Gässli Film Festival

Tim Fehlbaum: «Filme mit Lokalkolorit werden gefragter»

«Ich fand die Architektur einfach wahnsinnig toll»: Tim Fehlbaum im Messeneubau.

«Ich fand die Architektur einfach wahnsinnig toll»: Tim Fehlbaum im Messeneubau.

Die 12. Ausgabe des Gässli Film Festivals bittet den Basler Filmemacher Tim Fehlbaum als Ehrengast aufs Podium.

Ein blendendes Debüt: 2011 begeisterte der damals knapp dreissig Jahre junge Basler Tim Fehlbaum mit seinem dystopischen Thriller «Hell» die Filmwelt. Jetzt erzählt der Regisseur als Ehrengast am Gässli Film Festival, was es braucht, um in der Branche Fuss zu fassen.

Sie haben sich mit dem Endzeit-Thriller «Hell» international einen Namen gemacht, Ihr neues Projekt ist ebenfalls eine Postapokalypse. Wie hat Sie das Coronavirus getroffen?

Tim Fehlbaum: (lacht) Zu Beginn des Lockdown gab es einen Moment, als ich dachte: Ui, so fühlt sich das also an. Es ist zwar nur ein kleiner Vorgeschmack auf wirklich apokalyptische Szenarien. Aber wenn Dinge, die wir für gegeben halten, plötzlich ins Wanken geraten, macht man sich schon so seine Gedanken.

Was reizt Sie an der filmischen Endzeit?

Das frage ich mich manchmal selbst. Dann denke ich, dass jetzt auch mal gut ist mit der Apokalypse und dem Systemzusammenbruch. Wenn ich aber neue Stoffe entwickle, merke ich, dass sie teils wieder in eine ähnliche Richtung gehen. Dann stellt sich die Frage, ob man sich dem verwehren und etwas komplett anderes machen soll. Oder ob man wie viele Regisseure ein Thema immer wieder neu variiert. Eine Komödie oder ein Liebesfilm kommt für mich eher nicht infrage, aber meine Filme müssen auch nicht immer in der Zukunft spielen.

Seit drei Jahren arbeiten Sie an Ihrem Nachfolgefilm. Wie weit ist er?

Wir stecken in den letzten Zügen und hoffen auf einen Start Anfang nächsten Jahres. Aber bekanntlich ist die Situation auch für das Kino momentan schwierig. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.

2011 gelang Ihnen mit «Hell» der Durchbruch. Wie wichtig war die Talentförderung für Ihre Karriere?

In meinem Fall hat das Mentoring eine enorm wichtige Rolle gespielt. Ich trug die Idee für einen postapokalyptischen Film lange mit mir herum, was damals in Europa noch eher ungewöhnlich war. Weil ich nicht ernst genommen wurde, drehte ich einen Kurzfilm, um zu zeigen, wie ich mir das vorstelle. Die Prämisse ist ja die eines B-Movies, aber die Ausgestaltung hat schon fast einen Arthouse-Touch. Der deutsche Filmproduzent Thomas Wöbke wurde darauf aufmerksam. Und wenn er an eine Sache glaubt, kann er alle überzeugen.

Sie sind jetzt gemeinsam mit Thomas Wöbke Ehrengast am Gässli Film Festival…

Ich finde es toll, dass es in Basel einen solchen Ort gibt, wo sich junge Leute austauschen und gegenseitig unterstützen. Als ich selbst in dem Alter war, wäre ich um so etwas froh gewesen. Deshalb habe ich sofort zugesagt und Thomas gleich mitgebracht. Ich fand das eine interessante Kombination, gerade auch für junge Filmemacher: Thomas hat schon früh angefangen, Talente zu fördern.

Brauchte es den Umweg über Deutschland, um den Durchbruch zu schaffen?

Für mich war es kein Umweg, weil ich ja sowieso in München an der Hochschule für Fernsehen und Film studiert habe. Aber es spielt natürlich schon eine Rolle, wo man lebt und seine Ausbildung macht. Gewisse Connections laufen über Freunde und Kommilitonen – ein damaliger Mitbewohner hatte Thomas meinen Kurzfilm gezeigt. Mit ihm zusammen konnten wir dann die Schweizer Filmproduzentin Ruth Waldburger und Roland Emmerich ins Boot holen. Das war alles sehr wichtig.

Sollen junge Filmschaffende also raus aus der Schweiz?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Gerade in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Filme mit einem gewissen Lokalkolorit international gefragter werden. Dieser Trend lässt sich auch auf Streamingportalen wie Netflix erkennen. Mit «Hell» habe ich genau das probiert: Ich habe ihn auf Deutsch gedreht, in einer Welt, in der ich mich ein bisschen auskenne. Das Wichtigste ist, dass man einfach mal macht, wofür man brennt, und den Leuten so eine Vision vermittelt.

Sie haben die Messehalle von Herzog & de Meuron für die Dreharbeiten zu Ihrem neuen Film benutzt. War es für Sie wichtig, einen Teil Ihrer Heimat in die Welt hinauszutragen?

Das würde ich so nicht sagen, zumal das Gebäude im Film als solches kaum wiederzuerkennen ist. Ich fand die Architektur einfach wahnsinnig toll. Wenn man unter der runden Öffnung steht, kann man sich vorstellen, wie eine Rakete startet. Das war der erste Kick. Und da ein Teil des Films auf einem anderen Planeten spielt, wollte ich diese Location als Spacestation nutzen. Andererseits bot sich die Halle auch aus logistischen Gründen an, weil sich dort leicht Studiobauten einrichten liessen.

Werden Sie Ausschnitte von diesem ausserirdischen Basel am «Gässli» zeigen?

Nein, das darf ich leider nicht. Aber wir werden über die Entstehung des Filmes sprechen.

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