhaus zu betreiben gedenkt. Es ist dies ein weiteres Basler Projekt von di Pasquale, das er mit seinem langjährigem Kompagnon Christoph Gubser vorantreibt.

Das Phantom des Films: Stiftung in Liechtenstein

Für das Produktionsbudget von 200'000 bis 300'000 Franken sollten di Pasquales Mittel nicht reichen, auch Flum musste Geld aufbringen. Viele der Abmachungen wurden per Handschlag, von Freund zu Freund, geregelt. Die Arbeitsverträge liefen gemäss vorliegenden Unterlagen über eine Stiftung Blue Stars in Liechtenstein, eine Niederlassung sei im «Haus der Begegnung». Als COO der Stiftung zeichnete ein Julio Sozinho. Der Mann wurde allerdings nie gesehen und von der Stiftung ist nicht bekannt, dass es sie auch gibt.

Die Dreharbeiten begannen nach unüblich kurzer Vorlaufzeit im vergangenen Oktober. Die Geschichte dazu hatte der Basler Journalist und Texter Christian Platz als bezahlte Auftragsarbeit verfasst. Das Drehbuch schrieb Flum gemeinsam mit dem Schauspieler Taubmann. Als dieser zum Dreh erschien, wusste dies beauftragte Werbeagentur Now medienwirksam zu inszenieren. Sehr wohlwollende Berichte, auch in der bz, erschienen.

Freilich gestaltete sich die Produktion chaotisch. Das Hotelzimmer im Trois Rois war für Taubmann im falschen Monat gebucht. Während den Dreharbeiten fehlten die Speicherplatten. Schauspielerin Melina Hess, am Dreh eingesetzt als Regieassistentin, berichtet gegenüber der «Schweiz am Wochenende» von einem überforderten Flum. Andere blicken entspannter auf jene Zeit zurück; an vielen Sets komme es zu Unstimmigkeiten.

Der grosse Bruch erfolgte, als die Aufnahmen nach zehn Tagen im Kasten waren: Das Geld, das eigentlich am 21. Oktober auf den Konten sein sollte, war verschwunden. Weder Gage noch Spesengelder kamen bei der Crew an. Di Pasquale und Flum schoben sich gegenseitig die Schuld zu. In mehreren Mails wandte sich Flum an das Filmteam. Am 31. Dezember schrieb Flum: «Laut Roberto sind irgendwelche komplizierte Konto-Sperrung-Probleme (sic!) aufgetreten. Er hat mir versprochen jetzt richtig Druck zu machen, sodass dieses Problem endlich gelöst wird, ich glaube ihm.» Auch di Pasquale steht mit Mitgliedern der Filmcrew in Kontakt. Dort heisst es: Der Film habe das Budget überzogen, nun fehle das Geld. Anfragen dieser Zeitung auf seiner Combox liess er unbeantwortet.

Flum hat nochmals in die eigene Tasche gegriffen

Inzwischen hat Flum einen Privatkredit über 100'000 Franken aufgenommen, um die Ausstände zu tilgen. «Die Mehrheit des Teams hat den Lohn damit erhalten», behauptet Flum. Mehrere Mitarbeitende erklären jedoch, weiterhin auf das Geld zu warten. «Es ist keine schöne Situation», sagt Flum, der sich als Betrogener sieht. Er unterhalte keine Beziehung mehr zu di Pasquale, weder privat noch geschäftlich. Mehr will sich Flum nicht zu seinem ehemaligen Freund äussern. Den Film will Flum im Oktober gleichwohl veröffentlichen. Es sei ihm ein kleines Kunstwerk gelungen.

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