Schuldspruch
«Online-Sexlehrer» will kleine Mädchen verführen und gerät an verdeckte Ermittler

Ein 34-jähriger Mann dachte, er chatte mit Minderjährigen. Das Basler Strafgericht hatte abzuwägen, ob es ihm um Treffen oder um Bestätigung ging.

Patrick Rudin
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Der Mann wurde wegen mehrfachen versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern und Pornografie schuldig gesprochen.

Der Mann wurde wegen mehrfachen versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern und Pornografie schuldig gesprochen.

Symbolbild: Martin Ruetschi / KEYSTONE

«Es ist ein weiter Weg von der Stube am Computer zu einem konkreten Treffen», argumentierte Verteidigerin Eva Weber am Montag im Basler Straf­gericht. Es sei ihrem Mandanten nie darum gegangen, junge Mädchen zu treffen, er habe bloss in Chatrooms Bestätigung gesucht.

Die Strafverfolgungsbehörden hatten ihn auf dem Schirm, als der damals in Basel wohnhafte Mann im April 2017 in einem Chat eine 13-­Jährige anbaggerte. Schnell wechselte man auf Skype, er fragte nach Ganzkörperfotos, wechselte zu sexuellen Themen und fragte dann, ob er ihr ein Foto seines Penis senden dürfte. Als sie bejahte, tat er dies, danach fragte er, wo sie wohnte und schilderte weitere sexuelle Fantasien.

Was er nicht wusste: Am ­anderen Ende der Leitung sass kein 13-jähriges Mädchen am Bildschirm, sondern ein verdeckter Ermittler der Kantonspolizei Bern. Drei Tage später fand ein erneutes Skype-­Gespräch statt, dabei schaltete er seine Kamera ein und zeigte erneut sein Geschlecht, es folgten weitere Fotos und die Bitte um ein Treffen.

Das Verfahren blieb offenbar lange hängen, denn der Mann chattete ahnungslos weiter, und im November 2018 geriet er erneut an einen verdeckten Ermittler. Diesmal dachte er, sein Gegenüber sei ein 12-jähriges Mädchen, und er inszenierte sich als Sexlehrer und gab ihr konkrete Anweisungen. Auf ihre Rückfrage, ob er Lehrer sei, betonte er, er unterrichte kleine Mädchen in Sex. Dabei schlug er auch vor, man könne gemeinsam Sex in seinem Auto haben und erkundigte sich schliesslich, ob sie dafür vielleicht Geld haben möchte.

Im Dezember 2018 griffen die Behörden schliesslich durch und durchsuchten die Basler Wohnung des Mannes, dabei kamen auf einer Festplatte auch Kinderpornos zum Vorschein. Er sass daraufhin drei Tage lang in Polizeigewahrsam. Die Dauer lässt darauf schliessen, dass das Zwangsmassnahmengericht eine weitere Untersuchungshaft ablehnte.

Verabredung mit einem minderjährigen Mädchen

Die Verteidigerin betonte am Montag, der Angeklagte habe die Pornovideos nie bewusst konsumiert. Die Inhalte seien ihm erst bewusst geworden, als sie ihn damit im laufenden Strafverfahren konfrontiert habe. Offenbar hatte sich der Mann zwischendurch mit einem tatsächlich minderjährigen Mädchen verabredet, erschien aber nicht am Treffpunkt. Auch hier lief eine Untersuchung, das Verfahren wurde dann aber eingestellt. Für die Verteidigerin ein klarer Hinweis, dass es ihm nie um konkrete Treffen gegangen sei, er habe bloss im Chat Bestätigung gesucht. Dies war am Montag im Gerichtssaal im Basler Strafgericht auch sein Tenor: «Ja, ich habe damals Bestätigung gesucht», sagte der Mann.

Einzelrichterin Dorrit Schleiminger wertete die Aus­sagen des Mannes teilweise als Schutzbehauptung, reduzierte das Strafmass aber wegen der langen Verfahrensdauer auf insgesamt 180 Tagessätze zu 80 Franken. Da der Mann nicht vorbestraft ist, wird die Geldstrafe bedingt ausgesprochen, allerdings muss er Verfahrenskosten von über 10000 Franken übernehmen. Der 34-jährige arbeitet als Kameramann und betonte, wegen der Pandemie sei seine Einkommenssituation derzeit schwierig.

Der Schuldspruch beinhaltete mehrfache versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern und Pornografie. Weil man bei der Hausdurchsuchung auch noch Marihuana fand, gab es noch zusätzlich eine Busse von 300 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte noch eine ambulante psychiatrische Behandlung zum Umgang mit Pädophilie und Hebephilie gefordert, drang damit aber nicht durch. Beide Seiten können das Urteil noch weiterziehen.

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