Gastronomie
Teufelhof: Ganz Basel unter einem Dach

25 Jahre gibt es den Teufelhof. Einst Kulturtheater und -café - heute eines der Aushängeschilder der Basler Gastronomie. Seit fünf Jahren gehört das Kultur- und Gasthaus Raphael Wyniger. Fünf Jahre, die trotz Erfolgskonzept nicht nur leicht waren.

Elia Diehl
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Das Basler Traditionshaus Teufelhof feiert sein 25-jähriges Bestehen
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1989 wurde der ehemalige Truchsesserhof nach der Renovierung wieder eröffnet.
Die alten Mauern des ehemaligen Truchsesserhofes sind noch heute zu sehen.
Monika und Dominique Thommy leiteten den Betrieb des Truchsesserhofes.
Der ehemalige Truchsesserhof heisst heute Teufelhof und gilt als Basler Traditionshaus.
Auch das Treppenhaus wurde 1988 renoviert.
Der Truchsesserhof wurde im Jahr 1988 von Grund auf saniert und renoviert.
Das Gebälk besteht noch immer, wurde allerdings renoviert.

Das Basler Traditionshaus Teufelhof feiert sein 25-jähriges Bestehen

Kenneth Nars

«Als ich das Geld von der Bank hatte, bekam ich schon etwas Bammel», erinnert sich Raphael Wyniger. Fünf Jahre ist es her, dass er als erst 33-Jähriger den Teufelhof kaufte. Dieses Jahr feiert das Kultur- und Gasthaus sein 25-Jahr-Jubiläum.

Viel hat sich getan und verändert in Wynigers Ära. Die Idee blieb aber unangetastet: Der Teufelhof ist der Ort, an dem Spitzenkulinarik mit Kultur verschmilzt, Kunst nicht nur auf Bühne und an der Wand zu sehen ist, sondern Gäste sogar in Kunstwerken wohnen.

Der Teufelhof ist anders und hebt sich vom Einheitsbrei ab. «Genau das finde ich gut», schwärmt Wyniger, ehemaliger Vizedirektor von Basel Tourismus, «er hat ein Konzept, ein klares Profil, ein Gesicht – ist nicht austauschbar.» Er lacht. Heute hat er gut Grund dazu, noch nie war der Teufelhof erfolgreicher. Seit 2010 stieg der Umsatz um ein Drittel, während die Branche eher rückläufig ist. Zu Beginn sah das noch anders aus.

Am Anfang stockte der Motor

Erst brauchte es eine Erfrischungs-Kur, einen Relaunch, ohne die Werte aufzugeben, wie es Wyniger nennt. Seine Vorgänger waren Kulturschaffende; sie hatten die einzigartige Idee des Kultur- und Gasthauses. Aber die gastronomischen Konzepte waren etwas in die Jahre gekommen, das Geschäft rückläufig.

Wyniger, Gastronom durch und durch, setzte genau dort an. «Wir haben das Angebot in die Neuzeit gebrach, den Gast ins Zentrum gestellt und den Investitionsstau etwas aufgeholt», so der zweifache Familienvater. Neuer Kongressraum, modernes Bistro anstelle rustikaler Weinstube, sanfte Renovierungen hier und da.

Die ersten zwei Jahre waren jedoch hart, die Erfahrung fehlte und mit der Finanzkrise wurde die Schuldenlast immer schwerer. Zwar lief das Geschäft gut, aber es reichte nicht, der Teufelhof stand kurz vor dem Aus. «Ich war schon etwas blauäugig», bekennt er selbstkritisch, aber er habe gekämpft und viel gelernt.

Und Wyniger tat, was Wirtschafts-Dozenten lehren: Er investierte während der Krise, der Turnaround kam 2012. Der leidenschaftliche Läufer – jeden Morgen schnürt er um 5.45 Uhr die Laufschuhe – spricht selten in der Ich-Form. Wyniger streicht die Mitarbeiter hervor. «Meine Aufgabe ist eher, Coach zu sein.»

Wynigers Kopf ist voller kreativer Ideen, oft sogar zu vielen. Manchmal müsse er auch gebremst werden. «Oft übernehmen das die Banken», scherzt er. Ein länger geplantes Projekt kann er im Sommer nun aber umsetzen. So werden alle Zimmer des Kunsthotels von acht Künstlern neu gestaltet. Zum 25-Jahr-Jubiläum gibt er zudem das Kochbuch «Aus Teufels Küche» heraus, mit Lieblingsrezepten von 25 ehemaligen oder noch aktiven Teufelhof-Köchen.

Die Kunst und die Kulinarik, nicht der Norm entsprechen, darauf ist Wyniger stolz. «Wir sind perfekt unperfekt.» Der Teufelhof sei authentisch. «Basel unter einem Dach», fasst er zusammen, «im Teufelhof hat der Gast alles, was diese Stadt bietet.» Geschichte, Kulinarik, Kunst, Theater. «Wir erleben oft, dass sich Gäste durchs Haus durchkonsumieren.»

Teufelhof: Der Lange Weg zum Kultur- und Gasthaus

Sechs Jahre waren das Gründerpaar Dominique und Monica Thommy ab 1968 mit dem «Schiefen Theater», einer fahrbaren Kleinbühne, in ganz Europa unterwegs, ehe sie nach über 1000 Vorstellungen 1974 am Andreasplatz das Theater / Café zum Teufel eröffneten. Um unabhängig zu bleiben, wurde das Kleintheater vom Cafébetrieb quersubventioniert.

Schon zu Beginn der 1980er-Jahre wollten sie den Betrieb erweitern und kauften den Truchsesser-Hof. Doch der Teufelhof war nicht erwünscht. Es folgte eine 2361-tägige Bewilligungsschlacht, die 1988 vor dem Bundesgericht endete. Die mit zahlreichen Akten tapezierten Wände des Teufelhof-Theaters zeugen noch heute von der schweren Geburt.

Am 28. April 1989 eröffnete das Paar schliesslich – nach nur neun Monaten Bauzeit – mit dem württembergischen Koch Michael Baader den Teufelhof am Leonhardsgraben 49. Sie hatten sich ein bis heute einzigartiges Konzept, dasGastronomie und Kultur verknüpft, ausgedacht: acht – ab 1990 von Künstlern gestaltete – Hotelzimmer, zwei Restaurants, ein Café, eine Bar sowie natürlich ein Theater. Seit 1993 hat Baader, noch immer Chefkoch des Bel Étage, fast ununterbrochen einen Michelin-Stern.

Im Lauf der Jahre kamen das Galeriehotel im Nebengebäude und ein Weinladen hinzu; die Kunst war trotz des gastronomischen Erfolgs stets wesentlicher Bestandteil, auch nach der Übernahme von Raphael Wyniger und Nathalie Reinhardt 2009. Das 25-jährige Bestehen feiert das Gast- und Kulturhaus am 4. Mai mit einem Tag der offenen Tür. Bereits am nächsten Mittwoch, 19. Februar, erzählen das Gründerpaar Thommy und Raphael Wyniger im Theater ausführlich aus der Teufelhof-Geschichte.

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