Coronavirus

Störche im Park und Singvögel vor der Tür: Flora und Fauna erholen sich in Basel

Coronabedingt im Park anzutreffen: Störche.

Coronabedingt im Park anzutreffen: Störche.

Von einer Rückeroberung kann noch nicht die Rede sein. Aber die coronabedingte Auszeit lässt Flora und Fauna in Basel verschnaufen.

Auf den Strassen Barcelonas tummeln sich ungestört die Wildschweine, in englischen Vorgärten werden Hirsche gefüttert und durch das Stadtzentrum von Santiago de Chile streift behutsam ein wilder Puma. In den vergangenen Tagen gingen zahlreiche Bilder und Videos von Wildtieren, die sich ob der Ruhe plötzlich in urbane Zentren vorwagen, um die Welt. Die Tiere würden sich die Städte zurückerobern, hiess es in den Medien.

In Basel scheint sich dieser Trend auf den ersten Blick vor allem bei gefiederten Arten zu bestätigen: Auf dem Rhein sind grosse Gruppen von Schwänen auf Futtersuche, die Gehwege im Zolli mutieren zu Start- und Landebahnen für Störche und in den Quartieren hört man auf einmal seltene Singvögel zwitschern.

Signifikante Senkung der Luftverschmutzung

Während das «Regionaljournal» des SRF vergangene Woche «Mehr Wildvögel in Basler Quartieren» titelte, gibt sich Luzius Fischer, Präsident der ornithologischen Gesellschaft Basel, zurückhaltend: «Dass sich nun plötzlich mehr seltene Vogelarten in der Stadt ansiedeln, bezweifle ich. Das ist zu kurzfristig.» Viel wahrscheinlicher sei, dass die Vögel in den Quartieren besser hör- und sichtbar seien, da ein grosser Teil des Verkehr- und Fluglärms wegfalle. Fischer gibt zu bedenken, dass Vögel und andere Wildtiere während der Coronazeit in ihren natürlichen Lebensräumen sogar bedrängt werden könnten: «Im Wald, beispielsweise in der Langen Erle, beobachte ich mehr Leute als sonst. Viele halten sich abseits der Strassen auf und könnten so Wildtiere tendenziell eher stören.»

In die gleiche Kerbe schlägt auch Raphael Weber vom Naturschutzverband Pro Natura. Er bestätigt, die Vögel in seinem Quartier besser zu hören, sieht aber die Tiere deswegen noch nicht auf dem Vormarsch: «Um von einer Rückeroberung der Stadt durch die Natur zu sprechen, ist es noch zu früh. Es handelt sich momentan eher um eine Verschnaufpause.» Doch auch er machte aussergewöhnliche Beobachtungen: «Kürzlich konnte ich im Margarethenpark Störche beobachten – so etwas habe ich zum ersten Mal gesehen.»

Dass die Basler Flora und Fauna momentan im wahrsten Sinne des Wortes eine Verschnaufpause erhalten, bestätigt das Lufthygieneamt beider Basel. Wie die bz am Donnerstag berichtete, sind die Stickoxid-Immissionen im Vergleich zur Vor-Coronazeit an den verkehrsreichsten Standorten bedeutend gesunken.

Die Angst vor der Überkompensation

Werden nun in Basel bald Wildschweine am Rheinufer entlang spazieren und Braunbären in den Wohnquartieren die Abfallsäcke durchwühlen? Lange-Erlen-Tierparkleiter Bruno Ris winkt ab: «Wenn wir mitten in der Stadt Wildschweine hätten, dann hätte das nichts mit Corona zu tun.» Er gibt zu bedenken, dass sich die Abläufe in der Natur nicht so schnell ändern, wie sich das die Menschheit vielleicht wünschen würde. Ris ist überzeugt, dass momentan nicht mehr Tiere in der Stadt sind, sondern dass diese lediglich besser zur Geltung kommen.

Für die Entfaltungsmöglichkeiten verschiedener Arten werden also längerfristige Entwicklungen zentral sein. Raphael Weber schaut eher pessimistisch in die Zukunft. Der Sprecher von Pro Natura Basel befürchtet, dass es nach dem Ende der Coronakrise zu einer Überkompensation kommen könnte: «Die Natur könnte dann umso mehr leiden.»

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