Kaserne Basel

Techno-Grösse Carl Craig spannt mit dem Sinfonieorchester Basel zusammen

Ambitioniert: Carl Craig. (zvg)

Ambitioniert: Carl Craig. (zvg)

Carl Craig, ein Techno-Produzent aus Detroit, tritt in der Kaserne Basel auf. Zusammen mit dem Sinfonieorchester Basel performt er «Versus» in der Reithalle – Eine Herausforderung für die Klassiker und den Produzenten.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er seine kurze Mittagspause lieber für sich alleine hätte: Carl Craig steckt mitten in den ersten Proben mit dem Sinfonieorchester Basel, nun hat er auch noch einen Interview-Termin. Am Vortag erst ist der Techno-Produzent aus Detroit angereist. Er habe nach seiner Landung etwas Fastfood gegessen, seither aber nichts mehr, sagt er, während er sich im Backstage der Kaserne einen Tee aufbrüht.

Die Proben sind kräftezehrend. Denn «Versus», das am Donnerstag in der Reithalle aufgeführt wird, ist ambitioniert. Der Besuch zeigt, dass die beiden Welten erst zusammenwachsen müssen. «Sandstorm», ein auf repetitiven Mustern aufgebautes Stück, krankt im ersten Durchlauf noch an rhythmischen Ungenauigkeiten. Die Stakkato-Einwürfe von Fagott und Kontrabass landen teils auf den Zählzeiten statt wie beabsichtigt dazwischen. Dies auszubügeln sei jeweils der arbeitsintensivste Teil, sagt Craig, der dieses Programm in den vergangenen zehn Jahren mit Orchestern weltweit umgesetzt hat.

Zu verschieden sei der Ansatz von Klassikern und Produzenten, was den Umgang mit Rhythmus angeht, so der 50-Jährige: «Aber am Ende finden wir uns immer.» Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass Craig, der mit seinen Gerätschaften über dem Orchester thront, an fixe Tempi gebunden ist. Entsprechend schickt er dem Dirigenten Robert Emery und einzelnen Orchestermusikern einen Clicktrack auf den Kopfhörer. Das digitale Metronom gibt das Timing vor, dennoch braucht es noch Feinarbeit an den einzelnen Stimmen. Und das kann heissen, dass man sich gegen den Notentext entscheidet und die Phrasierung des amerikanischen Jazz-Pianisten Kelvin Sholar als Orientierungshilfe nimmt.

Wie es zur Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester Basel gekommen ist, kann Craig nicht sagen: «Vermutlich über das Nordstern, wo ich regelmässig zu Gast bin.» Er könne aber auch nicht aufzählen, in welchen Städten er «Versus» schon aufgeführt habe. Das sei ihm etwas peinlich, sagt er lachend: «Als wüsste ich die Namen meiner Kinder nicht.»

Orchesterversionen lieber als das Original

Dann erzählt er davon, wie er seinen Hit «Desire» im elterlichen Keller aufgenommen habe. Und wie gut es sich nun anfühle, dieses Stück mit einem Orchester aufzuführen. «Ich arbeite damit an meinem Vermächtnis», gibt er bereitwillig zu. Schliesslich kenne man Ray Charles heute eher für seine Auftritte mit Orchester als für seine Solokonzerte am Klavier. Auch spricht Craig von James Brown und Prince. Und davon, dass er die Orchesterversionen von Beatles-Songs stets mehr mochte als die Originale.

Grosse Namen, grosse Ambitionen. Und dennoch neigt Craig eher zum Understatement. Gefragt nach seiner Rolle auf der Bühne, sagt er, er stehe nur so da und steuere den Zuckerguss bei: «Das Orchester macht die ganze Arbeit.» Später wird Craigs Komposition «At Les» geprobt. Die Streicher und Bläser verdichten sich zu berauschenden Harmonien. Arrangeurin Kate Simko, die den Durchlauf mit dem Notenordner auf den Knien aufmerksam verfolgt, ist zufrieden. Und Carl Craig, der zuvor etwas abgekämpft gewirkt hat, strahlt.
 

«Versus»
Kaserne Basel
Do, 7. 11., 20 Uhr
www.kaserne-basel.ch

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